Donnerstag, 27. Oktober 2011

Ich suche was Festes.

Diesen Satz kriegt man wirklich zu hören. Immer mal. Irgendwie immer dann, wenn man ihn nicht hören will. "Was Festes", was ist das eigentlich genau? Etwas, dass sich voneinander nicht lösen lässt. Das Gegenteil von locker und irgendwie das Ende von einem Prozess- dem Festziehen. Also so stell ich mir was Festes vor. Was die jungen Ladys damit aber meinen ist eine Beziehung. [...] Oh Mann, eine Beziehung. Und sie suchen danach. Wenn man es so betrachtet, ist das schon absurd. Beim Nachdenken darüber ist mir ziemlich schnell der Vergleich zu Schrauben eingefallen. Lustig ist irgendwie, dass wenn man sich so Schrauben von oben ansieht, man wirklich schnell bei einem Menschen landet. Sie unterscheiden sich in Farbe, Beschaffenheit, ihrem Schlitz auf dem Kopf und so Dingen wie Länge, Gewinde, Rostanfälligkeit und so weiter. Wenn man sie nicht im 100er Pack kaufen könnte, wären sie beinah individuell. Jede für sich auf der Suche nach einer Mutter. Und an dieser Stelle wurde es beim Nachdenken vorhin interessant. Wenn also meine Schrauben nicht beschriftet sind, wie wir Männer und Frauen es ja auch nicht sind, muss ich die Mutter erstmal auf die Schraube aufsetzen und schauen, ob sie denn überhaupt passt. Jeder hat schonmal in einem unsortierten Werkzeugkoffer nach so etwas suchen müssen. Immer im Hinterkopf: Ziel ist etwas "Festes". Damit irgendetwas hält. Das will man ja mit Schrauben letztlich erreichen. Etwas Stabiles aufbauen. Krass- sowas wie eine Beziehung.

Schrauben wir uns also mal eine feste Beziehung. Anfangen sollte es mit dem Aufsetzen der Mutter- dem Kennenlernen. Da sieht man eigentlich gleich, ob es denn grundsätzlich passt. Denkt einfach nur mal daran, wie das aussieht, wenn ihr eine passende Mutter sucht. Man kramt in einer großen Schüssel und probiert eine nach der anderen aus. Man wirft sie meist so lange unmotiviert wieder zurück, bis sich eine aufdrehen lässt. Der nächste Schritt ist dann der ästhetische Blick. Passt es denn wenigstens halbwegs optisch zueinander? Gold und Schwarz kann richtig geil aussehen. Muss nicht immer alles gleich sein, wie noch vor 20 Jahren. Hallo? Die Welt hat sich verändert. [...]

Was kommt als nächstes? Man hat sich kennengelernt und muss jetzt einen gemeinsamen kurzen Weg miteinander gehen, um sich auf eine Nachhaltigkeit hin zu überprüfen. Mit Reibung und allem Pipapo. Sagen wir ungefähr 6,5 cm. Das ist, wenn ich meine Augen schließe, so circa die Länge einer Schraube. Dieser Weg ist anstrengend. Vor allem, wenn man kopfüber an zwei Rohren vorbei an der hintersten Ecke eine Spüle befestigen muss. Ihr kennt das. So ein typischer komplizierter Einstieg mit vielen Hindernissen. Nichts ist anstrengender, als verkrampft irgendwas zu schrauben. So ist das bei Beziehungen auch. Je schwieriger die äußeren Umstände, desto schwieriger ist es auch durchzuhalten. Es zeigt sich, wie stabil das Material ist. Manche sind eben aus unglaublich festem Titan, manche aus weichem Stahl. Trifft also eine Titanmutter auf eine Stahlschraube, könnte es sein, dass das Gewinde verändert wird. Die Titan-Uschi macht sich also ihren Partner so wie sie ihn haben möchte. Das ist nicht gewünscht. Und das kann auch nicht gut sein. Das ist eine Charakterfrage. Bei gleich geschaffenen Materialien reiben sich beide Partner gleich auf. Beide haben dieselben Abnutzungserscheinungen. Man kann den armen abgenutzten Kerl danach nicht mehr gebrauchen. Es sei denn, er findet eine genauso ausgenudelte (Fachbegriff) Mutter. Die passen dann wieder zusammen. Ob es wirklich hält, kann keiner sagen.

