Sonntag, 31. Januar 2010

Jetzt wird es kriminell

"Opa Wolfgang? Hast du Kopfschmerzen?" - "Nein, mein Großer. Ich rechne. Ich muss gucken, ob sich ein Geschäft lohnt, oder nicht. Da geht es um viel Geld." - "Millionen?" - "Aber Hallo! Ich überlege, ob ich 2,5 Millionen ausgebe und dafür vielleicht mehr als 100 Millionen kriege." - "Und was rechnest du da so großartig? Das ist doch ganz einfach." - "Ach, das verstehst du nicht. Ich muss übrigens nochmal weg. Sag Oma Ingeborg, ich bin kurz ins Mövenpick gefahren." - "Mövenpick klingt ja lustig. Ich sag ihr bescheid!" Und dann fuhr er weg, ziemlich schnell. Zumindest schneller, als sonst. Und mit dem Telefon am Ohr. [...] So oder so ungefähr könnte es gewesen sein. Opa Wolfgang Schäuble hatte Besuch von seinen Enkelkindern, musste sie aufgrund eines eiligen Anrufs seines Pressereferenten aber kurzfristig verlassen. Auf dem Weg ins Mövenpick klingelte gefühlte 250 mal das Telefon. "Wer ist dieser Mann? Wo hat er die Liste her? Müssen wir uns Sorgen machen, Wolfgang?" - "Was weiß ich denn? Gerade eben saß ich noch am Stubentisch und habe Malefiz gespielt. Bin jetzt auf dem Weg zum Finck, der will mich unbedingt sprechen. Meld mich später." [...] Mit 120 km/h und spektakulärem Drift (den hatte sich Opa Wolfgang zu Innenministerzeiten von BND-Agenten zeigen lassen) bretterte er in die Tiefgarage vom Mövenpick. Ein Audi A8 stand schon da. "Grüß dich Karl-Theodor, alter Haudegen. Was will denn der Finck? Hast du eine Ahnung?" - "Dem geht der Arsch auf Grundeis. Der hat irgendwelches Geld in der Schweiz in den Trockner gepackt, wenn du verstehst, was ich meine! Und jetzt will er wissen, was das für eine Liste ist." - "Herr Gott, das wird eine Scheiße... Wer kommt denn noch? Kommt Guido?" - "Der ist gestern schon in Kabul losgeflogen. Ich denke schon." [...]
Was letztlich genau im obersten Stock des Hotels gesprochen wurde, wissen wir nicht. Aber es sieht nach folgendem aus: Karl-Theodor der "alte Haudegen" wird als anerkannter Jurist mit der Ansage an die Presse treten, dass "gestohlenes" Material vor Gericht nur bedingt rechtskräftig ist. "Wir machen diesen Denunzianten zum Kriminellen. Und mit denen verhandeln wir nicht, punkt!" Guido bläst in dasselbe Horn und die restlichen Schwarz/Gelben kriegen noch ein Memo bis morgen früh. Wolfgangs Aufgabe sollte es sein, erstmal Zeit zu gewinnen, damit die Fincks und Klattens schnell nochmal die Schredder im Keller anwerfen können. Also heißt es: "Man müsse die Quellen gründlich prüfen und sich weitere Schritte gut überlegen. Immerhin sind 2,5 Millionen Euro ja kein Pappenstiel!" [...] Das sollten die von der Presse schlucken. Und der "Gabriel" sollte abgespeist werden, indem man ihm reinen Aktionismus in der Opposition vorwirft. Außerdem hört dem ja sowieso niemand zu. [...]
