Dienstag, 26. August 2014

Du willst etwas Gutes tun?

Wirklich? Seit wann willst du denn was Gutes tun? Was ist passiert, dass es dich plötzlich schert, unter welchen Krankheiten fremde Menschen leiden? Wo du doch speziell von ALS vorher noch nie gehört hast. Oder irre ich mich und du verfolgst den Forschungsstand bereits seit Jahren und bist froh, dass nun endlich die öffentliche Aufmerksamkeit vorhanden ist? Wenn man sich deine Facebook-Seite ansieht, hast du eigentlich vorher nur Katzenfotos und Bling-Bling Bildchen deiner Lieblingsprominenten gepostet! Woher dieser Sinneswandel? Die Welt da draußen ist dir doch scheißegal, wenn du ehrlich bist. Ich frag mich nur, was du als nächstes machen willst? Titten zeigen für den Frieden in GAZA? Oder ins Knie schießen wegen der neu aufgelegten Vorratsdatenspeicherung? Deine politische oder gesellschaftliche Partizipationskraft ist riesig, also nutze sie auch. Am besten, indem du dich von Freunden mit dem Handy dabei filmen lässt, wie du dir absichtlich in die Hosen scheißt, um dich solidarisch mit Ostukrainischen Kindern zu zeigen, die sich täglich wahrhaftig in die Hosen scheißen. Aus Angst!

Du tust nichts Gutes. Im Gegenteil sogar. Du tust etwas sehr Schlechtes. Nicht nur, dass du einen Eimer reinsten Trinkwassers über deinen von Kosmetika verklebten Körper ins Grundwasser gießt, du sorgst mit deiner Aktion zudem für eine inakzeptable Relevanzverschiebung der gesellschaftlichen Probleme. Versteh mich nicht falsch. Krankheiten sind beschissen. Aber wenn man unter ALS leidet bringen einem Millionen Menschen, die sich mit Eiswürfeln begießen rein gar nichts. Es wird nicht lange dauern, da ist dieser Hype vorbei und die Erkrankten leiden weiterhin unter ihren Symptomen. Und wer die Aktion boykottiert, überweist wahrscheinlich nur in den seltensten Fällen auch die 100,-$ an die dafür vorgesehene Stiftung. Ich persönlich kenne nur eine einzige Frau, die mit dem Slogan "Spenden statt Verschwenden" direkt in ihr eigenes Portemonaie griff.

Du hirnloser Lemming redest nur, wenn es die anderen auch tun. Du handelst nur, wenn du die heuchlerische Anerkennung deiner Social-Network-Abonenten erwarten kannst. Ohne Kamera würdest du dir niemals kaltes Wasser über den Kopf gießen. Ich weiß das, denn ich hab es dir schon mehrmals vorgeschlagen. Du hast mir einen Vogel gezeigt und mich für blöd erklärt.

Deine Kinder werden irgendwann in ein paar Jahren deine Facebook-Chronik unter die Lupe nehmen und rekapitulieren, was du in deiner Sturm und Drang Phase gegen Ungerechtigkeiten unternommen hast. Und du kannst dich jetzt schon schämen, wenn es am Ende heißen wird: Du hast dich mit Wasser übergossen. In einer Zeit, in der weltweit Menschen abgeschlachtet, ausgehungert, ausgeräuchert und verfolgt wurden. Was für ein Erbe!

Es regnet. Blut in Gaza und Donetsk. Eiswürfel im entgleist dekadenten Westen. Du hast dich für lächerliche 15 Likes völlig zur Nuss gemacht. Herzlichen Glückwunsch. Ich wünsche dir gute Besserung. Wahrscheinlich hast du es nötiger, als jeder an ALS Erkrankte.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Zweitaktfreunde Huysograd verantwortlich für Flugzeugabsturz

Quelle: Internet
Der Abschuss der MH17 war wohl ein Versehen. Dieser Meinung sind zumindest erfahrene Geheimdienst-mitarbeiter der Amerikaner. "Entgegen aller Falschmeldungen der letzten Tage täte sich nun ein vollkommen neues Bild auf", hieß es aus vertrauten, vertrauenden, vertrauensvollen Kreisen. Facebook, Twitter und Instagram Aktivitätsanalysen einiger Praktikanten bei der NSA haben einige interessante Posts ans Tageslicht gebracht, die wohl beweisen können, dass eine kleine Zweitaktgemeinde aus der ukrainischen Stadt Huysograd den Absturz zu verantworten hat. Nach Angaben der Analysten habe sich eine Gruppe betrunkener Mopedfanatiker an einem Nachmittag ein Zielspiel mit einer Kartoffelkanone ausgedacht. "Wir haben eine alte Deoflasche von 8x4 gefunden und uns ist aufgefallen, dass wir genau acht Leute waren. Also durfte jeder vier mal schießen." (Igor Kawummzew- prorussischer Student) Was dann im Laufe der nächsten Minuten geschah, tut den Zweitaktfreunden aufrichtig Leid. Der amerikanische Geheimdienst CIA ist sicher, dass gegen 17:30 Uhr von ukrainischem Territorium aus eine Kartoffel der Sorte "Bamberger Hörnla" auf die Passagiermaschine mit 298 Menschen (darunter eigentlich nur Kinder mit Nuckelflaschen und Kaleidoskop) abgeschossen wurde. Dies kann auf Satellitenaufnahmen bestätigt werden. Wenn man genau hinsieht, erkennt man sogar noch die Staubwolke, die eine S51 üblicherweise hinterlässt, wenn man ordentlich am Hahn dreht.
Auf Anfrage gab uns der Vorsitzende der Zweitaktfreunde Huysograd bereitwillig Auskunft: "Gegen 17:31 Uhr wurde Shenja von einem aufsteigenden Jet erschreckt. In diesem Moment löste sich ein Schuss aus der Kanone, der augenscheinlich des Jettes dem Jet sein Ziel vor der Nase weggeputzt hat." Nach Angaben hochgradiger Kartoffelexperten sei eine Kartoffel der Sorte "Bamberger Hörnla" locker in der Lage, die Außenhülle einer Boeing 777 zu durchschlagen. "Wenn es noch eines Beweises bedurft habe, wäre der ja nun endgültig erbracht", so der Pressesprecher der Lobbyistengruppe "Potato-Missiles".