Manche Schrauben brauchen eine Unterlegscheibe. Die haben sie auch immer dabei. Damit wahren sie die für sie nötige Distanz zur Mutter, wollen sie einfach nicht zu nah an sich heranlassen. Manche Muttern haben einen langen beschwerlichen Weg hinter sich, bis sie am Ende angekommen sind und stellen dann fest, dass diese Unterlegscheibe alles Bedingungslose verhindert. 6,45 cm haben sie geschraubt und geschraubt und müssen sich so kurz vor etwas Festem, kurz vor der Hochzeit- manche auch erst nach 20 Jahren Ehe- eingestehen, dass sie es nie ganz geschafft haben. Was dieses Bild ein bisschen zerstört ist das zurückschrauben nach dem Scheitern. Das geht nämlich bei uns Menschen meist ganz schnell. In den seltensten Fällen schrauben wir den kompletten Weg gemeinsam wieder zurück. Bei Menschen bricht das ganze. Nur ist mir noch nie eine Mutter von der Schraube gebrochen. [...] Meine Fresse, seht bitte drüber hinweg. Wenn ihr ehrlich seid, wäre euch das ohne meinen Hinweis gar nicht aufgefallen.

Das Gewinde, die Stabilität, die Passgenauigkeit und die Einfachheit des ersten Aufsetzens sind also unsere Charaktereigenschaften. Das ist wirklich so einfach. Manche Schrauben sind so speziell, da sucht man in der Kiste ewig nach einer Mutter und am Ende passt vielleicht gar keine. Bei Muttern ist das genauso. Manche Muttern kann man einfach nicht gebrauchen. Was weiß ich, wie die in die Kiste kommen? Am Ende war es meist ein IKEA-Regal. Wenn ich mal so eine finde, pack ich sie in ein Paket und schick sie zurück nach Schweden. Vielleicht hat sie da mehr Glück.

Die letzten Millimeter der Schraube sind ganz interessant. Jetzt kommt es drauf an. Man wird vorgestellt zu Hause. Muss dem Vater dort im Garten helfen, oder beim 70. der Großmutter eine gute Figur machen. Wenn man einmal so weit ist, muss man als Schraube den Mut haben, die Unterlegscheiben wegzulassen. Hier holt man sie ganz fest an sich ran. Wer auf Omas 70. den Rest der Werkzeugkiste für sich begeistern kann, hat gute Karten. Die macht sich nicht so schnell wieder locker. Auf solchen Partys versuchen auch gern mal andere Muttern, ob sie auf die Schraube passen. Gefährliche Situation. Aber ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schnell die Hauptmutter sich runterschrauben kann. Im Affenzahn schubsen sie die billige Alumutter wieder runter und sind zurück, bevor man Kreuzschlitzschraubenzieher sagen kann.

Einmal festgeschraubt kann dann so ein Paar ganz schön lange halten. Abhängig ist das dann immer davon, wie sehr wird dieses Schrauben/Mutter- Paar beansprucht wird. Sollen die beiden eine stark frequentierte Treppe zusammenhalten, lockert sich gern mal was. Da muss dann einfach jemand da sein, der sie immer mal wieder festzieht. So eine Beziehung muss gepflegt werden. Und überprüft sowieso. Damit fängt es an. Ist man aber Bestandteil einer schwach frequentierten Treppe, auf dem Dorf oder so, hält sowas vielleicht ewig. Da ist dann Rost eher ein Problem. Weil sich über Jahre eben nichts tut. Wenn man sich also als Schraube aussuchen kann, wo es denn hingehen soll, ist ein bisschen Action die bessere Wahl.

Vielleicht sind wir jetzt so weit, alle Muttern, die nach etwas "Festem" suchen, mal zu fragen, wie sie sich das nun vorstellen. Dazu hätte ich gern mal eine Antwort. Gibt es eine mündige Mutter, die mir dazu mal was sagen kann?