"Zeit ist das wichtigste. Erinnert euch an den Zumwinkel. Der redet noch immer nicht mit uns, weil wir zu spät bescheid gesagt haben.", sprach Karl-Theodor ein unangenehmes Thema an. "Wir machen das jetzt erstmal so und sobald ich was genaues weiß, ruf ich euch an", sagte Opa Schäuble. [...] Allgemeines Kopfnicken. Was anderes blieb eh niemandem übrig.
"Wolfgang, kannst du mich mitnehmen? Dann muss ich meinen Fahrer nicht extra anrufen", sprach Karl-Theodor. "Klar, steig ein. [...] Wir hören uns dann morgen. Grüßt die Frauen!"
Im Auto konnten beide erstmals entspannen. "Guido hat Recht, diese Lobby-Scheisse wird immer schlimmer." - "Der hat vor allem gerade was hinter sich. Die Nacht im Hotel wäre auf jeden Fall billig gewesen!" [...] Lautes Gelächter auf beiden Sitzen!!! "Der hat sich letzte Woche sicher auch schon mit dem Finck getroffen." Beide konnten sich nicht mehr halten vor lachen. Zum ersten mal war Guido mit dabei und hatte innerhalb nur einer Woche gleich richtig zu tun. "Ich hab ihm immer gesagt, dass Regierungsarbeit nochmal was ganz anderes ist", sagte Wolfgang. "Setz mich da vorn raus, ich hol mir noch was zu Essen beim Afghanen. Hab mich ein bisschen daran gewöhnt, muss ich sagen. Außerdem hat meine Frau vorhin versucht, Suppe zu machen. Kannst du voll vergessen. Man kann eben nicht alles haben." - "In Ordnung Karl-Theodor... Und du kriegst das hin, meinst du?" - "Klar, ich guck heute Abend nochmal in die Bücher. Bis morgen hab ich alle Paragraphen drauf, mach dir keine Sorgen." - "Sehr schön, hau rein."
Karl-Theodor überquerte die Straße und verschwand hinter der nächsten Häuserecke. [...] Puhhh. Was war denn das für ein Abend noch? Wahnsinn! Jetzt aber schnell nach Hause. Nur waren seine Enkel leider schon im Bett. Aber morgen früh sollten sie ja noch mit frühstücken. [...] Es war noch sehr früh am nächsten morgen, als es der Enkelsohn genauer wissen wollte: "Oooopa? Sag mal, bist du das hier nicht auf dem Bild in der Zeitung?"- "Zeig mal her, bitte!"
"Und Opa, was ist ein Waffenlobbyist? Und wieso steht hier, dass du dich mit Schwarzgeld auskennen müsstest? Die sagen, du wärst genau der richtige, um die Entscheidung zu treffen., was mit den 2,5 Millionen Euro passieren soll. Geht es da um die Rechnung, von der du mir gestern Abend erzählt hast?" - "Ist das jetzt ein Untersuchungsausschuss, oder was? Ingeborg, wieso redet der, wie so ein Oberschlauer Jurist? Fast, wie der Guttenberg. [...] Ey... der sieht auch noch so aus!!!" - "Wolfgang, du musst los. Ich hab dir noch einen Joghurt mit eingepackt. Schaffst du es zum Abendessen pünktlich?"

