Dienstag, 2. August 2011

Zeig her dein Namensschild

"Entschuldigung Frau ähhh... Postel." A.Postel um genau zu sein. "Ich glaube, sie können mir helfen. Es geht um Folgendes: [...] Kann man das an der Stelle nicht auch so machen? Und meinen Sie, da bekomme ich in der Form keine Probleme? Hat es eigentlich großen Einfluss auf meine weitere Verfahrensweise oder bin ich davon nicht betroffen?" Und dann dauert dieses eigentlich belanglose Gespräch ewig. Nicht etwa, weil Frau Postel inkompetent bzw. auffällig langsam ist, sondern weil ihr Namensschild an einer unfassbar reizenden Stelle hängt. Man kriegt seinen Blick davon einfach nicht weg. Hauptsächlich prägt sich mir der Name ein. Postel Postel Postel... den darf ich bis nach Hause nicht vergessen. Süß war sie- unglaublich sogar. Und gelacht hat sie über mich, eigentlich pausenlos. Den geb ich später gleich mal Social-Network-Technisch ein. Mal sehen, was mir so ausgespuckt wird. 

Aha Aha. So So. Baujahr '88. Bodi Bill findet sie toll. Aha Aha. Was ist das eigentlich? Sieht gar nicht so stark trainiert aus, die Maus. Okay... ihren Freund hat sie also nicht mehr. Steht hier mitten auf der Wand. "bald hast es geschafft, süße... der wichser hatte dich eh nicht verdient. knutscher, bussi bla bla bla" Schreib ich gleich was, oder fällt mir so schnell nichts ein? Vertagte Schlagfertigkeit nenn ich das, wenn man sich lieber noch eine Nacht gönnt, bevor man alles falsch macht. Diese Möglichkeiten gibt mir diese Social-Network-Geschichte ja. Auf dem Bild sieht sie irgendwie ganz anders aus. Wer weiß welche Normen aus ihrem Jahrgang sie da erfüllen muss. Aber mehr wissen will ich trotzdem. Und wie wurde das möglich? Durch ihr Namensschild. Eine sensationelle Erfindung, die ihre Wirkung erst heute im Web2.0 so richtig ausschöpfen lässt.

So blicken wir heute heimlich auf die Klausur der Nachbarin oder hören genau hin, wenn im Seminar die Teilnehmer aufgerufen werden. Eigentlich wird alles abgecheckt. Mitfahrgelegenheiten, Nachbarn, sogar aus Anwesenheitslisten werden manche Leute schlau. Zack notiert, eingegeben, dummer Spruch überlegt und fertig ist die Laube. Wie Nachhaltig am Ende die Geschichte weitergeht, lass ich mal dahingestellt. Aber das Potenzial ist unfassbar.

Was übrigens bei mir ganz lustig ist und ich hab schon oft darüber nachgedacht. Namensschilder trag ich nämlich eigentlich nie. Aber Fußballtrikots. Ob es da schonmal eine Frau gab, die nach mir im Internet gesucht hat? Das würde mich mal interessieren. "Craig Bellamy? Aha Aha. So So. Sportler also. Wie (?) Manchester City? Der kommt aus England? Der konnte aber gut deutsch. Wahnsinn. Wie bitte (?) 500.000 Fans? Der ist berühmt? Und der war heute in Thalbürgel? Krasse Scheiße." Ob es das mal gab? Oh Mann, ich würde Geld dafür bezahlen, um das in Erfahrung bringen zu können.

Wir sind uns einig. So war das mit den Namensschildern nicht gedacht. Eigentlich sollte man wissen, mit wem man es zu tun hat, wenn man im Edeka an der Kasse steht. "Sie wurden bedient von Frau Emmig." Die übrigens hatte keinen Account. Ist eine andere Generation. Wahrscheinlich schaut sie immer mal in ihren Postkasten. Aber das ist mir dann auch zu viel Aufwand- dafür, dass ich als Antwort dann gesagt bekomme: "Sag mal kennen wir uns?"