Wie die Weltgemeinschaft auf diesen versehentlichen Akt reagieren soll, ist noch nicht abschließend geklärt. "Ich wollte wirklich nur das Deo treffen, das schwöre ich. Hätte ich doch bloß nicht die Dose 8x4 gefunden", winselte Shenja Myshkin gegenüber seinen Freunden.

Europa und die USA sind sich einig, es einfach dabei zu belassen. Während Merkel in Berlin noch von einem tragischen Unfall sprach, ging Obama gar einen Schritt weiter und bot den Zweitaktfreunden eine Alkoholtherapie und ein Wellnesswochenende in Dnjepropetrowsk an, um sich von diesem Schock zu erholen. "Sowas schüttelt man nicht so einfach aus den Knochen, diese Jungs müssen langsam wieder aufgebaut werden", hieß es aus dem Oval Office.

Freitag, 24. Januar 2014

Der Systembeschützer


"Das Fernsehen ist ein Massenmedium. Wenn du dort zu sehr polarisierst ist das schön für's Feuilleton, aber die Leute lassen dich dann vielleicht nicht mehr so gern ins Wohnzimmer."
(Markus Lanz im Stern 2008)

Wenn 100.000 Menschen innerhalb einer einzigen Woche eine Petition unterschreiben, die sich zum Ziel gesetzt hat, Markus Lanz aus dem gebührenfinanzierten Fernsehen zu vertreiben, könnte man doch sagen "sie wollen ihn nicht mehr in ihrem Wohnzimmer haben". Die Antwort warum sie das wollen gibt uns Markus Lanz ja auch schon selbst. Er war zu polarisierend. Seine Gangart wird von der Presse im Nachgang jeder Sendung als "ruppig" oder "knallhart" beschrieben. Als wäre seine Art der Fragestellung und Moderation eine fordernde und bohrende.

Das ist sie aber nicht. 

Die Art und Weise, wie Markus Lanz seit mehr als 150 Sendungen mit seinen Gästen umspringt lässt sich mit journalistischen Vokabeln nicht mehr beschreiben. Verkürzt dargestellt läuft die Sendung immer auf dieselbe Art und Weise ab. Direkt neben Lanz sitzt derjenige, der in der Sendung eine Sonderbehandlung bekommt. Am weitesten entfernt von Lanz sitzt dann derjenige, der Lanz dabei unterstützen soll. Ein Kreuzverhör. So haben es die Zuschauer zig Male erlebt und scheinbar eine Methode erkannt. Schaut man sich an, welchen Themen er sich dabei widmet, wen er dafür einlädt und wer gerade die Macht im Rundfunkrat inne hat, verzieht so langsam der Nebel um die Arbeit von Markus Lanz.

Entgegen der Meinung der meisten Kritiker von Markus Lanz finde ich nicht, dass er seine Arbeit schlecht macht. Im Gegenteil. Er führt seinen Job nahezu in Perfektion aus. Die Frage muss meiner Meinung nach also eher heißen: Welchen Job hat Markus Lanz überhaupt?

Man sollte vermuten, dass diese Sendung dazu da ist, Menschen die etwas zu sagen haben eine Plattform zu bieten, um die Gesellschaft an ihren Gedanken teilhaben zu lassen. Ich denke so betrachten die meisten Zuschauer den Sinn so einer Talkshow. Wenn man dann aber in einer kurzen Vorstellungsrunde die Gäste als "Neostalinisten", "Verschwörungstheoretiker" und "Hassprediger" begrüßt bietet man keine Plattform sondern... Ja, was ist das eigentlich? Letztlich nichts als der schlecht getarnte Versuch jedem Zuschauer einen Gedanken einzupflanzen, den er möglichst den Rest des Abends nicht mehr aus dem Kopf verliert. "Euro rein oder raus, Frau Wagenknecht?" - "Aber Sie sind schon jemand, der Gewalt nicht abgeneigt ist, Herr Vogel oder? Immerhin haben sie mal mit einem Stein einer Katze vom Baum geholfen."
Diese Sendung kann also keinen journalistischen Charakter haben. Allein aus dieser einen Tatsache heraus. Was aber dann? Man muss kein Ermittler sein, um herauszufinden, wem Markus Lanz mit seiner Interviewmethode nützt. Es ist immer die gegenwärtige Bundesregierung. Und das waren einige seitdem er 1998 bei RTL das hochinvestigative Format "Explosiv" übernommen hat. Scheinbar hat er dabei einen so guten Job gemacht, dass man ihn aus Sicht des ZDF für Aufgaben in einer anderen Zielgruppe einsetzen kann.

Diese Zielgruppe ist im Schnitt 50 oder älter, Internet ist Neuland für sie und sie bildet die größte Gruppe der CDU Wähler. Wenn deren Weltbild durch aufgeworfene Fragen erschüttert wird ist das für die Regierung also nicht angenehm.

Es lösen sich ziemlich schnell alle widersprüchlichen Argumente für oder gegen Markus Lanz in Luft auf, wenn man verstanden hat welche Aufgabe der Moderator Lanz hat. Und das Beispiel mit Sarah Wagenknecht eignet sich daher so wunderbar dieses Problem zu erläutern, weil man erkennen kann, wie existenziell die Problematik der Euro-Debatte zu sein scheint. Ich hab einen Freund, der mir am Tag der Sendung eine SMS schrieb mit dem Inhalt: "Mach Lanz an. Der will es der Wagenknecht zeigen." 

Markus Lanz gehört zu einer exklusiven Gruppe in Deutschland. 

Die Systembeschützer. 

