Freitag, 12. Februar 2010

Liebesbrief

Liebe Eleonora,

vor fast genau vier Jahren habe ich dich das erste mal gesehen. Du hast meinen Blick sofort auf dich gezogen und ich konnte mich minutenlang nicht mehr von dir trennen. Ich habe dich bewundert. Dein Talent und deinen Mut. Du hast mich an den Rande der Tränen gebracht mit deinem herzzerreißenden Auftritt. Und heute morgen musste ich wieder an dich denken. Wenn sie heute Abend in Vancouver die Olympischen Winterspiele eröffnen wirst du für einen kurzen Moment wieder in den Köpfen von 2 Milliarden Menschen sein. Aber niemand wird dich jemals so verehren, wie ich!
Ich frage mich, wie es dir so ergangen ist. Du bist mitlerweile 13 Jahre alt und wirst am Tag sicher 20 SMS an deine Freundinnen verschicken. Oder vielleicht bist du längst eine berühmte Sängerin. Und ein myspace-Profil hast du sicher auch. Wer weiß, wie viel von deiner Schüchternheit du noch besitzt? Aber du bist ja mitlerweile auch schon groß. Ich hoffe für dich, dass du eine richtig laute Großklappe geworden bist. Lass die blöden Lehrer und Eltern ruhig schimpfen. Die haben keine Ahnung von deinen Sorgen. Die sind alle nur neidisch auf das, was du hast! Nur für dich hab ich die Liveübertragung nochmal als Video mit angehängt. Achte mal auf die Nationalgardisten, die du zum Weinen bringst und höre auf die beiden italienischen Kommentatoren, die sprachlos sind ganz plötzlich. Weißt du Eleonora, wir Deutschen tun uns in der Regel schwer mit euch Italienern. Irgendwie habt ihr so viel, auf das ihr stolz seid. Ihr singt eure Hymne mit einem Donnern- wir nuscheln sie immer bloß vor uns hin. Ihr seid irgendwie so gewieft und schummelt immerzu. Eure Männer nehmen uns die Frauen weg mit ihrer Dolce Vita und wenn man einmal einen Abend auf einem italienischen Balkon mit Wein, Oliven und Käse erlebt hat, will man nie wieder zurück in den Odenwald. Wenn ihr uns dann auch noch im Halbfinale aus einem wichtigen Turnier werft, kann man euch nicht mehr leiden. Man nennt euch hier "Spagetthi-Fresser". Aber ich tu das nicht mehr. Seitdem ich dich kenne, hab ich nie wieder schlecht über Italiener gesprochen.
Denn du bist so anders. Wie du schüchtern deine Arme vor dem Körper verschränkst und mit deiner bezaubernden Stimme dafür sorgst, dass es mir eiskalt den Rücken herunterläuft [...] -wahrscheinlich ist das ITALIENISCH!
Es würde mich sehr freuen, wenn du mir antwortest. Ich will wissen, ob du dir vor Aufregung damals kaum die Schuhe binden konntest und wie dich die ganzen alten IOC-Knacker in die Wangen gekniffen haben. Ich bin nicht so ein Streicheltyp. Ich halte Abstand. Ehrwürdigen Abstand. 980 Kilometer um genau zu sein. Aber ich fühle mich dir näher, als die Leute, die dir deine Haare zerwühlt haben.
Pass immer gut auf dich auf und mach heute Nacht um 3:00 Uhr den Fernseher an. Vielleicht gibt es wieder einen ähnlich ergreifenden Moment. Obwohl das sehr schwer vorstellbar ist. Schon, dass ich es in Erwägung ziehe, macht es unmöglich. Denn du hast mich damals aus heiterem Himmel erwischt!

In Liebe, dein Basti.


Mittwoch, 10. Februar 2010

Zieh bloß keine roten Schuhe an!

