Samstag, 6. November 2010

Verarschen?

Keine fünf Minuten hat es gedauert, da hat mir so ein langer Typ mein Getränk aus der Hand gehauen. "Ey Tarzan, man konnte bereits von draußen sehen, dass du durch die Lücke hier nicht durchpasst. Ich hab das Gefühl, du suchst bewusst die Konfrontation. Will sich wohl keine mit dir unterhalten?"
Wie in Zeitlupe dreht der sich zu mir. Er möchte seinen definierten Körper ausfürhrlich inszenieren. Dafür geht er ja immer vor den Spiegel und hebt diese schweren Scheiben hoch. Und einen Blick hat der, wahnsinn. Als ob ich ihn mit seinem Weibchen bei der Paarung gestört habe. "Woll'n wer rausgehn oder was, du hässlicher Affe?" - "Nee nee moment, so war das nicht gedacht. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass du dir einen Plan machst, wie ich meinen Saft wiederbekomme." - "Ich hau dir gleich eins auf die Fresse, du Affe!"
Allet klar, mit dem ist nicht zu spaßen. Der hat seinen Motor schon an und jetzt will er Gas geben. "Hör zu, ich versteh dich schon. Wenn man wie du so eine Lok ist, will man sie auch mal ausfahren. Aber warum suchst du dir dazu nicht noch zwei/drei Waggons und ihr macht ein paar Liegestütze auf der Tanzfläche oder Armdrücken, oder warum verschiebst du nicht ein paar Schränke oben in der Lounge?" - "Verarschen?" - "Mach mal einen Satz draus bitte, ich kann mir beinah alles vorstellen was du meinen könntest." - "Ob du mich verarschen willst, du Affe?" - "Wir kommen vom Thema ab. Du hast meinen Drink verkippt und jetzt holst du mir wieder eine neuen- und zwar Schubrakete!" - "Sonst was?" - "Ach stimmt, bei euch im Tierreich funktioniert das ja nur mit Sanktionen. Wat willst'n jetzt hören? Du kriegst sonst Stubenarrest, damit du dich mal überprüfen kannst. Da macht der Onkel einfach zu deinen Käfig und dann sitzte da." - "Alter, ich box dich echt gleich um, du Affe." - "Ja, damit rechne ich schon seit zehn Minuten jetzt. Aber wie ich das sehe, hast du schon 34 Whisky-Cola weg. Wenn du dich einmal im Kreis drehst, weißt du schon gar nicht mehr, wen du eigentlich hauen wolltest. Da bin ich also ganz entspannt." - "Alter, komm ran wenn du was willst." - "Du hast mir schon von da drüben drei mal ans Trikot gespuckt, ich komm jetzt nicht zu dir."

Dass ich von diesem Burschen keinen neuen Drink bekommen würde, wusste ich eigentlich vorher. Ich hab dann aber im Kopf eine Rechnung aufgestellt, dass die 5,- €, die mir der Traktor auf die Schuhe gekiptt hat, letztlich für das Entertainment waren. Von diesen Stirnbandträgern mit weißen Unterhemden und Nerd-Brille hab ich dann noch bestimmt zwanzig Mann gesehen. Allemann elementare Probleme mit Sprache an sich und einen unglaublich anmutigen Laufstil.

Zwei von seinen Herdenmitgliedern haben ihn dann weggezogen. "Lass diesen Spacko sein, der ist dumm, das merkst du doch. Außerdem bist du immer so aggressiv, wenn du eine Kreatinkur machst." Seinen Namen wollte er mir nicht sagen, aber ich spekuliere stark auf Lars. So würde ich mein Kind nennen, wenn ich möchte, dass ihn später niemand ernst nimmt. Morgen treffen sie sich dann zum Kaffee irgendwo. Einer bestellt einen Café au Lait, einer einen Latte Macchiato und einer einen Milchkaffee, "aber bitte nur mit Esspresso Dopio". Ist letztlich dasselbe, aber es klingt vor der süßen Bedienung einfach besser. So, als hätte jeder seinen eigenen Kopf und auch mächtig was zu sagen. Wenn dann das kleine Kellnermäuschen ihren männlichen Kollegen rausschickt, um ihnen den Kaffee zu bringen, deuten sie daraus, dass sie sich vor lauter Schüchternheit nicht mehr raus traut, so geflasht ist sie von ihrem Style. "Kommst du nachher noch mit zum Fitness?" (Gemeint ist: Eiweißshakes saufen, bis man fast kotzt und an der Theke sitzen bis endlich die süßen Mädels kommen, die über ihren verkürzten vorderen Oberkörper staunen können.) "Joooo, wir gehen später buffen. Aber vorher hol ich noch mein Baby ab." (Baby hat jetzt ein Airbrush auf der Motorhaube)

Es ist wirklich nicht leicht für uns, mit euch umzugehen. Aber es würde schon gewaltig helfen, wenn ihr einfach guckt, durch welche Lücken ihr passt und durch welche nicht. Dann müsste ich mir wenigstens keine Gedanken über euch machen. Obwohl... einen positiven Aspekt hat es: Ich merke dann immer, wie verdammt gut es mir geht. Da haben sich die 5,-€ am Ende eigentlich richtig gelohnt. Kann man sich vorher gar nicht so vorstellen. Passiert mir das nochmal, sag ich einfach ganz freundlich "Danke". Das witzige ist, ich kenn sogar schon die Antwort!

"Verarschen, du Affe?"

Mittwoch, 1. September 2010

Welche Wahrheit jetzt genau?

Es gibt Leute, die behaupten wirklich, sie hätten noch nie gelogen. Wow, denkt man sich. So einen suche ich ja schon immer. Einen, der die Wahrheit sagt, dem ich vertrauen kann, blind. Traumhaft. Ich frage ihn was und ich bekomme, was ich mir Wünsche- die Wahrheit. Menschen, die wirklich nie lügen haben das Asperger Syndrom und sind in ihrer sozialen Interaktion beeinträchtigt. Sie sind nicht in der Lage, den passenden Moment für eine Lüge zu filtern und sagen einfach immer die Wahrheit. "Ich habe eine Errektion!" Das ist nur ein Beispiel, was Menschen ohne diese Störung natürlicher Weise niemals so offen sagen würden. Auch wenn es die Wahrheit ist. Wir müssen doch zugeben, dass wir unheimlich gern auf diese Wahrheit verzichtet hätten, um den von mir aus spannenden Moment zu wahren. Wenn man so will, sind Lügen in unserem Leben unglaublich wichtig, denn sie schaffen uns schöne Momente , sie sorgen manchmal dafür, dass sich ein geliebter Mensch keine größeren Sorgen macht, als nötig! Oder sie helfen jemandem etwas zu vergessen, sich zu freuen, sich abzulenken, den Sinn für das Wesentliche zu behalten oder einfach nur herzhaft zu lachen. Vielleicht sollte man den Begriff Lüge präzisieren und einen Unterschied machen zwischen den Lügen, die man uns auftischt, um uns wirklich zu verarschen und den Lügen, die man einfach jeden Tag braucht. Aber dieses Fass mach ich jetzt nicht auf. Wahrscheinlich ist es längst auf, dann guck ich eben einfach nicht hinein.
Mir geht es wieder um den Menschen, der behauptet immer ehrlich zu sein. Ich glaube, das geht einfach nicht. Gab es den nicht sogar schonmal? Hat nicht mal ein Journalist aus der Süddeutschen dieses Experiment gemacht, als er 4 Wochen lang nur ehrlich sein wollte. Er hat in dieser Zeit eine Ehe zerstört wegen einer Kleinigkeit und Freunde verloren und ich glaube sogar, dass er fast seinen Job verloren hätte. Das muss man sich mal vorstellen! Wahrscheinlich muss sich jeder von uns nur mal vorstellen, was alles in seinem Leben anders gelaufen wäre, wenn er an manchen Stellen nicht gelogen hätte. Das wären nicht immer nur positive Dinge gewesen, wie es jetzt vielleicht klingt. Aber es sind mehr, als man denkt. Lügen kann genauso wertvoll sein, wie die Wahrheit zu sagen. So blöd es vielleicht sein mag, aber letztlich ist es dasselbe. Mit einer Lüge versuche ich meistens etwas zu erreichen. Und das ist es, worum es geht. Die Intention einer Lüge. Die Lüge: "Du siehst fantastisch aus!" zum Beispiel. Sagt es der Vater zu seiner dicken Tochter, ist es was anderes, als sagt es die "Freundin" zu ihrer dicken Freundin. Schaff ich mir also einen eigenen Vorteil, oder ist Motivation bzw. Ansporn mein Antrieb? Es sind demnach also nicht die Lügner die schlechten Menschen, sondern die Egoisten, die nur an sich denken und alles dafür tun würden, besser dazustehen, als sie es verdienen. Und es sind die Blender und Darsteller, die uns so oft so erbärmlich fühlen lassen, weil wir nicht so edelmütig und toll sind, wie sie! Aber an dem Tag, an dem sie das zugeben können, haben sie sich selbst ein sehr großes Stück geholfen, wenigstens kein Lügner zu sein. Der Scheiß Egoist bleiben sie trotzdem!