"Ganz so wird es nicht gewesen sein. Aber vielleicht zum Teil. Ich hab mal bei Google "Schwarzgeld" eingegeben. Auf den ersten 4 Seiten ist nur der Schäuble zu sehen. Das find ich sensationell. Jetzt erwarten alle von ihm, dass er die ausliefert, denen er vor Jahren selbst noch angehört hat. Vielleicht sogar noch angehört. Über die Frage hat man lange nicht nachgedacht: Aber was zum Teufel macht der Schäuble noch in einem Bundeskabinett?"

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,675062,00.html


http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/wirtschaft/559/501810/text/


http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E2DC2FA1FF398458A8CD7113FCDBF340C~ATpl~Ecommon~Scontent.html



Freitag, 29. Januar 2010

Da würd ich Eintritt zahlen

Wäre ich etwas früher aufgewacht, hätte ich es im Internet bestellen können. Da hätte ich mich schön einen Abend lang durch die Knackärsche geklickt und irgendwann mein PayPal-Konto belastet. Zwei Tage später, ohne großes Tam-Tam die Kiste aufgerissen und fertig. Dafür war es aber leider zu spät. So einen Express-Service hat nicht mal amazon. Also blieb mir nicht anderes übrig, als dieses unangenehme Auswärtsspiel. Schon wenn du so einen Laden betrittst, drehen sich wie auf Kommando alle Frauen kurz in deine Richtung. Die riechen deine Unsicherheit selbst mit verstopfter Nase. Da kannst du nur den Arsch zusammenkneifen und über die Souveränität kommen. Du bist ja nicht zum ersten mal hier. Wird schon keiner merken.
Wenn ich schonmal hier bin, dann suche ich mir auch eine junge Verkäuferin aus. So ein bisschen muss man sich das ja auch vorstellen können. Da unten hockt ja auch eine und kramt irgendwas.
"Guten Tag, ich brauche in erhöhtem Maße ihre Hilfe" - "Tut mir Leid, ich hab eine Kundin, aber RITAAAAA?? Kannst du dich mal um den jungen Mann kümmern?" Na klasse, die heißt Rita. Die letzte Rita, die ich kannte war Jahrgang '49. Ganz so alt war sie dann nicht, aber für erotische Tagträume eher ungeeignet. Na, was soll's? Du willst ja deiner Freundin was schenken und hier nicht rumflirten. "Aaalso, ich suche ein Geschenk für meine Freundin zum Geburtstag MORGEN. Ich kann sagen, was mir gefällt, aber nur wenn ich es sehe. Hier im Schrank kann ich irgendwie keine Unterschiede erkennen. Können Sie mir weiterhelfen?" - "Wonach suchen sie denn genau? Dessous, Nachtwäsche oder eher etwas Einfaches?" - "Nu ja, es soll schon eher was besonderes sein." - "Mit Spitze?" - "Spitze ist spitze!!" [...] Den Lacher hatte ich auf meiner Seite. Allerdings sah Rita mich an, als hätte sie den schon 1800 mal gehört. "Haben Sie sich farblich schon ein paar Gedanken gemacht? Eher elegant Schwarz, oder zur Zeit sehr modern Lila?" - "Da ich sozusagen Einsteiger bin, denk ich an was klassisches Schwarzes" - "In Ordnung, dann kommen Sie mal mit. Es ist ja auch bald Weihnachten, da haben wir ein Regal mit reduzierter Ware aufgebaut" Reduziert klingt super, dachte ich mir. Das wird jetzt ein Kinderspiel. "Suchen Sie nur Unterwäsche, oder auch BH, Strümpfe, vielleicht sogar Strumpfhalter?" Das