Immer tiefer rutsche ich in meinen Autositz. Auf der Motorhaube spiegelt sich das orangefarbene Licht der Straßenlaternen. Ich weiß nicht, ob ich müde bin, oder ob mich das nasse Wetter so gähnen lässt. 300 Kilometer hab ich nun vor mir. Der Fahrer hängt permanent am Telefon und quatsch etwas von: "Trenn dich von dem, der hat dich nicht verdient!" Mir wird wirklich gleich schlecht. Diese Masche hab ich mit 14 Jahren abgelegt, das ist ja das allerletzte. Zum Glück hab ich Musik dabei. Ich schmeiß meinen iPOD an und es kommt das:
Ich beobachte mich selbst dabei, wie ich auf die Straße starre, um meine Gedanken zu verdrängen. Denn ich fahre weg. Und auf einmal bekomm ich Bauchschmerzen. Es ist einer dieser verdammten Sonntage im Herbst. Man war zu Besuch bei seiner Freundin. Die Zeit verging, wie im Flug und wenn man versucht genauer darüber nachzudenken, kann man sich irgendwie nur noch an die Mahlzeiten erinnern. [...] Eigentlich ist einem bewusst, dass morgen wenn der Alltag wieder beginnt, nur noch alles halb so schlimm ist, aber erstmal schießen einem die Tränen in die Augen. Ich erinnere mich an ihren Gesichtsausdruck, als das Auto langsam losrollte. Sie ballte die Faust, als wollte sie mir sagen: "Du schaffst das. Halt die Ohren steif!" [...] Dieses Bild brennt sich einem vor das innere Auge und man wird es die ganze Fahrt nicht los. Ich versuche, mich abzulenken: "Dienstag kriegst du schonwieder Besuch, da kommen die Jungs zum Fußballgucken. Mittwoch und Donnerstag ist auch Fußball. Und am nächsten Wochenende wolltest du mal wieder auf dein Rad steigen, das Wetter soll besser werden." Damit kriegst du genau 2 Minuten um und irgendwie ist nichts vergleichbar mit dem lieblichen Geruch der eigenen Freundin, ihrem warmen Atem und ihrer leisen Stimme. Ich fange an, mir vorzustellen, was sie wohl jetzt gerade macht. Sicher hat sie Schokolade bei sich, sie wird ihre Nachttischlampe anhaben. Es wird "Nur die Liebe zählt" laufen und sie wird vor ihrem Laptop sitzen und sinnlosen Kram schreiben. Aus der Küche riecht es nach gebratenem Fisch und aus dem Bad klingt der Foen der Mutter, die es morgens immer nicht mehr schafft, ihre Haare zu waschen. Man kann sich für einen Moment nichts schöneres vorstellen. [...]
Ganz plötzlich erwacht man aus seinem Traum, weil einen der Fahrer auf die Schulter tippt: "Ich muss mal kurz runter, mir drückt die Blase. Musst du auch mal?" - "Nein, ich werd eine rauchen und warte auf dich."
Die Geräuschkulisse, die fetten Rasthofgäste, die sich die Eisbeine nur so reinleiern und dieses beschissene Wetter sorgen dafür, dass ich nur noch zurück will. Mich zieht es mit in dieses indirekt beleuchtete Zimmer mit der Schokolade und Kai Pflaume, mit 25° Raumtemperatur und dem Geruch der frischgwaschenen Wäsche aus dem Schrank.
Es schnürt mir den Hals zu, ich muss schlucken... "Der Wind" pustet mir Tränen in die Augen. Erst guck ich hoch, dann wieder runter und ganz plötzlich vibriert es in der Jackentasche:
"Hey Baby, ich sitze gerade vor dem Fernseher und schreibe sinnlosen Scheiss bei facebook. Unser Wochenende war wunderschön und ich hab eine kleine Überraschung für dich. Komm dich Freitag besuchen, mein Job fällt aus. Isle of YOU"
Was soll man dazu sagen? Ich balle meine Faust in der Tasche und beiße die Zähne zusammen. Plötzlich hab ich Lust auf Fußball, und Muttis Foen nervt auf einmal auch.
schön...und nachvollziehbar! :)
AntwortenLöschenEs gibt nichts, was man auf ein Kompliment erwidern könnte. Ich habe selbst schon so oft Komplimente bekommen, und immer machen sie mich verlegen. Ich habe immer das Gefühl, es wäre nicht genug gesagt worden.
AntwortenLöschenmark twain
http://www.youtube.com/watch?v=YHWne0NBZAk
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