"Gib es also zu, dass du gelogen hast, um deinen Job zu kriegen oder dich in irgendeiner Form zu verbessern. Gib einfach zu, dass du gelogen hast, um dir selbst einen schönen Moment zu verschaffen, nach dem du dich sehnst. Gib zu, dass du sie nur rumkriegen wolltest, weil du auf sie stehst. Da ist nichts dabei, die Intention muss nicht schlecht sein. Und man kann dir vertrauen, wenn du nicht die Perfektion spielst."

Ein interessantes Szenario. Denn was wäre, würden alle so handeln? Wahrscheinlich könnte man dann gar nichts mehr glauben.

Sonntag, 28. März 2010

Nur die Liebe zählt

Immer tiefer rutsche ich in meinen Autositz. Auf der Motorhaube spiegelt sich das orangefarbene Licht der Straßenlaternen. Ich weiß nicht, ob ich müde bin, oder ob mich das nasse Wetter so gähnen lässt. 300 Kilometer hab ich nun vor mir. Der Fahrer hängt permanent am Telefon und quatsch etwas von: "Trenn dich von dem, der hat dich nicht verdient!" Mir wird wirklich gleich schlecht. Diese Masche hab ich mit 14 Jahren abgelegt, das ist ja das allerletzte. Zum Glück hab ich Musik dabei. Ich schmeiß meinen iPOD an und es kommt das:



Ich beobachte mich selbst dabei, wie ich auf die Straße starre, um meine Gedanken zu verdrängen. Denn ich fahre weg. Und auf einmal bekomm ich Bauchschmerzen. Es ist einer dieser verdammten Sonntage im Herbst. Man war zu Besuch bei seiner Freundin. Die Zeit verging, wie im Flug und wenn man versucht genauer darüber nachzudenken, kann man sich irgendwie nur noch an die Mahlzeiten erinnern. [...] Eigentlich ist einem bewusst, dass morgen wenn der Alltag wieder beginnt, nur noch alles halb so schlimm ist, aber erstmal schießen einem die Tränen in die Augen. Ich erinnere mich an ihren Gesichtsausdruck, als das Auto langsam losrollte. Sie ballte die Faust, als wollte sie mir sagen: "Du schaffst das. Halt die Ohren steif!" [...] Dieses Bild brennt sich einem vor das innere Auge und man wird es die ganze Fahrt nicht los. Ich versuche, mich abzulenken: "Dienstag kriegst du schonwieder Besuch, da kommen die Jungs zum Fußballgucken. Mittwoch und Donnerstag ist auch Fußball. Und am nächsten Wochenende wolltest du mal wieder auf dein Rad steigen, das Wetter soll besser werden." Damit kriegst du genau 2 Minuten um und irgendwie ist nichts vergleichbar mit dem lieblichen Geruch der eigenen Freundin, ihrem warmen Atem und ihrer leisen Stimme. Ich fange an, mir vorzustellen, was sie wohl jetzt gerade macht. Sicher hat sie Schokolade bei sich, sie wird ihre Nachttischlampe anhaben. Es wird "Nur die Liebe zählt" laufen und sie wird vor ihrem Laptop sitzen und sinnlosen Kram schreiben. Aus der Küche riecht es nach gebratenem Fisch und aus dem Bad klingt der Foen der Mutter, die es morgens immer nicht mehr schafft, ihre Haare zu waschen. Man kann sich für einen Moment nichts schöneres vorstellen. [...]
Ganz plötzlich erwacht man aus seinem Traum, weil einen der Fahrer auf die Schulter tippt: "Ich muss mal kurz runter, mir drückt die Blase. Musst du auch mal?" - "Nein, ich werd eine rauchen und warte auf dich."
Die Geräuschkulisse, die fetten Rasthofgäste, die sich die Eisbeine nur so reinleiern und dieses beschissene Wetter sorgen dafür, dass ich nur noch zurück will. Mich zieht es mit in dieses indirekt beleuchtete Zimmer mit der Schokolade und Kai Pflaume, mit 25° Raumtemperatur und dem Geruch der frischgwaschenen Wäsche aus dem Schrank.
Es schnürt mir den Hals zu, ich muss schlucken... "Der Wind" pustet mir Tränen in die Augen. Erst guck ich hoch, dann wieder runter und ganz plötzlich vibriert es in der Jackentasche:

"Hey Baby, ich sitze gerade vor dem Fernseher und schreibe sinnlosen Scheiss bei facebook. Unser Wochenende war wunderschön und ich hab eine kleine Überraschung für dich. Komm dich Freitag besuchen, mein Job fällt aus. Isle of YOU"

Was soll man dazu sagen? Ich balle meine Faust in der Tasche und beiße die Zähne zusammen. Plötzlich hab ich Lust auf Fußball, und Muttis Foen nervt auf einmal auch.

Freitag, 5. März 2010

Fickt euch doch!