Straps-Thema hatte ich zu Hause mal angesprochen. Leider konnte ich keine wirkliche Reaktion erkennen. Wahrscheinlich zieht das heute kaum noch eine Frau an, die nicht täglich mit Rock zur Arbeit geht. Aber sieht schon geil aus, keine Frage. Ach komm- wenn schon, denn schon. Ist ja reduziert, da kann es nicht verkehrt sein. "Also, ich kann mir solche Strumpfhalter schon vorstellen. Gibt es sowas vielleicht als Set?" - "Genau darauf wollte ich hinaus, schauen Sie sich das mal an hier." Sie nahm einen kompletten Bügel von der Stange. Schwarz mit ein bisschen Lila. Sozusagen elegant und modern zusammen. Geil! "Was hat denn Ihre Freundin eigentlich für eine Größe" - "Das hab ich spioniert. Obenrum 75B und untenrum eine 36. Zumindest steht das am häufigsten innen drin" - "Ach Schade, hiervon haben wir nur noch den Slip in der 38, der ist dann zu groß." - "Ach Quatsch, eine einzige Größe und gleich nicht mehr tragbar? Das kann doch nicht sein. Zeigen sie mal her." Mit zwei Zeigefingern spannte ich das schöne Stück vor mir auf und fing an zu vergleichen. Kaum hebe ich den Slip in die Höhe, drehten sich wieder alle Frauen im Laden kurz nach mir um. "Ach Gottchen, der Arme will es aber wirklich gut machen. Ist er nicht süß? Mein Mann hat mir auch mal Unterwäsche gekauft. [...] Hach ja, das muss so 1999 gewesen sein." So träumte wahrscheinlich jede ihren eigenen Traum.
"Hmm, sie haben Recht. Der wird zu groß sein." - "OK... In der 36 hätte ich was aus dieser Serie, was halten sie davon?" Ach du Scheiße, wie sieht das denn aus? So schmückt meine Mutti immer unseren Weihnachtsbaum. Alles voller Kullern, Steinchen und Schleifchen. Und aus dem BH essen Chinesen sonst ihre Suppe. "Nee, das ist ein bisschen dolle, oder?" Rita zeigte mir noch ungefähr 15 verschiedene Sets. Es entwickelte sich wirklich sowas, wie ein Beratungsgespräch. Zwischenzeitlich erwischte ich mich dabei, wie ich beinah solche Attribute, wie süß, schnuckelig, oder goldig benutzte. Langsam sollte ich es zu Ende bringen, dachte ich mir. Bevor die anderen Frauen richtig komisch zu mir rüber blicken, sollte ich mich lieber beeilen. "Ich denke, ich nehme das mit dem Slip in der 38. Ich denke, dass er vielleicht doch passen könnte." - "Ansonsten können sie ja auch nochmal herkommen. So einen Slip findet man ja immer schnell." Genauso dachte ich auch. Also, einpacken! An der Kasse musste ich mich anstellen. Mein Set in der Hand und mittlerweile fast mutig, drehte sich die attraktive Frau vor mir um und sagte: "Chic! Das hast du gut ausgesucht!" -"Wirklich? Cool, danke. Ich hoffe, es passt." - "Ach, darum geht es nicht. Sie freut sich ganz sicher. Für den Anfang ist es super. Als mein Freund mir zum ersten Mal Unterwäsche geschenkt hat, kam er mit sowas an." Sie zeigte auf ein Regal neben der Kasse. Da hingen so kleine Hauben mit Bändern. Von weitem konnte ich zuerst gar nicht erkennen, welchen Körperteil das eigentlich bedecken soll. Ein selbstklebender Aufsatz für die Brustwarzen. Ziemlich schräg. Das machte mir Mut. Auf so eine dämliche Idee bin ich gar nicht erst gekommen. "Hast du