Wenn ihr mich fragt, macht es deutlich mehr Sinn, die ein oder andere Schraube auszuprobieren und ein bisschen aneinander rumzuschrauben. Runterdrehen kann man es ja immer wieder ohne Probleme. Man braucht nur ein paar ehrliche Worte und gutes Werkzeug.

Und als ganz wichtigen Hinweis an alle Unzertrennlichen, die immer alles fester und fester ziehen wollen. Und das ist eine Weisheit, die dir jeder Hobbyschrauber bestätigt:

Nach fest kommt immer ab.


Freitag, 21. Oktober 2011

Schieß los Gaddafi.

Wie sich die Berichterstattung verändert. Das finde ich eigentlich am beeindruckendsten. Ich kann mich noch an Tagesschauberichte erinnern, in denen mir Muammar al-Gaddafi als Staatsmann, Gastgeber für andere Staatsmänner und als Ruhepol in einer "schwierigen Region" dagestellt wurde. Komische Roben hatte er immer an, ein bisschen ein bunter Vogel, konnte man immer denken. Um das mal gleich festzuhalten: Ich finde Staatschefs, die ihr Land unterdrücken und von der Außenwelt abschneiden nicht gut. Ich finde George Bush nicht gut und ich finde generell Verbrecher scheiße.

Jetzt, wo er tot ist, kriegt man ihn ja dauernd zu sehen. Immerzu sehe ich, wie er vor der UN die UN-Charta zerreißt und ich sehe Delegierte, die den Raum verlassen vor Empörung. Dann seh ich ihn in die Luft schießen. Immerzu ballert er im Fernsehen in die Luft. Niemandem erzähl ich hier etwas Neues. Unsere Medien machen unsere Meinung. Aber interessant ist schon, wie aus der unfassbar langen Rede vor der UN, letztlich nur das Bild der zerrissenen Charta und die flüchtenden Delegierten übrig bleiben konnte.
"Does the Vatican pose any threat to us? No it is a very peaceful, religious state. If the Afghans want to establish an Islamic emirate let it be like the Vatican. Who said the taleban are the enemy and has to be struck by the armies? Is bin Laden an Afghan? Is he a taleban? Bin Laden is not from the taleban and not from Afghanistan."
http://metaexistence.org/gaddafispeech.htm
Die Rede ist voll von Wahrheiten, wobei ich dieses Wort eher vorsichtig benutzen möchte. Im Vatikan werden bis heute Epileptikern mit Exorzisten der Teufel ausgetrieben. Ich sage euch, hätten die Öl dort, ratz fatz sind die auch ein Schurkenstaat. Gaddafi, es tut mir Leid, ich mag ihn irgendwie. Er stellt sich vor die UN und hält ihnen einen Spiegel ins Gesicht. "Wer seid ihr, dass ihr Länder als Schurkenstaaten einstuft, nachdem ihr sie über Jahrzehnte ausgebeutet und verarscht habt? Wer seid ihr eigentlich, dass ihr den Irak und Afghanistan angreift, als Vergeltung für den 11. September, obwohl Bin Laden weder Afghane, Iraker oder Taliban ist." Wahrscheinlich wäre es das beste, ihr lest euch diesen Brocken von Text mal selbst durch. Oft ist es sogar echt witzig. [...] Kaum mach ich eben den Fernseher an, schießt Gaddafi in die Luft und brabbelt so arabisches Zeug. Machen wir uns nichts vor, Arabisch klingt für Europäer total angsteinflößend. Wahrscheinlich weil in jedem zweiten Hollywood-Movie kurz vor der Explosion noch ein vermummter Moslem laut aus dem Koran liest. Und dann Bumm. Ihr erinnert euch an die Konditionierung von Pawlow? Hund-Lampe-Essen-Speichel = Moslem-Arabische Sprache-Bombe-Bumm. Wahnsinn eigentlich. 