Guckt sie euch mal an, die kleine Maus. Anneliese und Thilde kriegen immer einen Anfall, wenn sie ihr im Treppenhaus über den Weg laufen. "Ungezogenes Fretchen, diese Annabell. Wenn die mir noch einmal frech kommt, dann geh ich zu den Eltern. Mir reicht es langsam." Annabell wohnt mit ihren Eltern etwas ungünstig in einem Altbau. Die Wohnung an sich ist schön, aber leider sind die Nachbarn fast so alt, wie das Haus, was sie bewohnen. Irgendwie ist alles verboten. Kein Eis, kein Spielzeug im Hinterhof und um Gottes Willen soll sie nicht auf ihrer Mundharmonika spielen. Die mag sie seit sie einen Piratenfilm gesehen hat, in dem der Käpt'n immer so wunderschön "Wir sterben nie" gespielt hat. Da fährt sie voll drauf ab. Piraten sind eh geil, die versohlen diesen mitteleuropäischen Landwürstchen immer den Arsch mit einem Strick und zwei Kilo Äppeln. Allerdings darf sie nur noch zu bestimmten Zeiten Musik machen, sonst ruft Oma Dings-Bums immer sofort die Bullen. Annabell nennt sie immer liebevoll "Oma Bergfrühling", weil ihr Parfum riecht, wie wenn Mutti gewischt hat. Anna wundert sich oft, ob schonwieder Flurwoche ist, dabei ist die alte Tante einfach nur wieder vor ihr hergegangen. Wenn sie von der Schule kommt, will sie eigentlich ihre Ruhe. Sie ist geschafft von der vielen Rechnerei und der langweiligen Grammatik. Sowieso ist die Schule ganz schön anstrengend. Anna geht, das muss man an dieser Stelle sagen, wirklich gern zur Schule. Allerdings ist sie in den Naturwissenschaften nicht so gut. Ihr Mathelehrer sagt immer zu ihr, sie sei ein hoffnungsloser Fall. Aus ihr wird nie was werden. "Woher will dieser knochige Sack denn das wissen?" Er hat sie noch nie Mundharmonika spielen hören. Und dass sie letzten Monat den Lesewettbewerb an der Schule gewonnen hat, weiß er auch nicht. Der kennt nur seine langweiligen Dezimalbrüche.
Annas Eltern sind zu jedem Lehrersprechtag geladene Gäste und hören sich dann immer an, was ihre Annabell für eine freche Göre ist. Die regen sich dort nur noch auf. "Diese ganze Genration könne man vergessen, die haben nur Schrott im Hirn, klemmen an ihren Telefonen und haben keine Ahnung von Normen und Werten." Bla Bla Bla... Pauschaler Unsinn. Annas Mutti findet nämlich, das sie sehr viel und sehr lieb mit ihren Freundinnen spielt. Von fehlender Sozialkompetenz keine Spur, wie es von so vielen Leuten in ihre Richtung immer behauptet wird. [...] Komischerweise spielt sich diese Diskussion nicht in Annabells "Relevanzkorridor" ab. (In der Deutschstunde benutzte sie diese Redewendung letztens, um der Lehrerin klarzumachen, dass ihr irgendwas am Arsch vorbeiging. Die Deutschlehrerin schmunzelte in sich hinein. Sie mag nämlich Annas provokante Art und ihren Mut, sich nach außen selbst zu vertreten.)
Annabell geht mit all diesen negativen Geschichten über sie völlig entspannt um. "Was wollen sie denn von mir? Die Bergfrühling-Oma soll sich mal selbst überprüfen, ob dieser Geruch heutzutage noch hip ist. Und ihr ABF (Aller Bester Freund) Herr Krautwurm kann sich wahrscheinlich die Telefonnummern aus der ganzen Stadt merken, ist aber zu doof dort anzurufen und ein Gespräch zu führen." Wie Mathelehrer nun mal oft zu sein scheinen. [...] Anna hat letztens zu ihrer Mutter gesagt, nachdem diese wegen einer Beschwerde wieder mit ihr schimpfen musste: "Weißt du Mutti, die denken immer schon vorher, ich bin ein böses Mädchen. Warum haben die denn alle solche Vorurteile gegen mich? Wenn sie tolerieren würden, was wir machen, hätten wir auch Respekt. Aber für die steht meistens schon vorher fest, dass wir ungezogen sind." Darüber hat die Mutter lange nachgedacht! Und sie ist zu dem Schluss gekommen, dass sie unheimlich stolz auf ihre Tochter ist. Sie sagte mir in einem persönlichen Gespräch, dass ihr solche jungen Menschen -die auch mal Ärger provozieren- tausendmal lieber sind, als diese angepassten Ja-Sager, die im Prinzip nur den Mist ihrer Eltern nachplappern und irgendwann anfangen alles besser zu wissen. "Wissen Sie", sagte mir Annas Mutter: "Annabell hat noch nie jemandem wirklich boshaft etwas angetan. Wir müssen uns für Dinge rechtfertigen, die einfach in dieses wunderbare Alter gehören. Sie darf Kind sein bei uns. Das Verrückte ist aber, dass man manchmal denken könnte, sie wären reifer, als manch verbitterter Nörgler, ob in der Schule oder im Treppenhaus. Klar reden die Mädchen und Jungen heute anders. Da heißt es dann eben auch schnell mal: "Nich in dem Ton, Alter!" Solange sie aus Respekt vor anderen Menschen nur unter sich so reden, kann man da doch nichts dagegen haben. Und sagen Sie doch mal ehrlich, ist sie nicht unfassbar süß, wenn sie so den Stinkefinger zeigt?"
Ohne Frage Annabella. Mach dein Ding...

Freitag, 12. Februar 2010

Liebesbrief

Liebe Eleonora,

vor fast genau vier Jahren habe ich dich das erste mal gesehen. Du hast meinen Blick sofort auf dich gezogen und ich konnte mich minutenlang nicht mehr von dir trennen. Ich habe dich bewundert. Dein Talent und deinen Mut. Du hast mich an den Rande der Tränen gebracht mit deinem herzzerreißenden Auftritt. Und heute morgen musste ich wieder an dich denken. Wenn sie heute Abend in Vancouver die Olympischen Winterspiele eröffnen wirst du für einen kurzen Moment wieder in den Köpfen von 2 Milliarden Menschen sein. Aber niemand wird dich jemals so verehren, wie ich!
Ich frage mich, wie es dir so ergangen ist. Du bist mitlerweile 13 Jahre alt und wirst am Tag sicher 20 SMS an deine Freundinnen verschicken. Oder vielleicht bist du längst eine berühmte Sängerin. Und ein myspace-Profil hast du sicher auch. Wer weiß, wie viel von deiner Schüchternheit du noch besitzt? Aber du bist ja mitlerweile auch schon groß. Ich hoffe für dich, dass du eine richtig laute Großklappe geworden bist. Lass die blöden Lehrer und Eltern ruhig schimpfen. Die haben keine Ahnung von deinen Sorgen. Die sind alle nur neidisch auf das, was du hast! Nur für dich hab ich die Liveübertragung nochmal als Video mit angehängt. Achte mal auf die Nationalgardisten, die du zum Weinen bringst und höre auf die beiden italienischen Kommentatoren, die sprachlos sind ganz plötzlich. Weißt du Eleonora, wir Deutschen tun uns in der Regel schwer mit euch Italienern. Irgendwie habt ihr so viel, auf das ihr stolz seid. Ihr singt eure Hymne mit einem Donnern- wir nuscheln sie immer bloß vor uns hin. Ihr seid irgendwie so gewieft und schummelt immerzu. Eure Männer nehmen uns die Frauen weg mit ihrer Dolce Vita und wenn man einmal einen Abend auf einem italienischen Balkon mit Wein, Oliven und Käse erlebt hat, will man nie wieder zurück in den Odenwald. Wenn ihr uns dann auch noch im Halbfinale aus einem wichtigen Turnier werft, kann man euch nicht mehr leiden. Man nennt euch hier "Spagetthi-Fresser". Aber ich tu das nicht mehr. Seitdem ich dich kenne, hab ich nie wieder schlecht über Italiener gesprochen.
Denn du bist so anders. Wie du schüchtern deine Arme vor dem Körper verschränkst und mit deiner bezaubernden Stimme dafür sorgst, dass es mir eiskalt den Rücken herunterläuft [...] -wahrscheinlich ist das ITALIENISCH!
Es würde mich sehr freuen, wenn du mir antwortest. Ich will wissen, ob du dir vor Aufregung damals kaum die Schuhe binden konntest und wie dich die ganzen alten IOC-Knacker in die Wangen gekniffen haben. Ich bin nicht so ein Streicheltyp. Ich halte Abstand. Ehrwürdigen Abstand. 980 Kilometer um genau zu sein. Aber ich fühle mich dir näher, als die Leute, die dir deine Haare zerwühlt haben.
Pass immer gut auf dich auf und mach heute Nacht um 3:00 Uhr den Fernseher an. Vielleicht gibt es wieder einen ähnlich ergreifenden Moment. Obwohl das sehr schwer vorstellbar ist. Schon, dass ich es in Erwägung ziehe, macht es unmöglich. Denn du hast mich damals aus heiterem Himmel erwischt!

In Liebe, dein Basti.


Mittwoch, 10. Februar 2010

Zieh bloß keine roten Schuhe an!