Ihre Aufgabe ist eigentlich ziemlich einfach. Sie sind Mediengesichter, die sicherstellen, dass sich die öffentliche Meinung nicht unangenehm verschiebt. Etwa, dass eine Bevölkerung merkt, wie sie mittlerweile aus Brüssel an der Nase herumgeführt wird. An dieser Stelle springen Sandra Maischberger, Anne Will, Günther Jauch oder Reinhold Beckmann in den Ring und wollen einer Repräsentationsfigur den Satz aus der Nase ziehen, dass sie gegen eine europäische Integration ist. Markus Lanz ist mittlerweile wohl als der bissigste seiner Zunft zu bezeichnen. Mit einem ermittelnden Blick und dem Zeigefinger an der Unterlippe wartet er, dem Interviewpartner ausladend zugewandt, auf jede Gelegenheit, die es ihm ermöglicht, den Gesprächspartner bloßzustellen. 

Betrachtet man die Körpersprache von Markus Lanz über so eine Sendung hinweg, fällt einem Laien auf, dass er höchst selten mitdenkt. Nicht etwa, weil es nicht dazu in der Lage ist, sondern weil in seinem Kopf ganz andere Fragen und Probleme gelöst werden müssen. Dadurch gelingt es ihm sehr ungenügend seine Gesprächspartner argumentativ zu entwaffnen. Sein Blick schwenkt zwischen Kärtchen und Himmel hin und her. Er runzelt die Stirn und ist eigentlich vollkommen hilflos, sobald ihm jemand gegenübersitzt, der plausible Argumente vorbringt. Das ist aber überhaupt nicht weiter schlimm. War eine Sendung wieder unerträglich, kommen die Print- und Onlinemedien auf die Tagesordnung und empfehlen dem Scheininformierten "doch einfach auszuschalten", wenn es ihm nicht gefällt. Die Empörung einer schnell wachsenden Gemeinde wird als "Angriff auf die Pressefreiheit" dargestellt. War er halt wieder ein bisschen forsch, der kleiner Bursch.

Das öffentlich-rechtliche System ist nichts anderes als eine Schutzschicht für politische Entscheidungsträger und jeder bekommt seine Aufgabe zugeteilt. "Du hast dich bewährt, treue Dienste der Manipulation geleistet. Den Bürger bei RTL über die massenhaften Hundeangriffe auf Spielplätzen informiert, Angst und Schrecken verbreitet und jetzt darfst du Deutschlands Prominenz hofieren. Ab und zu setzen wir dir mal einen rein, den du zur inneren Weißglut bringen musst, ansonsten erzählen Per Kusmagk, Franjo Pooth und Desiree Nick von ihren Gebrechen und Eskapaden. Du bist jetzt in der Champions League, Markus."

Champions League. Und wer sich ein bisschen auskennt weiß, dass man da nicht zufällig rein gerät.

Mit anderen Worten: Der Lanz, der kann's!

Mittwoch, 1. Januar 2014

Das Jahr ist zu Ende


Na und? 

Wenn wir ehrlich sind ist es bloß gut, dass dieser eine Abend, an dem das Ende des Jahres so ausführlich besprochen und gefeiert wird, zu Ende ist. Eine wirkliche Veränderung ist nicht zu erkennen, außer dass es auf der Straße stinkt wie Hupatz und alles dreckig ist. Es kommt dir ein aufgequollenes Bleichgesicht nach dem anderen entgegen und türkische Straßenfeger denken über unsere Kultur nach, während sie versuchen Kotze von Böllern zu trennen.

Wie jedem Deutschen kam mir heute die krachende Neujahrsansprache unserer Kanzlerin in den Sinn. Ich fühle mich richtig motiviert anzupacken. Generell anzufangen. Die Kanzlerin hat es nicht so deutlich auf den Punkt gebracht, aber sie sagte sinngemäß, dass es einfach ist, sich tonnenvoll an einem Lagerfeuer zu sagen, wie viel anders alles wird im kommenden Jahr. Also MORGEN. Heute noch, ... aber dann morgen werde ich so sein, wie mein Chef mich braucht. Belastbar, kreativ und vor allem authentisch. Meine Freundin wird mich mitdenken sehen und meine vierundzwanzig verantwortlichen Ämter kriegen alles, was sie brauchen. Pünktlich im Rahmen der Fristen. Ich werde aufhören das zu tun, was mir Spaß macht, weil mich das von meinem Weg abbringt.

Und dann?

Wenn wir ehrlich sind, ist jede Veränderung in unserem Leben eingetreten, wenn wir gesagt haben HEUTE werde ich belastbar sein oder dem Amt pünktlich meine Unterlagen übergeben. Sobald man die angestrebte Veränderung in die Zukunft verschiebt ist sie eigentlich schon abgeheftet. 

Wie jeder Schüler heute weiß, haben wir vor 2014 Jahren angefangen unsere Zeit zu zählen. Aber was hat das eigentlich gebracht? Die Kanzlerin hat es nicht so deutlich gemacht, aber sie sagte sinngemäß, dass ein (wildes, turbulentes) Jahr zu Ende ist. Wir haben jahrelang Pferde gegessen und uns dabei nur über die schlechte Würze von Tiefkühl-Lasagne beschwert. Unsere Politiker gucken Journalistinnen auf die Titten, machen dämliche Witze und schnarchen danach beim verrotzten Kichern. Mit deutscher Waffentechnologie wird jedes 3. Kind getötet und abgehört wird sowieso, aber das ist ja vom Tisch. In zwei Jahren kann keiner mehr genau sagen, was genau der Unterschied zwischen der NSA- und der NSU-Affäre war.

Na und?

Wenn wir ehrlich sind, geht uns das am Arsch vorbei. Das Jahr wird in den Schrank gestellt, wie eine externe Festplatte beschriftet und irgendwann kann man sicher drüber lachen, wenn man es sich mal wieder ansieht. Gut, dass wir diese Festplatten wenigstens haben. Zum Ende des Jahres wird man ja mit Alkohol regelrecht ersäuft. Nach dem Oktoberfest ist der Weihnachtsmarkt und dann kommt Silvester. Da bleibt dem Gedächtnis kaum was übrig. In diese Zeit werden gern die Wahlen gelegt und noch viel wichtiger die Verhandlungen für unseren Koalitionsvertrag. Mit 3,4 Volt Spannung auf der kognitiven Zentrale liest sich so ein Koalitionsvertrag etwas zäh.