auch Strapse dazu?", fragte sie mich. "Na klaro, das gefällt mir total." - "Wenn ich dir einen Tipp geben darf, dann nimm Strümpfe mit einem Silikonbündchen, die rutschen nicht runter. Man könnte sie dann auch mal ohne Strumpfhalter tragen." [...] Ich war verblüfft. Wann redet so eine attraktive ältere Frau schonmal in dieser Form mit einem jungen Kerl, wie mir? Wahrscheinlich sind sie in so einem Laden deutlich mutiger, als beim Fleischer. Das wurde langsam richtig spannend hier. Als ich im nachhinein mal ein bisschen drüber nachdachte, wurde es mir klar. Wenn da so ein Kerl im Laden steht, hat er schonmal eine Partnerin. Es ist ihm auch klar, dass alle um ihn herum es wissen. So ist es sehr unwahrscheinlich, dass er blöd rumbaggert. Kurzum, er ist völlig ungefährlich. Hinzu kommt, dass auch der Mann sich anders verhält, als "draußen", denn er hat von nichts eine Ahnung, möchte aber um Gottes Willen nicht auffallen. So quälen sie dich dann anderthalb Stunden, mit ihren Blicken, um dich dann an der Kasse zu erlösen. Wenn du an der Kasse bist, hast du es gepackt.
Die nette Frau verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern und ließ mich allein. "Alter, warst du cool", dachte ich mir. "Du hast die Situation hier voll im Griff."
"Soll ich es Ihnen noch einpacken?" - "Oh ja, das wäre nett. Und packen Sie mir doch diese Silikonstrümpfe noch mit ein. Ich vertraue darauf, was mir diese riesen Granate eben geraten hat." Das mit der Granate hab ich Rita natürlich nicht gesagt. Ich wollte mir meinen Status nicht kurz vor Schluss mit so einem Proletenspruch verderben. "130 Euro und 95 Cent!" Soll ich ihnen noch ein kleines Parfumpröbchen mit reinlegen? [...] Ich dachte kurz, ich hätte ein Ei verschluckt ohne ein einziges mal zu kauen. Jetzt musste ich es schaffen, nicht mit piepsiger Stimme zu antworten. Ich räusperte mich kurz und antwortete: "In Ordnung, ich möchte mit Karte zahlen." -"Kein Problem. Hier bitte den PIN eingeben und mit grün bestätigen." 130 Euro! Meine Fresse. Sie wird damit sicher nicht jeden Abend vor mir rumtanzen, dachte ich mir. Ich werd es einmal zu Gesicht bekommen, wahrscheinlich nach dem Auspacken. Und in Zukunft werd ich schon abwaschen, oder die Stube saugen müssen. [...] Nu ist zu spät.
Ich nahm meine Tüte und verließ den Laden. Halb glücklich und halb nicht so glücklich! Es wird ihr schon gefallen, sie wird sich sicher freuen. Aber für die Kohle kauf ich mir 3 Fußballtrikots, alter Schwede. Auf dem Weg nach Hause dachte ich nochmal zurück und der Preis erschien mir plötzlich angemessen. Ich stand knapp zwei Stunden inmitten vieler junger Frauen, die mich ansahen und anzwinkerten. Je länger ich drüber nachdachte, desto mehr bekam ich meinen Frieden. Das hast du gut gemacht. [...] Ganz einfach, die 130 Euro waren zum einen für das Set und zum anderen einfach der Eintritt. Es hatte sich wirklich gelohnt. Aus meiner Angst zu Beginn wurde ein erhabenes Gefühl, es erlebt zu haben. Von nun an war ich Profi. Wer weiß, was sich in so einem Hunkemöller alles ergeben könnte. Natürlich nur für meine Freunde!