Wenn ich mir überlege, wie ich manchmal mit meinen Schuhen umgehe, komm ich ins Grübeln. Morgens schlüpft man rein, ohne sie aufzumachen, rennt mit heruntergetretenem Hacken die ersten fünf Treppen runter und latscht als erstes draußen in den Matsch. Seh ich einen Stein, tret ich gegen und versuche in virtuelle Tore zu treffen und in der Uni steigen mir in jeder Schlange mindestens 3 Leute oben drauf. Sobald ich mit diesen abgelaufenen Dingern irgendwo ausrutsche, fang ich an zu fluchen und drohe damit, mir bald neue zu kaufen. "Dann fliegen die Dinger weg, so schnell kannst du gar nicht gucken!" Wie lange hab ich meine jetzt? Ich glaub seit dem 10. August 2007. In diesem Sommer feiern wir sozusagen dreijähriges Jubiläum. Zusammen haben wir viele Schlachten geschlagen. Wir haben wunderschöne Steintore erzielt, viele schöne Plätze gesehen und sind in so manchen Haufen Hundescheiße getreten. Aber immer gemeinsam. Allein sind sie nie los. Zumindest weiß ich davon nichts. Nur wie oft wird man sich dieser Verbindung bewusst? Nie. Man behandelt sie nicht so, wie sie es eigentlich verdienen, sondern pfeffert sie in die Ecke und putzt sie ab einem bestimmten Grad gar nicht mehr. [...] Aber irgendwann sind sie nicht mehr da und man muss nackig an den Füßen auf die Straße. "Dann tritt mal gegen einen Stein und versuch ein Tor zu erzielen." Und das Gefühl, in warme Hundescheiße zu treten, ist auch nicht gerade ein Genuss. Plötzlich ist man erschrocken und es wird einem bewusst, was man sich da eigentlich tolles an die Füße zieht jeden Morgen. Übrigens ist das mit vielen Dingen ähnlich, aber Schuhe kommen dem Menschen, den man liebt wohl am nächsten. Weil man sofort hilflos ist und unmittelbar nach Verlassen des Heimes merkt, was einem da fehlt. Glücklicherweise verschwinden Schuhe ja nicht einfach so! Sie packen keine Koffer und verschwinden im ICE. Von daher hinkt der Vergleich mit diesem "einen Menschen" sicher ein bisschen. [...] Aber ich war heute nackig an den Füßen in der Stadt. Ich hab gefroren bei fünf Grad minus und bin noch mehr geschlittert, als mit den abgelaufenen Dingern. Man konnte mir Ansehen, das etwas nicht stimmte. [...] Seit heute morgen sind sie weg, meine Schuhe. Geschäftlich, das weiß ich! Es sind nämlich besonders schöne Schuhe, kann ich euch sagen. Viele beneiden mich daraum und wollten sie schon haben, aber sie passen nur mir!!! Wahrscheinlich ist das mein Glück, sonst hätte man sie mir sicher schon geklaut. Und ich werde nie wieder fluchen, dass ich andere will. Und ich werd sie mal wieder putzen. Und ich mach sie in Zukunft auf, wenn ich sie morgens anziehe. Immerhin sind sie seit knapp zweieinhalb Jahren für mich da und haben mich noch nie im Stich gelassen. So eine kleine "Geschäftsreise" ist sehr heilsam. Man schaut sie mal wieder an, denkt nach und man merkt, wie schön sie eigentlich sind und wie robust vor allem. Ich glaub, wenn sie zurück sind, werd ich sie nicht sofort wieder anziehen. Erstmal werd ich sie mir ansehen, einen ganzen Abend lang und ihnen sagen, dass ich sie liebe. Denn das hab ich in dieser Form sicher noch nie gemacht! Ich kann es wirklich kaum erwarten. In Gedanken bin ich immer bei euch!
Kommt gut zurück meine geliebten Converse-förch23!

Donnerstag, 4. Februar 2010

Kuschelhase Westerwave

Es sah einfach unfassbar lustig aus. Eine wirklich illustre Runde. Da waren ehemalige US-Minister gemeinsam mit verdienten deutschen Spitzenpolitikern a.D. (Für alle die Interesse an genauen Namen haben: Henry Kissinger, Wiliam Perry, George Shultz und Sam Nunn/ Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Egon Bahr und Hans-Dietrich Genscher). Mittendrin und leider für alle sichtbar- der frisch gewählt neue deutsche Außenminister Guido Westerwave. Das war genau so ein Bild, vor dem ich Angst hatte, als es darauf hinauslief, dass er wirklich dieses Amt bekommen sollte. Achso, Anlass dieses Treffens war übrigens ein unverbindlicher Gedankenaustausch, ob und wie man in Zukunft weltweit ohne Atomwaffen auskommen könnte/sollte- ein globales und zukunftsentscheidendes Thema! [...] Und mitten drin unser Guido. Einen Kopf größer, als alle anderen, grinste er sich sein Gesicht faltig. Noch einen Moment länger und der Bildschirmschoner wäre angesprungen. Moment mal [...] war er das vielleicht sogar? Jedenfalls hab ich genau in die Gesichter der anderen Politgrößen geblickt und meine einen ganz bestimmten Ausdruck erkannt zu haben. Jeder kennt ihn. Man legt ihn auf, wenn man als Kind ein Kuscheltier geschenkt bekommt. Zu Kuscheltieren muss man eine Beziehung aufbauen, für die meisten Menschen gibt es im Leben nur ein einziges. Manche haben Potenzial, bei manchen weiß man sofort, dass man mit ihnen nicht kuscheln will. Meistens haben sie komische Geischtsausdrücke oder ihnen fehlt jegliches Charisma. Und dann nimmt man es, freut sich für die Kameras und legt es zu Hause an den Platz, der später für Kravatten herhalten wird.
Guido war genau dieses Kuscheltier. Guido ist nett gemeint von denen, die ihn gewählt haben. Genauso wie Tante Trudi das mit dem potthässlichen Hasen auch nett gemeint hat, aber machen wir uns nichts vor- Guido, das wird nichts! Irgendwann wird die FDP aus den Ministerien wieder ausziehen und dann wird Mutti rufen: "Braucht irgendwer noch diesen hässlichen Hasen, sonst schmeiß ich ihn jetzt weg!" Und es wird niemand antworten! Wie immer.

Dienstag, 2. Februar 2010

Da hast du was drauf Bella

"Nutella! Mit nicht so dick Butter. Danke!" Bella war kaum wach, da musste sie schon so schwere Fragen beantworten. Es ist immerhin erst 6:00 Uhr in der Früh. Heute steht viel an. Unterricht bis zur achten Stunde, dann zum Chor und am späten Nachmittag zum Training. Auf die Klausur in Chemie hatte sie gar keinen Bock. Molare Masse, Molares Volumen; das waren alles Fremdwörter. Den großen Bruder konnte sie nicht Fragen, der hatte schon mit Volumen und Masse an sich seine Sorgen. "Willst du noch einen Apfel mitnehmen?" Normalerweise ist so ein Apfel in der Schule maximal bis zur 2. Stunde essbar. Danach hat er so viele matschige Stellen, dass man ihn maximal noch Pferden geben könnte. Aber heute ist der Tag lang, da nimmt sie einen mit. Morgens war nicht viel mit Frühstück. Wann denn auch? In 20 Minuten hieß es: Duschen, Anziehen, Schminken, Haare machen, Tasche packen und manchmal sogar noch Hausaufgaben organisieren. Da kommt dem Pausenbrot eine wichtige Bedeutung zu. Nämlich die einzige Mahlzeit vor dem Abendbrot zu sein. Eine Freude war es ja nicht immer mit der Stulle im Ranzen. Mal war das Brot furztrocken, mal total labberig und dann manchmal waren Dinge drauf, die isst man als junges Mädchen einfach nicht. "Leberwurst. Solche Fettplocken, da muss ich brechen!" [...]
Aber an manchen Tagen war es ein Genuss. So ein Tag, wie heute. Nutella! Davon hätte Bella am Tag 12 Brote verputzen können. Frisches Brot und Nutella, wie geil. Damit wartet man sogar, bis man es isst. Man nimmt sich Zeit, wartet auf einen ruhigen Moment. "Vielleicht wenn ich die Klausur weg habe? Nee, ich schreib eh bis zum Schluss. Muss noch mit dem Nachbarn vergleichen! Ahhh, ich seh grad: Freistunde in der fünften. Perfekt!"
Es war 11:55 Uhr. Da rannte plötzlich eine Gestörte zum Mülleimer in der Raucherecke. Ein lautes "iiiihhhhh" und ein noch lauteres "bääääähhhh"... "Was ist denn los? Frisches Brot und Nutella. Das magst du doch", lästerte der große Bruder mit Kippe in der Hand.

"JA, aber Papa hat es mit dem Leberwurstmesser durschgeschnitten!"

