Sonntag, 31. Januar 2010

Jetzt wird es kriminell

"Opa Wolfgang? Hast du Kopfschmerzen?" - "Nein, mein Großer. Ich rechne. Ich muss gucken, ob sich ein Geschäft lohnt, oder nicht. Da geht es um viel Geld." - "Millionen?" - "Aber Hallo! Ich überlege, ob ich 2,5 Millionen ausgebe und dafür vielleicht mehr als 100 Millionen kriege." - "Und was rechnest du da so großartig? Das ist doch ganz einfach." - "Ach, das verstehst du nicht. Ich muss übrigens nochmal weg. Sag Oma Ingeborg, ich bin kurz ins Mövenpick gefahren." - "Mövenpick klingt ja lustig. Ich sag ihr bescheid!" Und dann fuhr er weg, ziemlich schnell. Zumindest schneller, als sonst. Und mit dem Telefon am Ohr. [...] So oder so ungefähr könnte es gewesen sein. Opa Wolfgang Schäuble hatte Besuch von seinen Enkelkindern, musste sie aufgrund eines eiligen Anrufs seines Pressereferenten aber kurzfristig verlassen. Auf dem Weg ins Mövenpick klingelte gefühlte 250 mal das Telefon. "Wer ist dieser Mann? Wo hat er die Liste her? Müssen wir uns Sorgen machen, Wolfgang?" - "Was weiß ich denn? Gerade eben saß ich noch am Stubentisch und habe Malefiz gespielt. Bin jetzt auf dem Weg zum Finck, der will mich unbedingt sprechen. Meld mich später." [...] Mit 120 km/h und spektakulärem Drift (den hatte sich Opa Wolfgang zu Innenministerzeiten von BND-Agenten zeigen lassen) bretterte er in die Tiefgarage vom Mövenpick. Ein Audi A8 stand schon da. "Grüß dich Karl-Theodor, alter Haudegen. Was will denn der Finck? Hast du eine Ahnung?" - "Dem geht der Arsch auf Grundeis. Der hat irgendwelches Geld in der Schweiz in den Trockner gepackt, wenn du verstehst, was ich meine! Und jetzt will er wissen, was das für eine Liste ist." - "Herr Gott, das wird eine Scheiße... Wer kommt denn noch? Kommt Guido?" - "Der ist gestern schon in Kabul losgeflogen. Ich denke schon." [...]
Was letztlich genau im obersten Stock des Hotels gesprochen wurde, wissen wir nicht. Aber es sieht nach folgendem aus: Karl-Theodor der "alte Haudegen" wird als anerkannter Jurist mit der Ansage an die Presse treten, dass "gestohlenes" Material vor Gericht nur bedingt rechtskräftig ist. "Wir machen diesen Denunzianten zum Kriminellen. Und mit denen verhandeln wir nicht, punkt!" Guido bläst in dasselbe Horn und die restlichen Schwarz/Gelben kriegen noch ein Memo bis morgen früh. Wolfgangs Aufgabe sollte es sein, erstmal Zeit zu gewinnen, damit die Fincks und Klattens schnell nochmal die Schredder im Keller anwerfen können. Also heißt es: "Man müsse die Quellen gründlich prüfen und sich weitere Schritte gut überlegen. Immerhin sind 2,5 Millionen Euro ja kein Pappenstiel!" [...] Das sollten die von der Presse schlucken. Und der "Gabriel" sollte abgespeist werden, indem man ihm reinen Aktionismus in der Opposition vorwirft. Außerdem hört dem ja sowieso niemand zu. [...]
"Zeit ist das wichtigste. Erinnert euch an den Zumwinkel. Der redet noch immer nicht mit uns, weil wir zu spät bescheid gesagt haben.", sprach Karl-Theodor ein unangenehmes Thema an. "Wir machen das jetzt erstmal so und sobald ich was genaues weiß, ruf ich euch an", sagte Opa Schäuble. [...] Allgemeines Kopfnicken. Was anderes blieb eh niemandem übrig.