Wie jeder Deutsche habe ich mir diesen Erguss angesehen und mich bei der Ansprache der Kanzlerin gewundert. Sie hat es nicht sehr deutlich differenziert, aber sie sagte sinngemäß, dass sie selbst sich vornimmt, um Familien zu kümmern um die Bildung und um Frieden und Sicherheit in der Welt. Wir waren schon beim "Vorglühen", daher dachte ich erst, ich habe mich verhört. War aber nicht so. Sie sagt etwas, wovon sie genau weiß, dass im neuen Koalitionsvertrag exakt das Gegenteil steht. Dabei spricht sie mit einer Stimme als säße sie inmitten einer Gruppe von ganz vielen Ratzingers.

Und dann?

Wenn wir ehrlich sind, können wir es immer kaum erwarten, dass so ein Jahr vorbei ist. Endlich muss ich mich nicht mehr mit dem Scheiß von gestern und vorgestern befassen. Jetzt beginnt etwas Neues. Wir zünden eine selbstgekaufte Blendgranate nach der anderen und können nichts mehr sehen, hören und fühlen. Die anerkannten Zeitschriften helfen uns für das kommende Jahr etwas auf die Sprünge und erläutern uns, "was im kommenden Jahr wichtig wird". Wie dumm wäre eine Regierung, wenn sie uns schon im Vorfeld als Bürger darüber informieren würde, was wichtig ist? Sie wäre so dumm wie wir. Weil wir es glauben!

Wie jeder Mensch will ich immer, dass sich die Dinge zum Guten verändern. Die Kanzlerin hat es nicht so einfach auf den Punkt gebracht, aber sie sagte sinngemäß, dass der Fortschritt zu erkennen ist, den Deutschland macht und dass wir alle nun mit anpacken müssen. Das Wort Fortschritt wird auf einmal ganz mini klein, wenn man sich nur ein einziges mal über die Unendlichkeit von Zeit einen Gedanken macht. Die Zeit verläuft in beide Richtungen unendlich. Sowohl in die Zukunft, als auch in die Vergangenheit. Das bedeutet, es hat nie einen Anfang gegeben. Und es wird auch nie ein Ende geben. Ich muss richtig lachen, wie absurd das eigentlich ist, einen kaum existenten Abschnitt von ein paar tausend Jahren zu beschriften.

Na und dann?

Werden wir merken, dass wir genau die Veränderung sind, die wir uns wünschen. Genau wie Ghandi es sagte. Aber wir sind in Raum und Zeit gefangen. Mit anderen Worten, es pendeln Millionen von Menschen zwischen Arbeits- und Schlafraum und fahren nebenbei durch einen Zeitabschnitt auf Schienen.

Wie jeder Mensch bin ich glücklich, wenn ich frei entscheiden, einfach leben, kompliziert denken und leidenschaftlich lieben kann. Mehr will in meisten Fällen niemand. Die Kanzlerin hat dazu gar nichts gesagt. Ich war dann auch froh, dass das vorbei war. Ich bin generell froh, dass jetzt alles vorbei ist.

Nur gibt es eben dieses eine Problem. Es gibt kein Ende.

Mit anderen Worten: Raus hier!





Samstag, 21. September 2013

Post aus Paris

Liebe Frau Merkel,

sind sie auch so aufgeregt? [...] Es ist ja nicht zum aushalten. Noch ein mal schlafen. [...] Also ich hätte Durchfall, das weiß ich. Sie können doch niemals schlafen, wenn man plötzlich das Gefühl hat, das Volk hat etwas in der Hand. Jetzt werden in den Wahlprognosen schon die Balken verbogen. (leicht dispropotional) Wenn Sie von mir einen Tipp haben wollen: Bei Durchfall immer Ballaststoffe. Viel Obst und Gemüse, möglichst Vollkorn. Schafft es die AFD über die 5%, oder die Grünen und die Linken vielleicht über 10, sieht es aber dunkel aus in der Tigerenten Koalition. Wie es Dir wohl geht? [...] Ich darf doch Du sagen? Wenn es einem so richtig dreckig geht, sind wir Menschen eins. Unsere Organe ziehen sich in der Körpermitte zusammen und man weiß plötzlich, was es bedeutet, wenn Oma immer sagte: "Das geht mir an die Nieren". Ich bin sicher, du weißt genau, was ich meine. 

Telefonierst du morgen nochmal mit Phillip? Eigentlich kannst du doch gar nicht schlafen. Was sagt ihr denn im Fernsehern später, wenn es die FDP nicht über 5% schafft? Meine Fresse, da seid ihr aber kreidebleich. Sag der Dame in der Maske, die soll ordentlich was drauf hauen. Wie sonst auch. Etwas zwischen Aprikose und Pfirsich, schön matt.

Hin oder Her, ich will dich mal was fragen, wenn wir schon so beisammen sitzen. Womit haben sie dich erpresst, dass du 8 Jahre all diesen Mist durchmerkeln konntest? Wie du das hingekriegt hast, dass wir mit Steuergeldern Bankenkredite zurückzahlen? Oder dass neuerdings alle Steuerdaten jedes Weltmenschen in einer Datenbank erfasst und jedem Staat frei zugänglich gemacht wurden? Wahnsinn. Ist das nicht eigentlich alles super krass viel, was man sich da merken muss?

Sag mal ehrlich, was hast du krasses verbrochen, dass du für so viele Verbrecher solche Taten verschleiert, durchgeboxt, vertagt, ausgesessen und weggelächelt hast? [...] Du wirst es mir wahrscheinlich nicht verraten. Aber du weißt, dass sie dich fertig machen, wenn es aus ist. Frag mal Gerhard Schröder. Oder Guttenberg oder Wulff oder oder oder. Dein Fell will ich haben. Mein lieber Scholli.