Sonntag, 31. Januar 2010

Jetzt wird es kriminell

"Opa Wolfgang? Hast du Kopfschmerzen?" - "Nein, mein Großer. Ich rechne. Ich muss gucken, ob sich ein Geschäft lohnt, oder nicht. Da geht es um viel Geld." - "Millionen?" - "Aber Hallo! Ich überlege, ob ich 2,5 Millionen ausgebe und dafür vielleicht mehr als 100 Millionen kriege." - "Und was rechnest du da so großartig? Das ist doch ganz einfach." - "Ach, das verstehst du nicht. Ich muss übrigens nochmal weg. Sag Oma Ingeborg, ich bin kurz ins Mövenpick gefahren." - "Mövenpick klingt ja lustig. Ich sag ihr bescheid!" Und dann fuhr er weg, ziemlich schnell. Zumindest schneller, als sonst. Und mit dem Telefon am Ohr. [...] So oder so ungefähr könnte es gewesen sein. Opa Wolfgang Schäuble hatte Besuch von seinen Enkelkindern, musste sie aufgrund eines eiligen Anrufs seines Pressereferenten aber kurzfristig verlassen. Auf dem Weg ins Mövenpick klingelte gefühlte 250 mal das Telefon. "Wer ist dieser Mann? Wo hat er die Liste her? Müssen wir uns Sorgen machen, Wolfgang?" - "Was weiß ich denn? Gerade eben saß ich noch am Stubentisch und habe Malefiz gespielt. Bin jetzt auf dem Weg zum Finck, der will mich unbedingt sprechen. Meld mich später." [...] Mit 120 km/h und spektakulärem Drift (den hatte sich Opa Wolfgang zu Innenministerzeiten von BND-Agenten zeigen lassen) bretterte er in die Tiefgarage vom Mövenpick. Ein Audi A8 stand schon da. "Grüß dich Karl-Theodor, alter Haudegen. Was will denn der Finck? Hast du eine Ahnung?" - "Dem geht der Arsch auf Grundeis. Der hat irgendwelches Geld in der Schweiz in den Trockner gepackt, wenn du verstehst, was ich meine! Und jetzt will er wissen, was das für eine Liste ist." - "Herr Gott, das wird eine Scheiße... Wer kommt denn noch? Kommt Guido?" - "Der ist gestern schon in Kabul losgeflogen. Ich denke schon." [...]
Was letztlich genau im obersten Stock des Hotels gesprochen wurde, wissen wir nicht. Aber es sieht nach folgendem aus: Karl-Theodor der "alte Haudegen" wird als anerkannter Jurist mit der Ansage an die Presse treten, dass "gestohlenes" Material vor Gericht nur bedingt rechtskräftig ist. "Wir machen diesen Denunzianten zum Kriminellen. Und mit denen verhandeln wir nicht, punkt!" Guido bläst in dasselbe Horn und die restlichen Schwarz/Gelben kriegen noch ein Memo bis morgen früh. Wolfgangs Aufgabe sollte es sein, erstmal Zeit zu gewinnen, damit die Fincks und Klattens schnell nochmal die Schredder im Keller anwerfen können. Also heißt es: "Man müsse die Quellen gründlich prüfen und sich weitere Schritte gut überlegen. Immerhin sind 2,5 Millionen Euro ja kein Pappenstiel!" [...] Das sollten die von der Presse schlucken. Und der "Gabriel" sollte abgespeist werden, indem man ihm reinen Aktionismus in der Opposition vorwirft. Außerdem hört dem ja sowieso niemand zu. [...]
"Zeit ist das wichtigste. Erinnert euch an den Zumwinkel. Der redet noch immer nicht mit uns, weil wir zu spät bescheid gesagt haben.", sprach Karl-Theodor ein unangenehmes Thema an. "Wir machen das jetzt erstmal so und sobald ich was genaues weiß, ruf ich euch an", sagte Opa Schäuble. [...] Allgemeines Kopfnicken. Was anderes blieb eh niemandem übrig.
"Wolfgang, kannst du mich mitnehmen? Dann muss ich meinen Fahrer nicht extra anrufen", sprach Karl-Theodor. "Klar, steig ein. [...] Wir hören uns dann morgen. Grüßt die Frauen!"
Im Auto konnten beide erstmals entspannen. "Guido hat Recht, diese Lobby-Scheisse wird immer schlimmer." - "Der hat vor allem gerade was hinter sich. Die Nacht im Hotel wäre auf jeden Fall billig gewesen!" [...] Lautes Gelächter auf beiden Sitzen!!! "Der hat sich letzte Woche sicher auch schon mit dem Finck getroffen." Beide konnten sich nicht mehr halten vor lachen. Zum ersten mal war Guido mit dabei und hatte innerhalb nur einer Woche gleich richtig zu tun. "Ich hab ihm immer gesagt, dass Regierungsarbeit nochmal was ganz anderes ist", sagte Wolfgang. "Setz mich da vorn raus, ich hol mir noch was zu Essen beim Afghanen. Hab mich ein bisschen daran gewöhnt, muss ich sagen. Außerdem hat meine Frau vorhin versucht, Suppe zu machen. Kannst du voll vergessen. Man kann eben nicht alles haben." - "In Ordnung Karl-Theodor... Und du kriegst das hin, meinst du?" - "Klar, ich guck heute Abend nochmal in die Bücher. Bis morgen hab ich alle Paragraphen drauf, mach dir keine Sorgen." - "Sehr schön, hau rein."
Karl-Theodor überquerte die Straße und verschwand hinter der nächsten Häuserecke. [...] Puhhh. Was war denn das für ein Abend noch? Wahnsinn! Jetzt aber schnell nach Hause. Nur waren seine Enkel leider schon im Bett. Aber morgen früh sollten sie ja noch mit frühstücken. [...] Es war noch sehr früh am nächsten morgen, als es der Enkelsohn genauer wissen wollte: "Oooopa? Sag mal, bist du das hier nicht auf dem Bild in der Zeitung?"- "Zeig mal her, bitte!"
"Und Opa, was ist ein Waffenlobbyist? Und wieso steht hier, dass du dich mit Schwarzgeld auskennen müsstest? Die sagen, du wärst genau der richtige, um die Entscheidung zu treffen., was mit den 2,5 Millionen Euro passieren soll. Geht es da um die Rechnung, von der du mir gestern Abend erzählt hast?" - "Ist das jetzt ein Untersuchungsausschuss, oder was? Ingeborg, wieso redet der, wie so ein Oberschlauer Jurist? Fast, wie der Guttenberg. [...] Ey... der sieht auch noch so aus!!!" - "Wolfgang, du musst los. Ich hab dir noch einen Joghurt mit eingepackt. Schaffst du es zum Abendessen pünktlich?"

"Ganz so wird es nicht gewesen sein. Aber vielleicht zum Teil. Ich hab mal bei Google "Schwarzgeld" eingegeben. Auf den ersten 4 Seiten ist nur der Schäuble zu sehen. Das find ich sensationell. Jetzt erwarten alle von ihm, dass er die ausliefert, denen er vor Jahren selbst noch angehört hat. Vielleicht sogar noch angehört. Über die Frage hat man lange nicht nachgedacht: Aber was zum Teufel macht der Schäuble noch in einem Bundeskabinett?"

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,675062,00.html


http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/wirtschaft/559/501810/text/


http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E2DC2FA1FF398458A8CD7113FCDBF340C~ATpl~Ecommon~Scontent.html