Donnerstag, 28. Januar 2010

Hagen Rether

Soll ich euch sagen, was zynisch ist? Zynisch ist es, tausende Schweine zu züchten, zu schlachten und in ihren eigenen Darm zu stopfen, um daraus grinsende Gesichtswurst zu machen.

Fifty Fifty... das waren Zeiten

Es gab wirklich Zeiten, da dachte man als erstes an Würstchen, wenn jemand von Halberstadt sprach. 50% Schweinefleisch und 50% Rindfleisch. Das war wirklich eine Knallermischung. Was in Bad Schwartau die Marmelade und in Dijon der Senf, das waren in Halberstadt die Würstchen. Der Rinderwahn sorgte dafür, dass der Anteil an Rindfleisch komplett aus den Würsten verschwand und sie heute wie aus der Billigproduktion in Rheda Wiedenbrück schmecken. [...] Kannst du voll vergessen.
Wenn ich heute sage, ich käme aus Halberstadt, dann antworten mir die Leute: "Ach, das kenn ich. Gab es da nicht mal so einen fetten Domküster, der kiloweise Koks im Tabernakel gebunkert hat, um es dann von Vietnamesen und Schwarzafrikanern irgendwo am Bahndamm verticken zu lassen?" Den gab es wirklich. Und wir hatten auch mal einen aufgeblasenen Kleinstadtgangster mit einer Lokomotive auf der Stirn, der meinte, er müsse sich als der "Pate von Halberstadt" aufspielen und Sexualstraftätern in ihrem Freigang einen Besuch im Puff ermöglichen. Könnt ihr alles nachlesen. Die Bild gibt sich wahnsinnig Mühe mit Halberstadt. Dieser Stadt im absoluten Osten der Republik. In Heimat- und Sachkunde in der 4. Klasse hab ich gelernt, dass 50.000 Menschen in Halberstadt wohnen. Heute sind es vielleicht noch 30.000 maximal. So mögen es RTL und die BILD. Die Jugend verpisst sich fast komplett, es herrschen alte verbitterte Rentner die NPD wählen und hier und da wird mal eine Gruppe bulgarischer Musiker nach einer Premierenfeier halb tot geschlagen. Wenn ich ein Türke aus Paderborn wäre und mit meiner Schwester zusammen studieren würde [...] ich wüsste nicht, ob ich einer Einladung nach Halberstadt folgen würde. Am Ende krieg ich noch die Jacke voll. Dann hat sich mein Besuch aber gelohnt.
Aber liegt das an der Stadt Halberstadt? Was kann dieser Ort mit seiner langen Geschichte und seiner wirklich wunderschönen Lage dafür? Letztlich ist es nichts anderes, als ein Fleck Erde, auf dem einfach die falschen Menschen das Ruder in der Hand halten. Das tolle Panorama der Stadt hat keinen Anteil daran, dass es die NPD schafft, ein Konzert von Konstantin Wecker zu verhindern, indem sie mit "aktiver Teilnahme" droht. Da scheissen sich Entscheidungsträger vor einer Horde Glatzköppe in die Hose und sagen ein geplantes Konzert ab. [...] Toll, jetzt berichtet auch noch die Tagesschau über Halberstadt. Wahrscheinlich war das Stadtparlament froh, keinen "Brennpunkt" erleiden zu müssen. Mir wäre es einen Wert gewesen, so viel Nazimuff lag da in der Luft. Trafen sich am Wochenende "Fußballfans" aus Halberstadt und Magdeburg am Friedensstadion, dachte ich manchmal, das BKA fahndet nach RAF-Terroristen, so viele waren das. Eine ganze Armee begleitet volltrunkene Glatzköpfe mit schwarzen T-Shirts bis ins Stadion und warten dann brav davor, bis sie noch voller sind und bringen sie wieder zurück zum Zug. Unfassbar. Aber wenn das Orchester des Theaters zusammengeschlagen wird und sie einen Notruf absetzen, kommt ein kleines Sixpack der Polizei mit 4 Auszubildenden angetuckert und wartet auf der anderen Straßenseite, bis keine Gefahr mehr droht. Die Täter rennen weg und die Polizei gründet eine Task-Force, die bei der Fahndung helfen soll. Dabei wäre es ein leichtes gewesen, auf die andere Straßenseite zu gehen und den Kerlen eine Acht um die Handgelenke zu legen. Das Ende vom Lied wird sein, dass sie eine milde Strafe erwartet, weil sie von ihren Osteltern dazu gezwungen wurden, sich als Kleinkind auf den Topf zu setzen und nicht in die Pampers zu kackern. Die Polizei wird eine Etaterhöhung beantragen, damit ihre Auszubildenden in Zukunft mit Helm und Schild anrücken können. Es wird wieder an den Symptomen gedoktert, anstatt die Ursachen zu erfragen. Wieso rennen Jugendliche abends auf die Straße und schlagen auf Künstler ein? Ganz einfach [...], weil sie nichts zu tun haben. Wenn ich ein Jugendlicher wäre in Halberstadt, der den ganzen Tag auf einem Gerüst steht und bei 15° minus Fenster anschraubt, dann würde ich jedem meiner Kumpels einen Vogel zeigen, wenn sie mich um 21:00 Uhr anrufen und fragen, ob wir ein paar "Ausländer klatschen" wollen. Da bin ich froh, dass ich zu Hause bin und Günther Jauch gucken kann. Viel lieber würde ich vielleicht in einen kleinen Club gehen und Skat spielen, oder Kickern. Diese Clubs gibt es aber nicht mehr, aus finanziellen Gründen. Dafür haben die Bullen jetzt aber schicke Helme und Knüppel.
Konstantin Wecker kam dann übrigens doch noch nach Halberstadt. Und da konnte die Polizei dann zeigen, wie wichtig die neuen Schlagstöcke waren, als sie auf linke Demonstranten eindroschen, um die "Bevölkerung zu schützen". Auf den Plakaten stand nichts anderes, als "Nazis raus" oder "Der NPD die Stirn bieten". [...]
Viele wunderschöne Jahre hab ich in Halberstadt verbracht, habe Würstchen gegessen, Skat gespielt und meine Unschuld verloren. Und heute muss ich mich manchmal schämen mit meinem Abi T-Shirt: "Gymnasium Martineum Halberstadt".

Doppelpass Alleine? Vergiss es!

