Dienstag, 18. Oktober 2011

Jeder Braten ist nur so gut, wie seine Soße.

'Mutzbraten in der Mensa'... Aha, ich bin gespannt. Oft geh ich ja eigentlich nicht mehr hin. Das Niveau ist einfach schlecht. An dem Tag, an dem ich gemerkt habe, dass man sich mit den richtigen Zutaten und 10 Minuten mehr Aufwand ein tausendmal besseres Essen machen kann, beschloss ich die Mensa weiterhin nicht mehr groß zu betreten. Der Mutzbraten hat mich inspiriert, so doof das klingen mag. Der war so schlecht, dass ich es mal selbst ausprobieren wollte. Den neuen Bräter hatte ich zum Geburtstag bekommen. Als Beilagen hab ich mir Thüringer Klöße und Sauerkraut gedacht. So hat es mein Vater gemacht und so wollte ich es in der Mensa haben. Aber das geht nicht, wie sich noch zeigen wird.

Entscheidend sind die Zwiebeln am Anfang, hat mir mein Vater erklärt. "Wenn du Soße haben willst, ohne Maggi-Scheiße, brauchst du mindestens 5 Zwiebeln. Erstmal." [...] Vorher musste ich aber noch das Fleisch besorgen. Wer es ein bisschen saftiger will, nimmt ein Nackenstück. Für 4 Personen ungefähr 1kg. Mit acht bis zehn Euro bist du im Geschäft. Für drei Euro zwei Pakete Klöße und Sauerkraut. Fertig ist die Laube.

Eine Stunde dauert der ganze Kram. Ungeduld ist nicht angebracht. Das kann man sich vorher gleich mal sagen. Wenn es genau zum Anpfiff noch nicht fertig ist, muss man eben noch 30 Minuten warten. Zuerst- und die Aufgabe sollte man als Koch vielleicht weitergeben- schälst du 5 normal große Zwiebeln und brätst sie in einem Bräter und etwas Öl scharf an. Bis sie sich langsam braun färben. Mein Freund Tobi setzt angeblich immer eine Schwimmbrille auf, weil seine Augen empfindlich sind. Meine sind es auch extrem. Heulen ist kein Ausdruck. "Cry me a river", würde Justin Timberlake singen. Wie ich gelernt habe, kommt das Übel aber durch die Nase und sonst auch überall rein. Wer sich also nicht im Quarantäne-Anzug in die Küche stellen will, beißt kurz auf die Zähne. Bevor sie dunkel werden, mit etwas warmen Wasser ablöschen. Das Wasser soll reduzieren, oder sich reduzieren. Keine Ahnung, wie man das sagt. Sobald kaum noch Wasser im Bräter ist, kippst du wieder neues drauf. Meistens klingelt mein Handy und ich vergesse pünktlich aufzukippen. Großartig schief gehen kann da aber nichts. Diesen Vorgang wiederholst du so lange, bis aus den Zwiebeln und dem Wasser eine braune "Fastsoße" entstanden ist. Später kann man die übrigen Zwiebelkörper noch durch ein Sieb passieren, ich hab aber leider so ein Sieb nicht. Die Soße tust du zur Seite in eine kleine Schüssel und machst wieder neues Öl in die Pfanne. Das wirklich ziemlich imposant große Stück Fleisch muss von allen Seiten scharf angebraten werden. Man kann sich anfangs nicht vorstellen, diesen Batzen gar zu kriegen, aber das funktioniert wirklich. Ordentlich Salzen und Pfeffern! (Das hab ich doch beinah vergessen, erst beim Drüberlesen fällt mir auf, dass was wichtiges fehlt!) Das Anbraten hat zweierlei Effekte. Zum einen verschließen sich die Poren und der entscheidende Bratensaft bleibt im Fleisch enthalten, zum anderen entstehen beim Anbraten durch das Anrösten genau die Röstaromen, die der Soße beim Schmecken helfen. Der Mutzbraten in der Mensa schmeckt nach... Ja wonach eigentlich? 