Freitag, 29. Januar 2010

Da würd ich Eintritt zahlen

Wäre ich etwas früher aufgewacht, hätte ich es im Internet bestellen können. Da hätte ich mich schön einen Abend lang durch die Knackärsche geklickt und irgendwann mein PayPal-Konto belastet. Zwei Tage später, ohne großes Tam-Tam die Kiste aufgerissen und fertig. Dafür war es aber leider zu spät. So einen Express-Service hat nicht mal amazon. Also blieb mir nicht anderes übrig, als dieses unangenehme Auswärtsspiel. Schon wenn du so einen Laden betrittst, drehen sich wie auf Kommando alle Frauen kurz in deine Richtung. Die riechen deine Unsicherheit selbst mit verstopfter Nase. Da kannst du nur den Arsch zusammenkneifen und über die Souveränität kommen. Du bist ja nicht zum ersten mal hier. Wird schon keiner merken.
Wenn ich schonmal hier bin, dann suche ich mir auch eine junge Verkäuferin aus. So ein bisschen muss man sich das ja auch vorstellen können. Da unten hockt ja auch eine und kramt irgendwas.
"Guten Tag, ich brauche in erhöhtem Maße ihre Hilfe" - "Tut mir Leid, ich hab eine Kundin, aber RITAAAAA?? Kannst du dich mal um den jungen Mann kümmern?" Na klasse, die heißt Rita. Die letzte Rita, die ich kannte war Jahrgang '49. Ganz so alt war sie dann nicht, aber für erotische Tagträume eher ungeeignet. Na, was soll's? Du willst ja deiner Freundin was schenken und hier nicht rumflirten. "Aaalso, ich suche ein Geschenk für meine Freundin zum Geburtstag MORGEN. Ich kann sagen, was mir gefällt, aber nur wenn ich es sehe. Hier im Schrank kann ich irgendwie keine Unterschiede erkennen. Können Sie mir weiterhelfen?" - "Wonach suchen sie denn genau? Dessous, Nachtwäsche oder eher etwas Einfaches?" - "Nu ja, es soll schon eher was besonderes sein." - "Mit Spitze?" - "Spitze ist spitze!!" [...] Den Lacher hatte ich auf meiner Seite. Allerdings sah Rita mich an, als hätte sie den schon 1800 mal gehört. "Haben Sie sich farblich schon ein paar Gedanken gemacht? Eher elegant Schwarz, oder zur Zeit sehr modern Lila?" - "Da ich sozusagen Einsteiger bin, denk ich an was klassisches Schwarzes" - "In Ordnung, dann kommen Sie mal mit. Es ist ja auch bald Weihnachten, da haben wir ein Regal mit reduzierter Ware aufgebaut" Reduziert klingt super, dachte ich mir. Das wird jetzt ein Kinderspiel. "Suchen Sie nur Unterwäsche, oder auch BH, Strümpfe, vielleicht sogar Strumpfhalter?" Das Straps-Thema hatte ich zu Hause mal angesprochen. Leider konnte ich keine wirkliche Reaktion erkennen. Wahrscheinlich zieht das heute kaum noch eine Frau an, die nicht täglich mit Rock zur Arbeit geht. Aber sieht schon geil aus, keine Frage. Ach komm- wenn schon, denn schon. Ist ja reduziert, da kann es nicht verkehrt sein. "Also, ich kann mir solche Strumpfhalter schon vorstellen. Gibt es sowas vielleicht als Set?" - "Genau darauf wollte ich hinaus, schauen Sie sich das mal an hier." Sie nahm einen kompletten Bügel von der Stange. Schwarz mit ein bisschen Lila. Sozusagen elegant und modern zusammen. Geil! "Was hat denn Ihre Freundin eigentlich für eine Größe" - "Das hab ich spioniert. Obenrum 75B und untenrum eine 36. Zumindest steht das am häufigsten innen drin" - "Ach Schade, hiervon haben wir nur noch den Slip in der 38, der ist dann zu groß." - "Ach Quatsch, eine einzige Größe und gleich nicht mehr tragbar? Das kann doch nicht sein. Zeigen sie mal her." Mit zwei Zeigefingern spannte ich das schöne Stück vor mir auf und fing an zu vergleichen. Kaum hebe ich den Slip in die Höhe, drehten sich wieder alle Frauen im Laden kurz nach mir um. "Ach Gottchen, der Arme will es aber wirklich gut machen. Ist er nicht süß? Mein Mann hat mir auch mal Unterwäsche gekauft. [...] Hach ja, das muss so 1999 gewesen sein." So träumte wahrscheinlich jede ihren eigenen Traum.
"Hmm, sie haben Recht. Der wird zu groß sein." - "OK... In der 36 hätte ich was aus dieser Serie, was halten sie davon?" Ach du Scheiße, wie sieht das denn aus? So schmückt meine Mutti immer unseren Weihnachtsbaum. Alles voller Kullern, Steinchen und Schleifchen. Und aus dem BH essen Chinesen sonst ihre Suppe. "Nee, das ist ein bisschen dolle, oder?" Rita zeigte mir noch ungefähr 15 verschiedene Sets. Es entwickelte sich wirklich sowas, wie ein Beratungsgespräch. Zwischenzeitlich erwischte ich mich dabei, wie ich beinah solche Attribute, wie süß, schnuckelig, oder goldig benutzte. Langsam sollte ich es zu Ende bringen, dachte ich mir. Bevor die anderen Frauen richtig komisch zu mir rüber blicken, sollte ich mich lieber beeilen. "Ich denke, ich nehme das mit dem Slip in der 38. Ich denke, dass er vielleicht doch passen könnte." - "Ansonsten können sie ja auch nochmal herkommen. So einen Slip findet man ja immer schnell." Genauso dachte ich auch. Also, einpacken! An der Kasse musste ich mich anstellen. Mein Set in der Hand und mittlerweile fast mutig, drehte sich die attraktive Frau vor mir um und sagte: "Chic! Das hast du gut ausgesucht!" -"Wirklich? Cool, danke. Ich hoffe, es passt." - "Ach, darum geht es nicht. Sie freut sich ganz sicher. Für den Anfang ist es super. Als mein Freund mir zum ersten Mal Unterwäsche geschenkt hat, kam er mit sowas an." Sie zeigte auf ein Regal neben der Kasse. Da hingen so kleine Hauben mit Bändern. Von weitem konnte ich zuerst gar nicht erkennen, welchen Körperteil das eigentlich bedecken soll. Ein selbstklebender Aufsatz für die Brustwarzen. Ziemlich schräg. Das machte mir Mut. Auf so eine dämliche Idee bin ich gar nicht erst gekommen. "Hast du auch Strapse dazu?", fragte sie mich. "Na klaro, das gefällt mir total." - "Wenn ich dir einen Tipp geben darf, dann nimm Strümpfe mit einem Silikonbündchen, die rutschen nicht runter. Man könnte sie dann auch mal ohne Strumpfhalter tragen." [...] Ich war verblüfft. Wann redet so eine attraktive ältere Frau schonmal in dieser Form mit einem jungen Kerl, wie mir? Wahrscheinlich sind sie in so einem Laden deutlich mutiger, als beim Fleischer. Das wurde langsam richtig spannend hier. Als ich im nachhinein mal ein bisschen drüber nachdachte, wurde es mir klar. Wenn da so ein Kerl im Laden steht, hat er schonmal eine Partnerin. Es ist ihm auch klar, dass alle um ihn herum es wissen. So ist es sehr unwahrscheinlich, dass er blöd rumbaggert. Kurzum, er ist völlig ungefährlich. Hinzu kommt, dass auch der Mann sich anders verhält, als "draußen", denn er hat von nichts eine Ahnung, möchte aber um Gottes Willen nicht auffallen. So quälen sie dich dann anderthalb Stunden, mit ihren Blicken, um dich dann an der Kasse zu erlösen. Wenn du an der Kasse bist, hast du es gepackt.
Die nette Frau verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern und ließ mich allein. "Alter, warst du cool", dachte ich mir. "Du hast die Situation hier voll im Griff."
"Soll ich es Ihnen noch einpacken?" - "Oh ja, das wäre nett. Und packen Sie mir doch diese Silikonstrümpfe noch mit ein. Ich vertraue darauf, was mir diese riesen Granate eben geraten hat." Das mit der Granate hab ich Rita natürlich nicht gesagt. Ich wollte mir meinen Status nicht kurz vor Schluss mit so einem Proletenspruch verderben. "130 Euro und 95 Cent!" Soll ich ihnen noch ein kleines Parfumpröbchen mit reinlegen? [...] Ich dachte kurz, ich hätte ein Ei verschluckt ohne ein einziges mal zu kauen. Jetzt musste ich es schaffen, nicht mit piepsiger Stimme zu antworten. Ich räusperte mich kurz und antwortete: "In Ordnung, ich möchte mit Karte zahlen." -"Kein Problem. Hier bitte den PIN eingeben und mit grün bestätigen." 130 Euro! Meine Fresse. Sie wird damit sicher nicht jeden Abend vor mir rumtanzen, dachte ich mir. Ich werd es einmal zu Gesicht bekommen, wahrscheinlich nach dem Auspacken. Und in Zukunft werd ich schon abwaschen, oder die Stube saugen müssen. [...] Nu ist zu spät.
Ich nahm meine Tüte und verließ den Laden. Halb glücklich und halb nicht so glücklich! Es wird ihr schon gefallen, sie wird sich sicher freuen. Aber für die Kohle kauf ich mir 3 Fußballtrikots, alter Schwede. Auf dem Weg nach Hause dachte ich nochmal zurück und der Preis erschien mir plötzlich angemessen. Ich stand knapp zwei Stunden inmitten vieler junger Frauen, die mich ansahen und anzwinkerten. Je länger ich drüber nachdachte, desto mehr bekam ich meinen Frieden. Das hast du gut gemacht. [...] Ganz einfach, die 130 Euro waren zum einen für das Set und zum anderen einfach der Eintritt. Es hatte sich wirklich gelohnt. Aus meiner Angst zu Beginn wurde ein erhabenes Gefühl, es erlebt zu haben. Von nun an war ich Profi. Wer weiß, was sich in so einem Hunkemöller alles ergeben könnte. Natürlich nur für meine Freunde!