Frollein, wir wissen, dass du nur eine Puppe bist. [...] Sie haben dich schick angezogen und dir Magneten an die Finger gemacht! Aber warum hast du so selten was gesagt? Muss man das nicht als Schauspieler? Dein Mund ging wohl nicht? Hast du auf anderem Wege mit uns kommuniziert? Hätten wir dich besser beobachten sollen? Waren deine unrhythmischen Klatschanfälle bei der WM vielleicht ein Code? Ich hab so viele Fragen und ich weiß, ich kriege keine Antwort.

Vielleicht hast du ja nach der Wahl mal Zeit, zurückzuschreiben. Wenn das bis dahin mit dem Durchfall nicht besser ist, würd ich sagen, lässt du das mit dem Oktoberfest besser weg. Mit dem Seehofer einen zu saufen, nachdem der zum Bayrischen Kaiser gekürt wurde ist sowieso keine gute Idee.

Hier in Paris sind sie auch gespannt. Allerdings musste ich denen erst erklären, dass du sicher Bauchschmerzen hast. Soll dir gute Besserung wünschen und Grüße ausrichten.

Scheiß dich mal aus. Liebe Grüße aus Paris.

PS.: Als Motiv habe ich die Bastille ausgesucht, um dich ein bisschen aufzumuntern. Als früher das Volk wirklich noch was in die Hand genommen hat, wärst du auf einer Mistgabel geendet. Da hat sich doch wohl eine Menge getan oder? Also kein Grund traurig zu sein. Stell dir mal vor, heute würde von Ludwig dem 14. in den Geschichtsbüchern stehen, dass er eine Woche Scheißerei hatte und danach den Rest seines Lebens Urlaub hatte. Pass auf dich auf und halt die Ohren steif.

Montag, 29. April 2013

Hier ist Wahlkampf


Wer ist Uli Hoeneß?
Warum hat der so viel Geld?
Woher kennt der die ganzen Politiker aus Bayern so gut?
Wieso übergibt ihm die Guttenberg einen Bambi?
Was grinst die Merkel so komisch?
Wer ist die Kirsche in dem grünen Kleid?
Die Alte vom Markwort?
Ist das nicht der vom Focus?
Moment mal!!!
Focus?
Hat nicht der Focus die Geschichte von Uli's Nettoparty veröffentlicht?
Ist das nicht ganz und gar illegal?
Das macht der mit einem Freund? Sich bei der Anzeige gegen ihn selbst strafbar machen?
Das ist ja krass..
Kann man das glauben?
Vor allem der Focus.. Das ist der Titel vom 06. April.


FC Supermacht?
Heijeijeijei, jetzt wird es drastisch.
"Geheimnisse und Strategien des bald reichsten Fußballclubs der Welt.."
Ich geh kaputt.
Ist dann wohl einiges an Strategie daneben gegangen?
Uli ist auf Kaution draußen.
Oder war das geplant?
Die sind doch nicht völlig matschig alle?
Per Steinbrück macht ordentlich Stimmung derzeit und Thomas Gottschalk springt in die Bresche!
Gestern erst bei Günther Jauch.
Hier ist Wahlkampf.
Der ist immer mitten im Getöse.
Champions League, Mario Götze, Pep Guardiola und Bundestagswahl.
Und Uli hält seinen roten Kopf hin.
Wie kommt die Information der Selbstanzeige zum Herrn Markwort?
Warum scheißt er Uli Hoeneß an die Karre?
Steuer CD? Uli's Name? Woher weiß man das denn?
Ist der FC Bayern nicht ein Aktienunternehmen?
Also ich hab das Gefühl, hier ist einiges zu klären.

Leider nur nicht in der deutschen Presse. Schade.

Montag, 11. Februar 2013

Transferkracher- Papst wechselt in den Islam


Das ist mal wirklich ein Hammer. Papst Benedikt XVI wechselt mit sofortiger Wirkung in den Islam. So haben sich heute Vertreter von Vatikan und هسمشة in Doha getroffen um den Wechsel perfekt zu machen. Um neunzehn Uhr wurde er vor Pressevertretern der ganzen Welt vorgestellt. 

Benedikt, der von seinen Mitspielern "Ratze" gerufen wird, soll den leicht angeschlagenen Islam mit seiner Präsenz und Persönlichkeit verstärken. "Es zeichnen ihn einfach viele Fähigkeiten aus, die ihn für uns interessant machten. Er hat schon als Flackhelfer gearbeitet und kennt sich mit jeder Art von Spielmanipulation aus. Das sind alles Dinge, die haben uns gefehlt. Einen wie Ratze an unserer Seite und das mit Syrien wäre ganz anders gelaufen. Jetzt ist er ja da.", sagte ein Vertreter des Islam gegenüber Vatikan-Online. Über weitere Transfermodalitäten wurde Stillschweigen vereinbart. Es wird aber aus Insiderkreisen eine Transfersumme von unglaublichen 6,7 Milliarden DM kolportiert. Ein Skandal, wie es aus den anderen Ligen heißt. "Financial Fairplay, Financial Fairplay, ich hör immer Financial Fairplay" sagte beispielsweise Silvio Berlusconi, der von dem Transfer gar nicht angetan war. "Die machen uns den Markt kaputt, das kann so nicht weitergehen. Ehrliche Leute, haben in diesem Geschäft keine Chance mehr. Es treibt mich zur Weißglut!" 

Durch die Tatsache, dass die Saison in Qatar erst in einigen Wochen beginnt, war ein Wechsel trotz des geschlossenen Transferfensters möglich. Welche Position Benedikt zukünftig übernehmen soll, ist bisher noch unklar. "Schnell war er nie, reden kann er auch nicht, man fragt sich sogar, ob er überhaupt wach ist. Aber wir haben ihn. Das ist erstmal wichtig." Derweil freut sich Benedikt, dass er nicht wieder ganz unten anfangen muss bei seinem neuen Verein und schon mit einem bekannten Namen seinen Dienst antritt: "Die Vorstellung, jede Woche irgendeinem in der Hierarchie über mir einen blasen zu müssen, hätte ich nicht akzeptiert. Den Job müssen die jungen machen. Aber ich hab auch gemerkt, das ist hier völlig anders. Toll eigentlich", sagte Benedikt noch am Flughafen in Rom.