Wenn ich mir überlege, wie ich manchmal mit meinen Schuhen umgehe, komm ich ins Grübeln. Morgens schlüpft man rein, ohne sie aufzumachen, rennt mit heruntergetretenem Hacken die ersten fünf Treppen runter und latscht als erstes draußen in den Matsch. Seh ich einen Stein, tret ich gegen und versuche in virtuelle Tore zu treffen und in der Uni steigen mir in jeder Schlange mindestens 3 Leute oben drauf. Sobald ich mit diesen abgelaufenen Dingern irgendwo ausrutsche, fang ich an zu fluchen und drohe damit, mir bald neue zu kaufen. "Dann fliegen die Dinger weg, so schnell kannst du gar nicht gucken!" Wie lange hab ich meine jetzt? Ich glaub seit dem 10. August 2007. In diesem Sommer feiern wir sozusagen dreijähriges Jubiläum. Zusammen haben wir viele Schlachten geschlagen. Wir haben wunderschöne Steintore erzielt, viele schöne Plätze gesehen und sind in so manchen Haufen Hundescheiße getreten. Aber immer gemeinsam. Allein sind sie nie los. Zumindest weiß ich davon nichts. Nur wie oft wird man sich dieser Verbindung bewusst? Nie. Man behandelt sie nicht so, wie sie es eigentlich verdienen, sondern pfeffert sie in die Ecke und putzt sie ab einem bestimmten Grad gar nicht mehr. [...] Aber irgendwann sind sie nicht mehr da und man muss nackig an den Füßen auf die Straße. "Dann tritt mal gegen einen Stein und versuch ein Tor zu erzielen." Und das Gefühl, in warme Hundescheiße zu treten, ist auch nicht gerade ein Genuss. Plötzlich ist man erschrocken und es wird einem bewusst, was man sich da eigentlich tolles an die Füße zieht jeden Morgen. Übrigens ist das mit vielen Dingen ähnlich, aber Schuhe kommen dem Menschen, den man liebt wohl am nächsten. Weil man sofort hilflos ist und unmittelbar nach Verlassen des Heimes merkt, was einem da fehlt. Glücklicherweise verschwinden Schuhe ja nicht einfach so! Sie packen keine Koffer und verschwinden im ICE. Von daher hinkt der Vergleich mit diesem "einen Menschen" sicher ein bisschen. [...] Aber ich war heute nackig an den Füßen in der Stadt. Ich hab gefroren bei fünf Grad minus und bin noch mehr geschlittert, als mit den abgelaufenen Dingern. Man konnte mir Ansehen, das etwas nicht stimmte. [...] Seit heute morgen sind sie weg, meine Schuhe. Geschäftlich, das weiß ich! Es sind nämlich besonders schöne Schuhe, kann ich euch sagen. Viele beneiden mich daraum und wollten sie schon haben, aber sie passen nur mir!!! Wahrscheinlich ist das mein Glück, sonst hätte man sie mir sicher schon geklaut. Und ich werde nie wieder fluchen, dass ich andere will. Und ich werd sie mal wieder putzen. Und ich mach sie in Zukunft auf, wenn ich sie morgens anziehe. Immerhin sind sie seit knapp zweieinhalb Jahren für mich da und haben mich noch nie im Stich gelassen. So eine kleine "Geschäftsreise" ist sehr heilsam. Man schaut sie mal wieder an, denkt nach und man merkt, wie schön sie eigentlich sind und wie robust vor allem. Ich glaub, wenn sie zurück sind, werd ich sie nicht sofort wieder anziehen. Erstmal werd ich sie mir ansehen, einen ganzen Abend lang und ihnen sagen, dass ich sie liebe. Denn das hab ich in dieser Form sicher noch nie gemacht! Ich kann es wirklich kaum erwarten. In Gedanken bin ich immer bei euch!
Kommt gut zurück meine geliebten Converse-förch23!