"Wolfgang, kannst du mich mitnehmen? Dann muss ich meinen Fahrer nicht extra anrufen", sprach Karl-Theodor. "Klar, steig ein. [...] Wir hören uns dann morgen. Grüßt die Frauen!"
Im Auto konnten beide erstmals entspannen. "Guido hat Recht, diese Lobby-Scheisse wird immer schlimmer." - "Der hat vor allem gerade was hinter sich. Die Nacht im Hotel wäre auf jeden Fall billig gewesen!" [...] Lautes Gelächter auf beiden Sitzen!!! "Der hat sich letzte Woche sicher auch schon mit dem Finck getroffen." Beide konnten sich nicht mehr halten vor lachen. Zum ersten mal war Guido mit dabei und hatte innerhalb nur einer Woche gleich richtig zu tun. "Ich hab ihm immer gesagt, dass Regierungsarbeit nochmal was ganz anderes ist", sagte Wolfgang. "Setz mich da vorn raus, ich hol mir noch was zu Essen beim Afghanen. Hab mich ein bisschen daran gewöhnt, muss ich sagen. Außerdem hat meine Frau vorhin versucht, Suppe zu machen. Kannst du voll vergessen. Man kann eben nicht alles haben." - "In Ordnung Karl-Theodor... Und du kriegst das hin, meinst du?" - "Klar, ich guck heute Abend nochmal in die Bücher. Bis morgen hab ich alle Paragraphen drauf, mach dir keine Sorgen." - "Sehr schön, hau rein."
Karl-Theodor überquerte die Straße und verschwand hinter der nächsten Häuserecke. [...] Puhhh. Was war denn das für ein Abend noch? Wahnsinn! Jetzt aber schnell nach Hause. Nur waren seine Enkel leider schon im Bett. Aber morgen früh sollten sie ja noch mit frühstücken. [...] Es war noch sehr früh am nächsten morgen, als es der Enkelsohn genauer wissen wollte: "Oooopa? Sag mal, bist du das hier nicht auf dem Bild in der Zeitung?"- "Zeig mal her, bitte!"
"Und Opa, was ist ein Waffenlobbyist? Und wieso steht hier, dass du dich mit Schwarzgeld auskennen müsstest? Die sagen, du wärst genau der richtige, um die Entscheidung zu treffen., was mit den 2,5 Millionen Euro passieren soll. Geht es da um die Rechnung, von der du mir gestern Abend erzählt hast?" - "Ist das jetzt ein Untersuchungsausschuss, oder was? Ingeborg, wieso redet der, wie so ein Oberschlauer Jurist? Fast, wie der Guttenberg. [...] Ey... der sieht auch noch so aus!!!" - "Wolfgang, du musst los. Ich hab dir noch einen Joghurt mit eingepackt. Schaffst du es zum Abendessen pünktlich?"

"Ganz so wird es nicht gewesen sein. Aber vielleicht zum Teil. Ich hab mal bei Google "Schwarzgeld" eingegeben. Auf den ersten 4 Seiten ist nur der Schäuble zu sehen. Das find ich sensationell. Jetzt erwarten alle von ihm, dass er die ausliefert, denen er vor Jahren selbst noch angehört hat. Vielleicht sogar noch angehört. Über die Frage hat man lange nicht nachgedacht: Aber was zum Teufel macht der Schäuble noch in einem Bundeskabinett?"

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,675062,00.html


http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/wirtschaft/559/501810/text/


http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E2DC2FA1FF398458A8CD7113FCDBF340C~ATpl~Ecommon~Scontent.html



1 Kommentar:

  1. Ich finde es unglaublich gut wie du dieses politische Thema in dieser privaten Atmosphäre formuliert hast.
    Außerdem teile ich deine Ansichten über Schäuble, dem sollten sie die Räder vom Rollstuhl abschrauben und in die Ecke stellen ;)

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