Auf die Frage, was ihn dazu trieb, so kurz vor seinem Karriereende noch einen so großen Schritt zu tun sagte Benedikt nur: "Hmm?" Von seinem Pappamobil musste sich der Heilige Vater leider auch trennen. "Einfach schweineheiß, verfluchte Schweinescheiße."

Mittwoch, 7. November 2012

I am the Wall Street Joker

Liebe Mitbürger,

heute stehe ich nun zum zweiten mal hier vor Ihnen.  Es ist mir eine große Ehre- die allergrößte! (laaaaange Pause, Applaus abwarten) Genau wie vor vier Jahren habe ich einen beinharten Wahlkampf erlebt. Mein republikanischer Gegner ist ein großer Mann. Anders als sein Vorgänger, der kleine Purzel McCain. Vielen Dank, dass wir so einen fairen Wahlkampf gefochten haben. Vielen Dank an alle, die mich unterstützt haben. [...]

Jetzt möchte ich mich aber direkt an Sie (beidhändige Geste von innen nach außen) wenden, liebe Freunde und Mitbürger. Liebe Junkies und psychisch Kranke. Liebe Unterdrückte und Ausgequetschte. [...] Wir haben es geschafft. Ihr- weil ihr so blind wart- habt mich wieder in dieses Amt gewählt. Ihr habt es geschafft. (schulterklopfen) Ihr tut das, weil ihr glaubt, dass Ich derjenige sein kann, der euch befreit von Tyrannei, Unterdrückung und Kriegen. (Durchatmen!) Heute bin ich aber hier, um damit aufzuräumen. Euch zu sagen, was hier (energisches Pochen mit dem Zeigefinger auf das Pult) in Wahrheit um euch herum passiert, welcher Gruppe von Verbrechern wir ausgeliefert sind. Was die wirklich vor haben. Und was ich leisten soll.

Mir selbst geht es sehr schlecht. (Pause, das Publikum sich beruhigen lassen) Manchmal frag ich mich, ob ich ein Mensch oder ein Computer bin. Ich bin ein Avatar der Reichen. Von meinen Lügen bin ich Abends vor dem Fernseher selbst so erschrocken, dass ich Michelle immer bitte mir in meine Hand zu beißen. (vormachen, Barack) Sie macht das großartig, manche von euch kennen das vielleicht. [...] Ich habe Angst um mein persönliches Erbe. Ich möchte nicht als der Verräter Afrikas in die Geschichte eingehen. Ich habe Angst.

Folgendes ist zum Verständnis sehr wichtig. (Pause) Hören Sie genau hin und machen Sie sich ihre eigenen Gedanken. An ALLEN Kriegen der letzten 200 Jahre war ein einziges Kartell an Banken beteiligt. Dieselben Geldgeber, die Mao, Stalin, Hitler, Mussolini, oder sogar Napoleon unterstützt haben, unterstützen jetzt mich. Jeder einzelne dieser Versuche, die Welt an sich zu reißen zielte auf einen Tag hin. Auf heute. Auf mich. Ich soll es zu Ende bringen. Und ich zerbreche unter dieser Last. Bitte glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass ich nicht immer so war. (Griff ans Herz)

Um Ihnen ein Bild von der Wahrheit zu vermitteln will ich Ihnen heute nur drei Fakten erzählen und sie entscheiden dann selbst, was sie daraus machen. Es ist wie in der Matrix als Morpheus Neo fragt, ob er die rote oder die blaue Pille schlucken möchte. Entscheiden Sie sich dafür, mir zuzuhören, gibt es kein zurück. [...]

Erstens: Die Banken regieren die Welt. (Gelächter abwarten, selbst mitlachen, Beruhighungsgesten, ZEIGEFINGER heben) Es klingt so lustig, wenn man es so sagt. Jeder von Ihnen wird sich denken: "Ja vielen Dank Barack, gut dass wir gekommen sind. Erzähl uns doch mal was Neues." Aber liebe Freunde, es ist völlig anders, als ihr es euch vorstellen könnt.

[...] Wenn sie bei einem Privatmann Schulden aufnehmen und selbst irgendwann merken, sie können sie nicht weiter bezahlen, kann der Privatmann von Ihnen beispielsweise verlangen, irgendetwas zu verpfänden. Sagen wir mal: Ihr Haus. Und jetzt stellen Sie sich vor, dass unser Bankensystem (Die FED bzw. EZB inkl. ESM) die unkontrollierte und unendliche Macht hat, Geld zu drucken. Das bedeutet, auch die unendliche Macht, Kredite zu vergeben. Banken haben schon immer am liebsten Kredite an die Menschen vergeben (die waren auch immer die Anfälligsten), die selbst schwach waren und keine Perspektiven sehen konnten. Dieses System funktioniert auf diese Weise seit mehr als 300 Jahren und wurde im "Federal Reserve Act" 1913 erst so richtig perfektioniert. Eine Bank, die unendlich Geld hat und es vergibt. An dieser Stelle vielen Dank an die Europäer,(guck so zynisch es nur geht) die dasselbe System vor einigen Monaten eingeführt haben. Bis auf Putin, den alten Halunken, haben sich alle blenden lassen. Er hat sich der Oligarchen entledigt. Eben auf die russische Art. (Verschmitztes Grinsen) 

Nur ein Beispiel: Haben sie schon einmal von Muammar al Gaddafi gehört? Diesem libyschen Verbrecher? (Anführungzeichen) Über Jahre hat er gemacht, was wir wollten. Dann konnte er seine Schulden nicht bezahlen. Den Rest kennt ihr. Wir mussten ihn platt machen. Die Wall Street hat von uns verlangt, ihn platt zu machen. Vor der Kamera. Wir machen alles vor der Kamera. Die Nummer läuft immer über die Verleumdung. Wir behaupten einfach. Massenvernichtungswaffen, Terror, Atombomben... Hussein, Gaddafi, Ahmadinedschad. Die drei Kerle, die ihr Öl nicht mehr in Dollar an der Börse rechnen wollten. Weitere spreche ich vor Scham nicht mehr an. (Blick nach unten, tiefer Atemzug, Griff an die Nase)