Donnerstag, 4. Februar 2010

Kuschelhase Westerwave

Es sah einfach unfassbar lustig aus. Eine wirklich illustre Runde. Da waren ehemalige US-Minister gemeinsam mit verdienten deutschen Spitzenpolitikern a.D. (Für alle die Interesse an genauen Namen haben: Henry Kissinger, Wiliam Perry, George Shultz und Sam Nunn/ Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Egon Bahr und Hans-Dietrich Genscher). Mittendrin und leider für alle sichtbar- der frisch gewählt neue deutsche Außenminister Guido Westerwave. Das war genau so ein Bild, vor dem ich Angst hatte, als es darauf hinauslief, dass er wirklich dieses Amt bekommen sollte. Achso, Anlass dieses Treffens war übrigens ein unverbindlicher Gedankenaustausch, ob und wie man in Zukunft weltweit ohne Atomwaffen auskommen könnte/sollte- ein globales und zukunftsentscheidendes Thema! [...] Und mitten drin unser Guido. Einen Kopf größer, als alle anderen, grinste er sich sein Gesicht faltig. Noch einen Moment länger und der Bildschirmschoner wäre angesprungen. Moment mal [...] war er das vielleicht sogar? Jedenfalls hab ich genau in die Gesichter der anderen Politgrößen geblickt und meine einen ganz bestimmten Ausdruck erkannt zu haben. Jeder kennt ihn. Man legt ihn auf, wenn man als Kind ein Kuscheltier geschenkt bekommt. Zu Kuscheltieren muss man eine Beziehung aufbauen, für die meisten Menschen gibt es im Leben nur ein einziges. Manche haben Potenzial, bei manchen weiß man sofort, dass man mit ihnen nicht kuscheln will. Meistens haben sie komische Geischtsausdrücke oder ihnen fehlt jegliches Charisma. Und dann nimmt man es, freut sich für die Kameras und legt es zu Hause an den Platz, der später für Kravatten herhalten wird.
Guido war genau dieses Kuscheltier. Guido ist nett gemeint von denen, die ihn gewählt haben. Genauso wie Tante Trudi das mit dem potthässlichen Hasen auch nett gemeint hat, aber machen wir uns nichts vor- Guido, das wird nichts! Irgendwann wird die FDP aus den Ministerien wieder ausziehen und dann wird Mutti rufen: "Braucht irgendwer noch diesen hässlichen Hasen, sonst schmeiß ich ihn jetzt weg!" Und es wird niemand antworten! Wie immer.

Dienstag, 2. Februar 2010

Da hast du was drauf Bella

"Nutella! Mit nicht so dick Butter. Danke!" Bella war kaum wach, da musste sie schon so schwere Fragen beantworten. Es ist immerhin erst 6:00 Uhr in der Früh. Heute steht viel an. Unterricht bis zur achten Stunde, dann zum Chor und am späten Nachmittag zum Training. Auf die Klausur in Chemie hatte sie gar keinen Bock. Molare Masse, Molares Volumen; das waren alles Fremdwörter. Den großen Bruder konnte sie nicht Fragen, der hatte schon mit Volumen und Masse an sich seine Sorgen. "Willst du noch einen Apfel mitnehmen?" Normalerweise ist so ein Apfel in der Schule maximal bis zur 2. Stunde essbar. Danach hat er so viele matschige Stellen, dass man ihn maximal noch Pferden geben könnte. Aber heute ist der Tag lang, da nimmt sie einen mit. Morgens war nicht viel mit Frühstück. Wann denn auch? In 20 Minuten hieß es: Duschen, Anziehen, Schminken, Haare machen, Tasche packen und manchmal sogar noch Hausaufgaben organisieren. Da kommt dem Pausenbrot eine wichtige Bedeutung zu. Nämlich die einzige Mahlzeit vor dem Abendbrot zu sein. Eine Freude war es ja nicht immer mit der Stulle im Ranzen. Mal war das Brot furztrocken, mal total labberig und dann manchmal waren Dinge drauf, die isst man als junges Mädchen einfach nicht. "Leberwurst. Solche Fettplocken, da muss ich brechen!" [...]
Aber an manchen Tagen war es ein Genuss. So ein Tag, wie heute. Nutella! Davon hätte Bella am Tag 12 Brote verputzen können. Frisches Brot und Nutella, wie geil. Damit wartet man sogar, bis man es isst. Man nimmt sich Zeit, wartet auf einen ruhigen Moment. "Vielleicht wenn ich die Klausur weg habe? Nee, ich schreib eh bis zum Schluss. Muss noch mit dem Nachbarn vergleichen! Ahhh, ich seh grad: Freistunde in der fünften. Perfekt!"
Es war 11:55 Uhr. Da rannte plötzlich eine Gestörte zum Mülleimer in der Raucherecke. Ein lautes "iiiihhhhh" und ein noch lauteres "bääääähhhh"... "Was ist denn los? Frisches Brot und Nutella. Das magst du doch", lästerte der große Bruder mit Kippe in der Hand.

"JA, aber Papa hat es mit dem Leberwurstmesser durschgeschnitten!"