Gaddafi wird von ehemaligen Politikern, die mit ihm zu tun hatten, als unglaublich klug beschrieben. Als einer, der genau wusste, die richtigen Dinge zu tun. Libyen war auch mal ein Schurkenstaat, bis Gaddafi es durch aberwitzige Schachzüge geschafft hat, von dieser Liste zu kommen. Und prompt flogen sie alle ein. Einer nach dem anderen. BP und Shell (Entschuldigung, die königliche Hoheit von England) haben zum Beispiel Tony Blair geschickt- bei dem man übrigens seine ganze Laufbahn immer dachte, irgendwer hat ihn geschickt. Berlusconi war auch da, Schröder, Sarkozy, die völlig abgefahrene Condoleeza. Wirklich alle. Und alle kamen mit unterzeichneten Verträgen zurück. 

Dieses Gestreichel hatte am 15. Februar dieses Jahres plötzlich ein Ende. Als Libysche Sicherheitskräfte auf die ersten Demonstranten schossen, hieß es auf Seiten der westlichen Staaten: "Oh, was macht der denn da? Der soll aufhören zu schießen. Unser schönes billiges Öl. Oh nein... Jetzt müssen wir alles neu verhandeln." Den Amerikanern war klar, dass sich so eine Protestbewegung nicht mehr aufhalten lassen würde. Also stellten sie sich zum ersten mal seit Jahren auf die Seite derer, die ihnen bis dato scheißegal waren. Das Libysche Volk. Übrigens muss das immer Gaddafis größte Angst gewesen sein. Er soll bei fast jedem Treffen  darauf hingewiesen haben, dass er Angst hat, über's Ohr gehauen zu werden. Ging eine Weile gut, wie immer... und auf einmal plötzlich nicht mehr. Seitdem senden sie den schießenden Gaddafi!! Ich kann es nicht mehr sehen.

Gaddafi ist in der afrikanischen Welt an vielen Stellen ein Held. Nelson Mandela begrüßt ihn bis heute, als wäre er einer seiner Schulkameraden aus der Abiturstufe. Mit Drücken und Küssen und allem Schnick Schnack. Gadaffi war einer der ersten und spendabelsten Apartheids- Bekämpfer, die es gab. Afrika sei ihm wichtig sagt er und irgendwie glaub ich ihm das. Was macht ihn eigentlich aus unserer westlichen Sicht zu einem schlechten Menschen? Dass er prinzipiell Staatschef eines reichen Landes ist und seinen Untertanen nichts abgibt? Aha... Und wie ist das bei uns? Oder in den USA? Der einzige Unterschied ist doch, dass man in Libyen Gaddafi heißen muss, um privilegiert zu sein. Hier spielen wir Demokratie.

Dem Präsidenten der Vereinten Nationen seine eigene Charta auf den Tisch zu werfen mit den Worten: "Schauen sie sich die israelische Jugend an, schauen sie sich die palästinensische Jugend an. Die wollen alle Frieden. Dieses Buch hier hat die Lösung für das Problem parat. Schauen sie mal rein." Also ganz ehrlich, das ist einfach ein Knaller. Ähnlich wie der Irakische Journalist, der George Bush mal einen Schuh an den Kopf werfen wollte.

Das schlimmste an der ganzen Sache ist in meinen Augen, dass das dummgehaltene Libysche Volk (damit mein ich immer die Mehrheit, wie in jedem Land der Erde) glaubt, es ginge jetzt bergauf. Jetzt wo sie ihn in ein Kanalrohr gejagt und abgeknallt haben. Denn sie wissen nicht, dass sich nie was ändert. Einzig das Feindbild fehlt ab jetzt. Es ist viel einfacher etwas gegen Muammar al-Gadaffi zu haben, als gegen sowas Abstraktes wie die Finanzindustrie. Denn die kann man nicht so einfach in einen Abfluss scheuchen, wenn sie den Bogen überspannt haben.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Jeder Braten ist nur so gut, wie seine Soße.