"He's a jackass", polterte Obama sichtlich empört. Rapper Kanye West hatte soeben der jungen Countrysängerin Taylor Swift das Mikrofon entrissen und getönt, Beyoncé hätte eines der besten Videos aller Zeiten gemacht und an ihrer Statt den MTV Video Music Award verdient. Die schmucke Newcomerin stand schüchtern daneben und ließ alles über sich ergehen. "Wieso tut er das? Sie scheint ein nettes Mädchen zu sein. Sowas macht man doch nicht", sprach Obama weiter, um sofort wieder an die Arbeit zu gehen: "Kommt Leute, Schluss mit dem entspannten Präsidenten, wir haben noch viel auf dem Programm." Diese Situation spielte sich im Vorfeld einer TV-Debatte im amerikanischen Fernsehen ab. Bevor er auch nur einen einzigen politischen Inhalt angesprochen hatte, wuchs meine Hoffnung in diesen Mann. Denn er hatte absolut Recht. "Seine Mutter hätte ihm wahrscheinlich die Leviten gelesen", sagte Kanye West später bei Jay Leno in der Show.
Ein sehr erfolgreicher Rapper schämt sich öffentlich vor einem Politiker für sein Verhalten. Aber ist Obama eigentlich ein "normaler" Politiker? Er ist es ganz sicher nicht. Obama gibt idealistischen Demokraten in der ganzen Welt einen Grund wieder daran zu glauben, was Demokratie eigentlich bedeutet. Seine Ideen, Terroristen anzuhören, Krankenversicherungen für jeden Amerikaner einzurichten und den Bankern zu erklären, dass man mit dem Geld anderer Leute keine Spielchen macht, klingen vielversprechend. Er hat sich wirklich wahnsinnig etwas vorgenommen. Leider fehlt für Krankenversicherungen das Geld und der Krieg gegen Terroristen bringt vielen Leuten viel Geld. Wie es aussieht, hat Obama es mit einem System aufgenommen, gegen das er nicht gewinnen kann. Diese Leute warten in Ruhe seine Legislaturperiode ab und fordern ihn spätestens danach auf, seinen Nobelpreis zurückzugeben. Ein Rüstungsunternehmen bekommt seinen Krieg, wenn es ihn wegen schlechter zahlen braucht, ein Pharmaunternehmen bekommt seine Schweinegrippe, wenn es sie braucht und wenn die Bauindustrie keine Aufträge hat, wird eben "Rückbau" betrieben und alles wieder neu errichtet. Um so ein System wirklich nachhaltig zu verändern, braucht man Hilfe. Dazu muss wirklich ein anderes Verständnis her. Es reicht, wenn man sich dazu mal selbst befragt. "Was würde ich tun, wenn ich morgen ratz fatz an 40 Mio € kommen könnte, wobei die Umstände nicht ganz klar sind?" [...] Wir kochen am Ende alle unseren eigenen Brei. Das erinnert mich an einen Werbespot von Adidas zur Fußball WM 2006. Thema war der "Teamgeist", um ein gemeinsames Ziel erreichen zu können. "Titan, Titan... ohne Abwehr ist nichts mit Titan", knatterte Oliver Kahn in Zeitlupe. "Ohne Flanke kein Torssuss", lispelte Kevin Kuranyi. Was auf den ersten Blick vielleicht lächerlich klingt, wird Obama irgendwann klar. Wahrscheinlich ist es ihm sogar längst bewusst. Aber dass er es versucht, macht ihn für mich unsterblich!
Denn "Wir" haben es auch versucht und fast geschafft. Podolski und Obama wissen bescheid!
Doppelpass alleine? Vergiss es!

Dienstag, 26. Januar 2010

Nico Bellic hätte geschossen


"Nein", sprach sie. "Sie haben einen falschen Fahrschein." - "Das weiß ich, deshalb komme ich ja auch auf sie zu. Man hat mir am Schalter ein falsches Ticket gegeben. Eigentlich wollte ich ein anderes." - "Das interessiert mich nicht, sie zahlen jetzt beide 40,-€ Strafe und die restlichen Kosten bis zu ihrem Zielort! Sie haben keinen gültigen Fahrschein" - "Den hat mir die dicke Tante am Schalter gegeben. Damit könne ich sparen hat sie mir erklärt. ICH WOLLTE EINEN ANDEREN!" - "Sie haben keinen gültigen Fahrschein." - "In Ordnung Frau Strzlecki, sind sie der einzige Ansprechpartner der Deutschen Bahn, oder gibt es hier im Zug noch jemand anderen?" - "Den Zugführer." - "Den möchte ich sprechen." Keine Chance, auch der Zugführer Herr Schmallenbeck hörte mir nicht zu. Ich solle den Bogen ausfüllen und könne Einspruch einlegen. "Aber an der Fahrpreisnacherhebung können er erstmal nichts ändern", sagte Herr Schmallenbeck ziemlich uninspiriert. Wie oft gerate ich eigentlich in solch eine Situation? Diese überreglementierten Verantwortlichen hören einem gar nicht mehr zu. Die haben ihr Handbuch am Gürtel und schauen sofort rein, wenn sie es nicht schon auswendig können. "Was steht da zu dicke inkompetente Schaltertante drin? Nichts. Tut mir Leid, da kann ich nichts machen. Sie haben keinen gültigen Fahrschein." - "Ich hab es verstanden!!!" Und genau in diesem Moment will ich jemand anders sein. Ein alter Kriegsveteran aus Serbien, 45 Jahre alt- ein Gesicht wie eine Enzyklopädie der Grausamkeiten. Der erzählt die Geschichte von der Tante am Schalter genau ein einziges mal! Dann fasst er sich unter die Jacke, zieht eine verchromte Beretta hervor und beißt sich kurz auf die Zähne. "Ich bezahl den Rest bis nach Berlin und keinen Cent mehr. Koji Pripada?"