Donnerstag, 28. Januar 2010

Hagen Rether

Soll ich euch sagen, was zynisch ist? Zynisch ist es, tausende Schweine zu züchten, zu schlachten und in ihren eigenen Darm zu stopfen, um daraus grinsende Gesichtswurst zu machen.

Fifty Fifty... das waren Zeiten

Es gab wirklich Zeiten, da dachte man als erstes an Würstchen, wenn jemand von Halberstadt sprach. 50% Schweinefleisch und 50% Rindfleisch. Das war wirklich eine Knallermischung. Was in Bad Schwartau die Marmelade und in Dijon der Senf, das waren in Halberstadt die Würstchen. Der Rinderwahn sorgte dafür, dass der Anteil an Rindfleisch komplett aus den Würsten verschwand und sie heute wie aus der Billigproduktion in Rheda Wiedenbrück schmecken. [...] Kannst du voll vergessen.
Wenn ich heute sage, ich käme aus Halberstadt, dann antworten mir die Leute: "Ach, das kenn ich. Gab es da nicht mal so einen fetten Domküster, der kiloweise Koks im Tabernakel gebunkert hat, um es dann von Vietnamesen und Schwarzafrikanern irgendwo am Bahndamm verticken zu lassen?" Den gab es wirklich. Und wir hatten auch mal einen aufgeblasenen Kleinstadtgangster mit einer Lokomotive auf der Stirn, der meinte, er müsse sich als der "Pate von Halberstadt" aufspielen und Sexualstraftätern in ihrem Freigang einen Besuch im Puff ermöglichen. Könnt ihr alles nachlesen. Die Bild gibt sich wahnsinnig Mühe mit Halberstadt. Dieser Stadt im absoluten Osten der Republik. In Heimat- und Sachkunde in der 4. Klasse hab ich gelernt, dass 50.000 Menschen in Halberstadt wohnen. Heute sind es vielleicht noch 30.000 maximal. So mögen es RTL und die BILD. Die Jugend verpisst sich fast komplett, es herrschen alte verbitterte Rentner die NPD wählen und hier und da wird mal eine Gruppe bulgarischer Musiker nach einer Premierenfeier halb tot geschlagen. Wenn ich ein Türke aus Paderborn wäre und mit meiner Schwester zusammen studieren würde [...] ich wüsste nicht, ob ich einer Einladung nach Halberstadt folgen würde. Am Ende krieg ich noch die Jacke voll. Dann hat sich mein Besuch aber gelohnt.
Aber liegt das an der Stadt Halberstadt? Was kann dieser Ort mit seiner langen Geschichte und seiner wirklich wunderschönen Lage dafür? Letztlich ist es nichts anderes, als ein Fleck Erde, auf dem einfach die falschen Menschen das Ruder in der Hand halten. Das tolle Panorama der Stadt hat keinen Anteil daran, dass es die NPD schafft, ein Konzert von Konstantin Wecker zu verhindern, indem sie mit "aktiver Teilnahme" droht. Da scheissen sich Entscheidungsträger vor einer Horde Glatzköppe in die Hose und sagen ein geplantes Konzert ab. [...] Toll, jetzt berichtet auch noch die Tagesschau über Halberstadt. Wahrscheinlich war das Stadtparlament froh, keinen "Brennpunkt" erleiden zu müssen. Mir wäre es einen Wert gewesen, so viel Nazimuff lag da in der Luft. Trafen sich am Wochenende "Fußballfans" aus Halberstadt und Magdeburg am Friedensstadion, dachte ich manchmal, das BKA fahndet nach RAF-Terroristen, so viele waren das. Eine ganze Armee begleitet volltrunkene Glatzköpfe mit schwarzen T-Shirts bis ins Stadion und warten dann brav davor, bis sie noch voller sind und bringen sie wieder zurück zum Zug. Unfassbar. Aber wenn das Orchester des Theaters zusammengeschlagen wird und sie einen Notruf absetzen, kommt ein kleines Sixpack der Polizei mit 4 Auszubildenden angetuckert und wartet auf der anderen Straßenseite, bis keine Gefahr mehr droht. Die Täter rennen weg und die Polizei gründet eine Task-Force, die bei der Fahndung helfen soll. Dabei wäre es ein leichtes gewesen, auf die andere Straßenseite zu gehen und den Kerlen eine Acht um die Handgelenke zu legen. Das Ende vom Lied wird sein, dass sie eine milde Strafe erwartet, weil sie von ihren Osteltern dazu gezwungen wurden, sich als Kleinkind auf den Topf zu setzen und nicht in die Pampers zu kackern. Die Polizei wird eine Etaterhöhung beantragen, damit ihre Auszubildenden in Zukunft mit Helm und Schild anrücken können. Es wird wieder an den Symptomen gedoktert, anstatt die Ursachen zu erfragen. Wieso rennen Jugendliche abends auf die Straße und schlagen auf Künstler ein? Ganz einfach [...], weil sie nichts zu tun haben. Wenn ich ein Jugendlicher wäre in Halberstadt, der den ganzen Tag auf einem Gerüst steht und bei 15° minus Fenster anschraubt, dann würde ich jedem meiner Kumpels einen Vogel zeigen, wenn sie mich um 21:00 Uhr anrufen und fragen, ob wir ein paar "Ausländer klatschen" wollen. Da bin ich froh, dass ich zu Hause bin und Günther Jauch gucken kann. Viel lieber würde ich vielleicht in einen kleinen Club gehen und Skat spielen, oder Kickern. Diese Clubs gibt es aber nicht mehr, aus finanziellen Gründen. Dafür haben die Bullen jetzt aber schicke Helme und Knüppel.
Konstantin Wecker kam dann übrigens doch noch nach Halberstadt. Und da konnte die Polizei dann zeigen, wie wichtig die neuen Schlagstöcke waren, als sie auf linke Demonstranten eindroschen, um die "Bevölkerung zu schützen". Auf den Plakaten stand nichts anderes, als "Nazis raus" oder "Der NPD die Stirn bieten". [...]
Viele wunderschöne Jahre hab ich in Halberstadt verbracht, habe Würstchen gegessen, Skat gespielt und meine Unschuld verloren. Und heute muss ich mich manchmal schämen mit meinem Abi T-Shirt: "Gymnasium Martineum Halberstadt".

Doppelpass Alleine? Vergiss es!