'Mutzbraten in der Mensa'... Aha, ich bin gespannt. Oft geh ich ja eigentlich nicht mehr hin. Das Niveau ist einfach schlecht. An dem Tag, an dem ich gemerkt habe, dass man sich mit den richtigen Zutaten und 10 Minuten mehr Aufwand ein tausendmal besseres Essen machen kann, beschloss ich die Mensa weiterhin nicht mehr groß zu betreten. Der Mutzbraten hat mich inspiriert, so doof das klingen mag. Der war so schlecht, dass ich es mal selbst ausprobieren wollte. Den neuen Bräter hatte ich zum Geburtstag bekommen. Als Beilagen hab ich mir Thüringer Klöße und Sauerkraut gedacht. So hat es mein Vater gemacht und so wollte ich es in der Mensa haben. Aber das geht nicht, wie sich noch zeigen wird.

Entscheidend sind die Zwiebeln am Anfang, hat mir mein Vater erklärt. "Wenn du Soße haben willst, ohne Maggi-Scheiße, brauchst du mindestens 5 Zwiebeln. Erstmal." [...] Vorher musste ich aber noch das Fleisch besorgen. Wer es ein bisschen saftiger will, nimmt ein Nackenstück. Für 4 Personen ungefähr 1kg. Mit acht bis zehn Euro bist du im Geschäft. Für drei Euro zwei Pakete Klöße und Sauerkraut. Fertig ist die Laube.

Eine Stunde dauert der ganze Kram. Ungeduld ist nicht angebracht. Das kann man sich vorher gleich mal sagen. Wenn es genau zum Anpfiff noch nicht fertig ist, muss man eben noch 30 Minuten warten. Zuerst- und die Aufgabe sollte man als Koch vielleicht weitergeben- schälst du 5 normal große Zwiebeln und brätst sie in einem Bräter und etwas Öl scharf an. Bis sie sich langsam braun färben. Mein Freund Tobi setzt angeblich immer eine Schwimmbrille auf, weil seine Augen empfindlich sind. Meine sind es auch extrem. Heulen ist kein Ausdruck. "Cry me a river", würde Justin Timberlake singen. Wie ich gelernt habe, kommt das Übel aber durch die Nase und sonst auch überall rein. Wer sich also nicht im Quarantäne-Anzug in die Küche stellen will, beißt kurz auf die Zähne. Bevor sie dunkel werden, mit etwas warmen Wasser ablöschen. Das Wasser soll reduzieren, oder sich reduzieren. Keine Ahnung, wie man das sagt. Sobald kaum noch Wasser im Bräter ist, kippst du wieder neues drauf. Meistens klingelt mein Handy und ich vergesse pünktlich aufzukippen. Großartig schief gehen kann da aber nichts. Diesen Vorgang wiederholst du so lange, bis aus den Zwiebeln und dem Wasser eine braune "Fastsoße" entstanden ist. Später kann man die übrigen Zwiebelkörper noch durch ein Sieb passieren, ich hab aber leider so ein Sieb nicht. Die Soße tust du zur Seite in eine kleine Schüssel und machst wieder neues Öl in die Pfanne. Das wirklich ziemlich imposant große Stück Fleisch muss von allen Seiten scharf angebraten werden. Man kann sich anfangs nicht vorstellen, diesen Batzen gar zu kriegen, aber das funktioniert wirklich. Ordentlich Salzen und Pfeffern! (Das hab ich doch beinah vergessen, erst beim Drüberlesen fällt mir auf, dass was wichtiges fehlt!) Das Anbraten hat zweierlei Effekte. Zum einen verschließen sich die Poren und der entscheidende Bratensaft bleibt im Fleisch enthalten, zum anderen entstehen beim Anbraten durch das Anrösten genau die Röstaromen, die der Soße beim Schmecken helfen. Der Mutzbraten in der Mensa schmeckt nach... Ja wonach eigentlich? 