Herr Bundeskanzler

1,85 groß, gutaussehend, sehr klug, jung... Keine Angst, ich rede nicht von mir. In diesem Zusammenhang bin ich schon alt. Heute hab ich in einer 12. Klasse im Unterricht gesessen und einen jungen Kerl beobachtet. Der war irgendwie so präsent, dass ich mir vorgestellt habe, wie es wäre, wenn dieser Kerl Bundeskanzler wär. Ein Mann von Format. Einer bei dem man nervös wird, dem Herzen zufliegen und der den ein oder anderen Sachverhalt nett weglächelt. Einen mit Visionen, Charme. Von Nobelpreisen will ich gar nicht erst anfangen! Warum sehen unsere politischen Würdenträger eher aus, wie der Weihnachtsmann oder das Rumpelstilzchen und nicht, wie Hugh Jackman oder Nora Tschirner? Warum sitzen die mit einer griesigen Labbe im Bundestag? Und warum sehen sie neben den Chinesen, Russen, oder Amerikanern so muffelig und irgendwie schlierig aus? Es kommt doch darauf an, was man im Kopf hat, oder? Wahrscheinlich ist in Deutschland ein riesen Aufwand nötig, um sich in so einer Partei durchzusetzen und oben zu etablieren. Um sich als Sozialdemokrat, oder Christdemokrat, oder Liberaler einen Namen zu machen braucht man wahrscheinlich Jahre und kilometerlange Schleimspuren! Das wirft für mich die Frage auf, was genau nötig ist, um Sozialdemokrat mit Listenplatz zu werden? Wahrscheinlich braucht es permanenten Austausch mit anderen "Denkern" während der Studienzeit in Burschenschaften, oder Debattierklubs. Ich selbst bin davon überzeugt, dass der junge, gutaussehende Kerl sicher auch Kanzler sein könnte, wie ich übrigens auch... Aber ich kann mich einfach nicht mit solch komischen Dingen beschäftigen. Der Kollege aus der 12. Klasse sicher auch nicht. So wie der geguckt hat, wusste er gar nicht, welcher Frau er heute Abend zuerst absagen sollte. Der hat gar keine Zeit, sich über Staatsfinanzen zu unterhalten. Sowas macht man doch nur, wenn einem die Alternative, mit einer schönen Frau den Abend zu verbringen verwährt bleibt. Der Kerl hat es einfach schwer, das muss man mal sagen! Ich in sicher, Frau Merkel hat früher niemand gegruschelt und den Steinmeier hat auch keine Frau vom Lernen abgehalten, indem sie ihn ins Paradies eingeladen hat. Die wussten bis 19:00 Uhr nichts mit sich anzufangen, haben gelernt und sind dann gegen Abend in den Politikstammtisch gestürmt, weil sich dort wenigstens einige soziale Kontakte gefunden haben. Leider kann ich euch kein Bild zeigen, aber ich verspreche: Wenn ich 4 Bilder zusammenlege von Menschen mit 20 Jahren (Merkel, Steinmeier, den Kerl aus der 12. und meine Freundin), zeigt ihr mir sofort, welche Spitzenpolitiker werden und welche nicht, ohne dass ich einen Hinweis geben muss. Wetten? Das ist doch komisch, denn mit 20 waren sie alle gleich- zumindest im Kopf!