Es gibt Leute, die behaupten wirklich, sie hätten noch nie gelogen. Wow, denkt man sich. So einen suche ich ja schon immer. Einen, der die Wahrheit sagt, dem ich vertrauen kann, blind. Traumhaft. Ich frage ihn was und ich bekomme, was ich mir Wünsche- die Wahrheit. Menschen, die wirklich nie lügen haben das Asperger Syndrom und sind in ihrer sozialen Interaktion beeinträchtigt. Sie sind nicht in der Lage, den passenden Moment für eine Lüge zu filtern und sagen einfach immer die Wahrheit. "Ich habe eine Errektion!" Das ist nur ein Beispiel, was Menschen ohne diese Störung natürlicher Weise niemals so offen sagen würden. Auch wenn es die Wahrheit ist. Wir müssen doch zugeben, dass wir unheimlich gern auf diese Wahrheit verzichtet hätten, um den von mir aus spannenden Moment zu wahren. Wenn man so will, sind Lügen in unserem Leben unglaublich wichtig, denn sie schaffen uns schöne Momente , sie sorgen manchmal dafür, dass sich ein geliebter Mensch keine größeren Sorgen macht, als nötig! Oder sie helfen jemandem etwas zu vergessen, sich zu freuen, sich abzulenken, den Sinn für das Wesentliche zu behalten oder einfach nur herzhaft zu lachen. Vielleicht sollte man den Begriff Lüge präzisieren und einen Unterschied machen zwischen den Lügen, die man uns auftischt, um uns wirklich zu verarschen und den Lügen, die man einfach jeden Tag braucht. Aber dieses Fass mach ich jetzt nicht auf. Wahrscheinlich ist es längst auf, dann guck ich eben einfach nicht hinein.Mir geht es wieder um den Menschen, der behauptet immer ehrlich zu sein. Ich glaube, das geht einfach nicht. Gab es den nicht sogar schonmal? Hat nicht mal ein Journalist aus der Süddeutschen dieses Experiment gemacht, als er 4 Wochen lang nur ehrlich sein wollte. Er hat in dieser Zeit eine Ehe zerstört wegen einer Kleinigkeit und Freunde verloren und ich glaube sogar, dass er fast seinen Job verloren hätte. Das muss man sich mal vorstellen! Wahrscheinlich muss sich jeder von uns nur mal vorstellen, was alles in seinem Leben anders gelaufen wäre, wenn er an manchen Stellen nicht gelogen hätte. Das wären nicht immer nur positive Dinge gewesen, wie es jetzt vielleicht klingt. Aber es sind mehr, als man denkt. Lügen kann genauso wertvoll sein, wie die Wahrheit zu sagen. So blöd es vielleicht sein mag, aber letztlich ist es dasselbe. Mit einer Lüge versuche ich meistens etwas zu erreichen. Und das ist es, worum es geht. Die Intention einer Lüge. Die Lüge: "Du siehst fantastisch aus!" zum Beispiel. Sagt es der Vater zu seiner dicken Tochter, ist es was anderes, als sagt es die "Freundin" zu ihrer dicken Freundin. Schaff ich mir also einen eigenen Vorteil, oder ist Motivation bzw. Ansporn mein Antrieb? Es sind demnach also nicht die Lügner die schlechten Menschen, sondern die Egoisten, die nur an sich denken und alles dafür tun würden, besser dazustehen, als sie es verdienen. Und es sind die Blender und Darsteller, die uns so oft so erbärmlich fühlen lassen, weil wir nicht so edelmütig und toll sind, wie sie! Aber an dem Tag, an dem sie das zugeben können, haben sie sich selbst ein sehr großes Stück geholfen, wenigstens kein Lügner zu sein. Der Scheiß Egoist bleiben sie trotzdem!
"Gib es also zu, dass du gelogen hast, um deinen Job zu kriegen oder dich in irgendeiner Form zu verbessern. Gib einfach zu, dass du gelogen hast, um dir selbst einen schönen Moment zu verschaffen, nach dem du dich sehnst. Gib zu, dass du sie nur rumkriegen wolltest, weil du auf sie stehst. Da ist nichts dabei, die Intention muss nicht schlecht sein. Und man kann dir vertrauen, wenn du nicht die Perfektion spielst."
Ein interessantes Szenario. Denn was wäre, würden alle so handeln? Wahrscheinlich könnte man dann gar nichts mehr glauben.