"He's a jackass", polterte Obama sichtlich empört. Rapper Kanye West hatte soeben der jungen Countrysängerin Taylor Swift das Mikrofon entrissen und getönt, Beyoncé hätte eines der besten Videos aller Zeiten gemacht und an ihrer Statt den MTV Video Music Award verdient. Die schmucke Newcomerin stand schüchtern daneben und ließ alles über sich ergehen. "Wieso tut er das? Sie scheint ein nettes Mädchen zu sein. Sowas macht man doch nicht", sprach Obama weiter, um sofort wieder an die Arbeit zu gehen: "Kommt Leute, Schluss mit dem entspannten Präsidenten, wir haben noch viel auf dem Programm." Diese Situation spielte sich im Vorfeld einer TV-Debatte im amerikanischen Fernsehen ab. Bevor er auch nur einen einzigen politischen Inhalt angesprochen hatte, wuchs meine Hoffnung in diesen Mann. Denn er hatte absolut Recht. "Seine Mutter hätte ihm wahrscheinlich die Leviten gelesen", sagte Kanye West später bei Jay Leno in der Show.
Ein sehr erfolgreicher Rapper schämt sich öffentlich vor einem Politiker für sein Verhalten. Aber ist Obama eigentlich ein "normaler" Politiker? Er ist es ganz sicher nicht. Obama gibt idealistischen Demokraten in der ganzen Welt einen Grund wieder daran zu glauben, was Demokratie eigentlich bedeutet. Seine Ideen, Terroristen anzuhören, Krankenversicherungen für jeden Amerikaner einzurichten und den Bankern zu erklären, dass man mit dem Geld anderer Leute keine Spielchen macht, klingen vielversprechend. Er hat sich wirklich wahnsinnig etwas vorgenommen. Leider fehlt für Krankenversicherungen das Geld und der Krieg gegen Terroristen bringt vielen Leuten viel Geld. Wie es aussieht, hat Obama es mit einem System aufgenommen, gegen das er nicht gewinnen kann. Diese Leute warten in Ruhe seine Legislaturperiode ab und fordern ihn spätestens danach auf, seinen Nobelpreis zurückzugeben. Ein Rüstungsunternehmen bekommt seinen Krieg, wenn es ihn wegen schlechter zahlen braucht, ein Pharmaunternehmen bekommt seine Schweinegrippe, wenn es sie braucht und wenn die Bauindustrie keine Aufträge hat, wird eben "Rückbau" betrieben und alles wieder neu errichtet. Um so ein System wirklich nachhaltig zu verändern, braucht man Hilfe. Dazu muss wirklich ein anderes Verständnis her. Es reicht, wenn man sich dazu mal selbst befragt. "Was würde ich tun, wenn ich morgen ratz fatz an 40 Mio € kommen könnte, wobei die Umstände nicht ganz klar sind?" [...] Wir kochen am Ende alle unseren eigenen Brei. Das erinnert mich an einen Werbespot von Adidas zur Fußball WM 2006. Thema war der "Teamgeist", um ein gemeinsames Ziel erreichen zu können. "Titan, Titan... ohne Abwehr ist nichts mit Titan", knatterte Oliver Kahn in Zeitlupe. "Ohne Flanke kein Torssuss", lispelte Kevin Kuranyi. Was auf den ersten Blick vielleicht lächerlich klingt, wird Obama irgendwann klar. Wahrscheinlich ist es ihm sogar längst bewusst. Aber dass er es versucht, macht ihn für mich unsterblich!
Denn "Wir" haben es auch versucht und fast geschafft. Podolski und Obama wissen bescheid!
Doppelpass alleine? Vergiss es!

Dienstag, 26. Januar 2010

Nico Bellic hätte geschossen


"Nein", sprach sie. "Sie haben einen falschen Fahrschein." - "Das weiß ich, deshalb komme ich ja auch auf sie zu. Man hat mir am Schalter ein falsches Ticket gegeben. Eigentlich wollte ich ein anderes." - "Das interessiert mich nicht, sie zahlen jetzt beide 40,-€ Strafe und die restlichen Kosten bis zu ihrem Zielort! Sie haben keinen gültigen Fahrschein" - "Den hat mir die dicke Tante am Schalter gegeben. Damit könne ich sparen hat sie mir erklärt. ICH WOLLTE EINEN ANDEREN!" - "Sie haben keinen gültigen Fahrschein." - "In Ordnung Frau Strzlecki, sind sie der einzige Ansprechpartner der Deutschen Bahn, oder gibt es hier im Zug noch jemand anderen?" - "Den Zugführer." - "Den möchte ich sprechen." Keine Chance, auch der Zugführer Herr Schmallenbeck hörte mir nicht zu. Ich solle den Bogen ausfüllen und könne Einspruch einlegen. "Aber an der Fahrpreisnacherhebung können er erstmal nichts ändern", sagte Herr Schmallenbeck ziemlich uninspiriert. Wie oft gerate ich eigentlich in solch eine Situation? Diese überreglementierten Verantwortlichen hören einem gar nicht mehr zu. Die haben ihr Handbuch am Gürtel und schauen sofort rein, wenn sie es nicht schon auswendig können. "Was steht da zu dicke inkompetente Schaltertante drin? Nichts. Tut mir Leid, da kann ich nichts machen. Sie haben keinen gültigen Fahrschein." - "Ich hab es verstanden!!!" Und genau in diesem Moment will ich jemand anders sein. Ein alter Kriegsveteran aus Serbien, 45 Jahre alt- ein Gesicht wie eine Enzyklopädie der Grausamkeiten. Der erzählt die Geschichte von der Tante am Schalter genau ein einziges mal! Dann fasst er sich unter die Jacke, zieht eine verchromte Beretta hervor und beißt sich kurz auf die Zähne. "Ich bezahl den Rest bis nach Berlin und keinen Cent mehr. Koji Pripada?"

Herr Bundeskanzler

1,85 groß, gutaussehend, sehr klug, jung... Keine Angst, ich rede nicht von mir. In diesem Zusammenhang bin ich schon alt. Heute hab ich in einer 12. Klasse im Unterricht gesessen und einen jungen Kerl beobachtet. Der war irgendwie so präsent, dass ich mir vorgestellt habe, wie es wäre, wenn dieser Kerl Bundeskanzler wär. Ein Mann von Format. Einer bei dem man nervös wird, dem Herzen zufliegen und der den ein oder anderen Sachverhalt nett weglächelt. Einen mit Visionen, Charme. Von Nobelpreisen will ich gar nicht erst anfangen! Warum sehen unsere politischen Würdenträger eher aus, wie der Weihnachtsmann oder das Rumpelstilzchen und nicht, wie Hugh Jackman oder Nora Tschirner? Warum sitzen die mit einer griesigen Labbe im Bundestag? Und warum sehen sie neben den Chinesen, Russen, oder Amerikanern so muffelig und irgendwie schlierig aus? Es kommt doch darauf an, was man im Kopf hat, oder? Wahrscheinlich ist in Deutschland ein riesen Aufwand nötig, um sich in so einer Partei durchzusetzen und oben zu etablieren. Um sich als Sozialdemokrat, oder Christdemokrat, oder Liberaler einen Namen zu machen braucht man wahrscheinlich Jahre und kilometerlange Schleimspuren! Das wirft für mich die Frage auf, was genau nötig ist, um Sozialdemokrat mit Listenplatz zu werden? Wahrscheinlich braucht es permanenten Austausch mit anderen "Denkern" während der Studienzeit in Burschenschaften, oder Debattierklubs. Ich selbst bin davon überzeugt, dass der junge, gutaussehende Kerl sicher auch Kanzler sein könnte, wie ich übrigens auch... Aber ich kann mich einfach nicht mit solch komischen Dingen beschäftigen. Der Kollege aus der 12. Klasse sicher auch nicht. So wie der geguckt hat, wusste er gar nicht, welcher Frau er heute Abend zuerst absagen sollte. Der hat gar keine Zeit, sich über Staatsfinanzen zu unterhalten. Sowas macht man doch nur, wenn einem die Alternative, mit einer schönen Frau den Abend zu verbringen verwährt bleibt. Der Kerl hat es einfach schwer, das muss man mal sagen! Ich in sicher, Frau Merkel hat früher niemand gegruschelt und den Steinmeier hat auch keine Frau vom Lernen abgehalten, indem sie ihn ins Paradies eingeladen hat. Die wussten bis 19:00 Uhr nichts mit sich anzufangen, haben gelernt und sind dann gegen Abend in den Politikstammtisch gestürmt, weil sich dort wenigstens einige soziale Kontakte gefunden haben. Leider kann ich euch kein Bild zeigen, aber ich verspreche: Wenn ich 4 Bilder zusammenlege von Menschen mit 20 Jahren (Merkel, Steinmeier, den Kerl aus der 12. und meine Freundin), zeigt ihr mir sofort, welche Spitzenpolitiker werden und welche nicht, ohne dass ich einen Hinweis geben muss. Wetten? Das ist doch komisch, denn mit 20 waren sie alle gleich- zumindest im Kopf!