Zweitens: Unser Planet wird nicht verglühen. Wir nutzen es, um euch Steuern aufzuerlegen. Und dass die Erde sich erwärmt, liegt nicht an unseren Autos oder Abgasen oder Treibhausgasen oder Rindern in China oder dem FCKW-Kühlschrank deiner Mutter. (Zeigen auf einen konkreten Menschen) Die einzige Erklärung sind Sonnenflecken-Aktivitäten, die es auf unserer Erde gibt, seit es unsere Erde gibt.  Und das ist kein Witz. Allein seitdem unsere Wetterdaten aufgezeichnet werden, gab es die verrücktesten Schwankungen in beiderlei Richtungen. (Richtungen anzeigen hoch und runter) Das hat zu kleinen Eiszeiten geführt, aber auch dazu, dass im Mittelalter sogar Südfrüchte in den nördlichsten Regionen der Welt gefunden worden. Der Mythos, dass unsere Pole schmelzen und wir alle sterben werden ist die genialste Idee, die unsere Chefstrategen jemals hatten. Denn das Ding zieht bei euch. Ihr wollt euren Kindern gegenüber nicht Schuld sein, stimmt's? (Zwinkern, Blick einer jungen Mutter suchen) Dabei ist das nur der ganz normale Verlauf unseres Planeten. Und den gibt es schon seit- Ich weiß wirklich nicht wieviel- Millionen Jahren. (Nach vorn abwinken)

Die Rettung der Welt, wird der Deckmantel sein, unter dem diese Verbrecher versuchen, euch jegliche Souveränität zu rauben. Und jeder, der sich dagegenstellt, wird denunziert. Dazu haben wir ein wunderbares mediales System erschaffen, zu dem ich in meinem letzten Punkt noch etwas sagen will.

Drittens: Sie haben euch im Sack, Freunde. (Aufgerissene Augen) Sie, wir, ich, google, facebook, VISA, NBC, CNN... sie haben dich im Sack! (Zeige auf jungen Kerl) Der eine Teil der Medien findet alles über dich heraus, und der andere Teil setzt es gegen dich ein. Und alles vermischt sich immer mehr. Halt deinen Kopf nur ein einziges mal ins Internet und sie schlagen dir mit meinem schwarzen Gesicht in dein schwarzes Gesicht. (Schwarzes Gesicht suchen, drauf zeigen, mitleidig gucken) Ihr glaubt mir, weil ihr denkt, ich sei einer von euch. Ich wär's gern. Aber sie lassen mich nicht, denn sie haben mich auserwählt. Sie zeigen euch einen peinlichen Kampf zwischen mir und Mitt. (kurz Pause, energisch wieder rein) Mitt Romney ist ein ehrenwerter Mann. Und wir schätzen uns. Aber dieses Wahlkampf-Getöse muss sein für euch. Ihr wollt es nicht anders. Ihr habt euren Verstand verloren.

Ich bin auf der falschen Seite. Bitte holt mich zu euch. Ich liebe Amerika. Gott schütze Amerika. (improvisieren)

Dienstag, 2. Oktober 2012

Virtuelle Strategie, reales Desaster.


Dirk Bach ist tot. Krass. Gerade les ich’s. Genaues kann man wohl noch nicht sagen, aber man hat mir versprochen, dass ich im Laufe des Abends noch weiter informiert werde.  Oh Mann, krasse Nachricht. Ob die jetzt den Dschungel schließen? Das wäre übrigens eine Idee. Den Dschungel dort mal 5 Jahre brach legen und dann nach der Zeit nur mit Kameras ein weiteres mal produzieren. Vielleicht mit Til Schweiger und Frau Dr. Silvana Koch-Mehrin.  War der eigentlich schwul Dirk Bach? War doch so? Und was hatte der immer für fetzige Klamotten an! Tot schick. Ich bin bei seiner Familie. Das muss ich wirklich sagen. Das geht jedem so, der es in irgendeiner Form schon mal erlebt hat. Und was dürfen die jetzt lesen in den nächsten 3 Wochen! Wahnsinn. Wenn man sich das mal an seiner eigenen Person vorstellt, will man lieber nicht mehr bei DSDS gewinnen. Die Scheiße kommt auf jeden von denen zu. (…) Hier geht es um Durst. Ganz klar. Die Fragen, die sich bei einem Großteil der Menschen auftun, müssen geklärt werden. Schnellstmöglich, immer abrufbar und am besten schön bunt. Das passt übrigens super in die Zeit jetzt. Gestern lauteten die Schlagzeilen noch: "Schmähvideo Dingens" und "Straßenschlachten in Griechenland, Spanien und Portugal" Dirk Bach bringt uns ein bisschen Farbe ins Spiel mit seinen Hüten und seiner dicken Plauze. Woran ist er nun gestorben? Verstopfte Arterie? Ist ja zu Hause passiert. Wir werden es sehen, vielleicht wissen wir ja am Schluss mehr.