Ist das Stück Fleisch von allen Seiten angebraten, tust du unsere "Fastsoße" wieder dazu und gießt etwas Wasser auf. Ungefähr so viel, dass ungefähr ein Drittel verdeckt ist. Man muss aber kein Maßband nehmen. In diesem Zustand verbringt das Stück Schweinenacken ungefähr 45 bis 60 Minuten im Topf und schmort. Ab und zu gießt du bei halber Hitze wieder ein bisschen Wasser auf. Ganz wichtig und das darf man nicht vergessen: Frische Pimentkörner ungefähr 5 Stück. Kleindrücken mit einem Messer und dazugeben. Ich finde, das macht es erst charakteristisch. Um später rauszufinden, ob das Fleisch gar ist, stichst du einfach mit einer Gabel oder besser mit einem spitzen Messer ungefähr bis zur Hälfte hinein. Kommt kein blutiger Saft mehr raus, ist es gar. Wenn du ganz sicher gehen willst, schneidest du es in der Mitte durch. Jeder kennt die Farbe, die es für ihn haben sollte. Und Geduld, wenn es noch nicht reicht. Gar wird es von allein.

Während die Geschichte kocht hast du Zeit zum Klöße rollen und Sauerkraut lecker machen. Heißt also Schwimmbrille auf und zwei Zwiebeln schneiden. Gut ist bei Sauerkraut immer ein bisschen Speck. Da braucht man kein Salz mehr dran machen. Bis auf manchmal. Brat es einfach zusammen an und gib das Kraut aus der Dose dazu. Zucker macht es nicht ganz so sauer, das ist mir persönlich manchmal zu doll. Einfach warm machen und das kommt später. Wie man Klöße in kochendes Wasser legt, erklär ich jetzt nicht. Das wird hier eh viel zu viel Text, wenn ich es so lese. 

Von jetzt an rennt man eigentlich nur noch zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her, zum Nachschauen und Kosten. Salz und Pfeffer benutzt man immer mal und probiert das Sauerkraut zusammen mit der Soße. Aber eigentlich könnte man aber diese Spaziergänge auf ein Minimum reduzieren und 2/3 mal Wasser aufgießen. Reicht völlig aus.

Kommt dann kein blutiger Saft mehr aus dem Fleisch, nimmst du es aus dem Topf und rührst in einer Tasse einen Löffel Mehr in heißem Wasser an. Damit bindest du ein bisschen die Soße, weil sie sonst suppenähnlich dünn ist. Das ganze Gedöhns der Zwiebeln kannst du noch durch ein Sieb passieren, aber das hab ich jetzt glaub ich schon zum zweiten mal gesagt. Mit dem angerührten Mehl muss man schön vorsichtig sein, sonst wird es Brei. Langsam dazurühren und so lange warten, bis man zufrieden ist. Klumpen kriegt man keine, wenn man sich Zeit nimmt, ihr ungeduldigen Amateure.

Das Fleisch tust du wieder zurück in den Topf. So lange, bis alles andere fertig ist- die Klöße oben schwimmen und das beknackte Sauerkraut nicht mehr so schweinesauer ist. Wie man es anrichtet, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Sowas interessiert mich herzlich wenig. Wichtiger ist mir, dass alle warten, bis der letzte am Tisch sitzt. Wenn alle gemeinsam auf ihren Teller schauen, ist es sich deutlich entspannter. Nur zum Nippen am Bier hebt man ab und zu mal den Kopf.

Eigentlich hatte ich meinen Vater gebeten, mir hier in dem Blog mal zu helfen und vielleicht etwas regelmäßiges daraus zu machen. Angeblich hat er aber keine Zeit. Prinzipiell geb ich hier nur seine Worte wieder. Das ist ganz wichtig, find ich.

In effektiv einer Stunde ist alles fertig. Wirkliche Arbeit hat man aber nur 30 Minuten, den Rest macht der Herd allein.

Meistens hat man von allem was übrig. Wenn auch nicht viel, reicht es um am nächsten Tag noch für zwei Leute ein Mittagessen zu machen. Klöße einfach in Margarine anbraten und nochmal ein bisschen mit Pfeffer und Salz würzen. Wenn sie schön cross sind, einfach alles andere dazu in die Pfanne. Wenn es die Zeit zulässt, mach ich dann im Normalfall einen Mittagsschlaf- ist ja Sonntag.

Ruft mich an, wenn ihr wieder wach seid!

2 Kommentare:

  1. Klingt lecker. Fehlt mir nur noch der Bräter. Kommt gleich mal auf den Wunschzettel.

    Das passieren der Soße kann man auch prima durch pürieren mitm Mixstab ersetzen. Hab nämlich auch nicht so ein Sieb. Hat den Vorteil, dass die Soße auch gleich bissl dicker wird.

    Auf andicken mit Mehl stehe ich absolut nicht, da schmeckt die Soße so mehlig, wenn man sie nicht noch min. 15min köcheln lässt. Nehme deshalb lieber Kartoffelstärke oder Johannisbrotkernmehl, das ist geschmacksneutral und bindet genauso.

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