Ist das Stück Fleisch von allen Seiten angebraten, tust du unsere "Fastsoße" wieder dazu und gießt etwas Wasser auf. Ungefähr so viel, dass ungefähr ein Drittel verdeckt ist. Man muss aber kein Maßband nehmen. In diesem Zustand verbringt das Stück Schweinenacken ungefähr 45 bis 60 Minuten im Topf und schmort. Ab und zu gießt du bei halber Hitze wieder ein bisschen Wasser auf. Ganz wichtig und das darf man nicht vergessen: Frische Pimentkörner ungefähr 5 Stück. Kleindrücken mit einem Messer und dazugeben. Ich finde, das macht es erst charakteristisch. Um später rauszufinden, ob das Fleisch gar ist, stichst du einfach mit einer Gabel oder besser mit einem spitzen Messer ungefähr bis zur Hälfte hinein. Kommt kein blutiger Saft mehr raus, ist es gar. Wenn du ganz sicher gehen willst, schneidest du es in der Mitte durch. Jeder kennt die Farbe, die es für ihn haben sollte. Und Geduld, wenn es noch nicht reicht. Gar wird es von allein.

Während die Geschichte kocht hast du Zeit zum Klöße rollen und Sauerkraut lecker machen. Heißt also Schwimmbrille auf und zwei Zwiebeln schneiden. Gut ist bei Sauerkraut immer ein bisschen Speck. Da braucht man kein Salz mehr dran machen. Bis auf manchmal. Brat es einfach zusammen an und gib das Kraut aus der Dose dazu. Zucker macht es nicht ganz so sauer, das ist mir persönlich manchmal zu doll. Einfach warm machen und das kommt später. Wie man Klöße in kochendes Wasser legt, erklär ich jetzt nicht. Das wird hier eh viel zu viel Text, wenn ich es so lese. 

Von jetzt an rennt man eigentlich nur noch zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her, zum Nachschauen und Kosten. Salz und Pfeffer benutzt man immer mal und probiert das Sauerkraut zusammen mit der Soße. Aber eigentlich könnte man aber diese Spaziergänge auf ein Minimum reduzieren und 2/3 mal Wasser aufgießen. Reicht völlig aus.

Kommt dann kein blutiger Saft mehr aus dem Fleisch, nimmst du es aus dem Topf und rührst in einer Tasse einen Löffel Mehr in heißem Wasser an. Damit bindest du ein bisschen die Soße, weil sie sonst suppenähnlich dünn ist. Das ganze Gedöhns der Zwiebeln kannst du noch durch ein Sieb passieren, aber das hab ich jetzt glaub ich schon zum zweiten mal gesagt. Mit dem angerührten Mehl muss man schön vorsichtig sein, sonst wird es Brei. Langsam dazurühren und so lange warten, bis man zufrieden ist. Klumpen kriegt man keine, wenn man sich Zeit nimmt, ihr ungeduldigen Amateure.

Das Fleisch tust du wieder zurück in den Topf. So lange, bis alles andere fertig ist- die Klöße oben schwimmen und das beknackte Sauerkraut nicht mehr so schweinesauer ist. Wie man es anrichtet, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Sowas interessiert mich herzlich wenig. Wichtiger ist mir, dass alle warten, bis der letzte am Tisch sitzt. Wenn alle gemeinsam auf ihren Teller schauen, ist es sich deutlich entspannter. Nur zum Nippen am Bier hebt man ab und zu mal den Kopf.

Eigentlich hatte ich meinen Vater gebeten, mir hier in dem Blog mal zu helfen und vielleicht etwas regelmäßiges daraus zu machen. Angeblich hat er aber keine Zeit. Prinzipiell geb ich hier nur seine Worte wieder. Das ist ganz wichtig, find ich.

In effektiv einer Stunde ist alles fertig. Wirkliche Arbeit hat man aber nur 30 Minuten, den Rest macht der Herd allein.

Meistens hat man von allem was übrig. Wenn auch nicht viel, reicht es um am nächsten Tag noch für zwei Leute ein Mittagessen zu machen. Klöße einfach in Margarine anbraten und nochmal ein bisschen mit Pfeffer und Salz würzen. Wenn sie schön cross sind, einfach alles andere dazu in die Pfanne. Wenn es die Zeit zulässt, mach ich dann im Normalfall einen Mittagsschlaf- ist ja Sonntag.

Ruft mich an, wenn ihr wieder wach seid!