Um den Dicki (erste Schlagzeile) soll es hier aber heute nicht gehen. Der passt mir nicht ins Bild.. Die Geschichte von Dirk Bach ist nur ein perfektes Beispiel für die Art und Weise, wie unsere Gedanken und damit auch unsere Medien funktionieren. Mir wurde mal ein Linguist namens Noam Chomsky nahegelegt, der versucht hat in 10 Punkten zu erklären, wie es möglich ist, eine Gesellschaft nur durch die Medien gedanklich steuerbar zu machen. Sehr aufschlussreich, kann ich euch verraten. (...) Wenn ich beispielsweise einer wäre, der vor hat die Weltherrschaft an sich zu reißen, wie man immer so neckisch sagt... Chomsky würde  mir raten, dass ich zu jeglicher Zeit die Aufmerksamkeit der Leute umkehren muss, indem ich sie besonders in Schwierigen Zeiten mit völlig unwichtigen, aber in der Darstellung entscheidenden Themen und Debatten beliefere. "Dirk Bach ist tot." Die Schlagzeile haut dir regelrecht eins in die Fresse. Es ist als würde Dirk Bach persönlich zuschlagen. Mit seinen (wie viel ungefähr?) kg. Wir, und ich sage mit Absicht wir, weil ich selbst Opfer dieser Nummer bin, haben die nächsten Tage damit zu tun, uns darüber zu informieren, was denn nun genau passiert ist in der Wohnung von Dirk Bach. "Ob der die eigentlich schön eingerichtet hat?" - "Na klar.., hat die Zietlow nicht mal SchönerWohnen gemacht? Da kennen die sich doch." - "Ach nee, das war die andere Dicke." - "Woran isser nun gestorben, was meinste?" - "Irgendwas krasses ist es bestimmt. Der war erst 51."
Bereitet euch vor, kann ich euch sagen. Spätestens bis Bettina Wulff ihr nächstes Buch geschrieben hat, ist erstmal der kleine dran. Und warum? Weil es irgendwie wichtig erscheint. Keine Ahnung, wie es euch geht. Aber mir erscheint die Meldung, dass Russland wiederholt davor warnt seine strategischen Atomwaffen an die Südgrenze des  Landes zu verlegen, wenn die USA weiterhin den Krieg gegen "Ahmadinedschad und seine 40 Räuber forcieren", weitaus entscheidender. Und entschuldigung, an dieser Stelle lässt sich leider nicht streiten.

"Erzeuge ein Problem und liefere die Lösung", (neuer Weltherrscher will ich noch anfügen.) Wie stoßen wir eigentlich auf unsere Probleme?`Rein durch die Information. Die uns wer nochmal liefert? Das heißt ich lese morgens etwas oder höre oder sehe etwas und damit geh ich dann zur Arbeit. Und das was am größten gedruckt ist und vielleicht noch schön BUNT bleibt mir logischerweise am präsentesten. Ich hätte gar nicht gewusst, dass wir mit Salafisten so ein großes Problem haben. Jetzt haben wir eins. Und was für eins. Gar nicht anfangen will ich mit dem Thüringer Terror Trio und Uwe Mundlos. Wir haben die Lösung!!! Wir brauchen eine !!!Rechtsextremismus und eine Antiterrordatei!!!, die ziemlich schwammig formuliert dazu beitragen, jeden einzelnen komplett zu katalogisieren und auszuspionieren. Erich Mielke wäre vor Schreck tot umgefallen, wenn man ihm das gezeigt hätte. Vor allem so schön einfach. Mit dem iPhone!!!  Hahaha, und diese Dussel campieren drei Tage vor Verkaufsstart vor dem Appel-Laden. Die holen sich wie auf Pille ihre Wanze selber ab und packen auch noch Siebenhundert Euro hin. Wie geil ist das denn eigentlich? Als nächsten Punkt sollte man sich als kommender Weltherrscher darauf einstellen, krasse politische Veränderungen zeitlich abzustufen. Das ist wie mit dem Frosch und dem heißen Wasser. Kennt ihr das Bild? Setzt man einen Frosch in einen Topf mit bereits über 70° C warmen Wasser, würde er sofort wieder hinaus springen. Das wäre ihm zu heiß. Setzt man ihn aber in 25°C warmes Wasser und stellt ihn auf die Herdplatte Stufe 2 stirbt er, weil das Eiweiß irgendwann in seinem Körper stockt, wie sonst in einem Ei. Wenn man sich anschaut, was sich seit dem 11. September im Bereich Sicherheit alles geändert, verändert und auf fast verbrecherische Art und Weise ins Grundgesetzt geschummelt hat, wird einem wirklich schlecht. Für uns ist es nicht spürbar, weil wir in dem bekloppten Pott sitzen und nicht merken, wie das Wasser heißer wird. (D.F. Wallace "Das ist Wasser") Sehen unsere Enkel das in 40 Jahren mal in einer schönen Tabelle zusammengefasst, zeigen sie uns denselben Vogel, wie wir unseren Großeltern. Die Aufschubnummer läuft auch noch an anderer Stelle sensationell. Passt auf, das ist genial: Wenn die Verantwortlichen für das kommende Jahr 400 000 neue Arbeitslose erwarten, knallen sie uns in der Öffentlichkeit entgegen, dass wir mit 800 000 zu rechnen haben. Am Ende des Jahres (und in der Zwischenzeit gab es einen Tsunami und zwei neue Weltrekorde bei Schlag den Raab) heißt es dann: "Wir gottgewollten aus der Koalition haben es mit unserer Kraft und Entschlossenheit dazu gebracht, dass wir doch nur 400 000 Arbeitslose mehr verkraften müssen." Es ist möglich, selbst die krassesten Nachrichten und Meldungen als Erfolg zu verkaufen. Und zwar indem man mit der Masse der Menschen spricht, wie mit einem kleinen Kind. "Schuldenbremse, Rettungschirm, Abwrackprämie,  Anker usw..." Das sind Begriffe, die auch kleinen Kindern erklären könnten, was hier passieren soll. "Wir stürzen ab, es geht bergab. Immer schneller, wir brauchen einen Fallschirm. Genau einen Fallschirm der mich rettet." Dabei ist der Rettungsschirm nichts anderes, als die Erlaubnis der Bundesregierung, EUCH Geld zu nehmen und es zur Rettung der Banken zu benutzen. Schreibt man das so in eine Zeitung, wird das Blatt als Rechts- bzw. Linksradikal eingestuft. Fertig ist die Laube. Wir werden von Kindesbeinen daran gewöhnt, an einer Kommunikation teilzunehmen, die nicht mal ganze Sätze benutzt um uns etwas mitzuteilen. Oder gibt es wirklich einen Gedankenaustausch bei den TeleTubbies? 

Konzentriere dich auf Emotionen, nicht auf Reflexionen. Meine Lieblings Strategie. Jeder weiß eigentlich sofort, was ich meine. Das Bildmaterial bei allen Medienberichterstattungen über welchen Vorfall auch immer, beschränkt sich ausschließlich auf emotionale Bilder. Die Fragen, die in deinem Kopf entstehen sollen sind: Wie geht es diesem Kind wohl, das halbnackt und verhungert dort im Straßengraben liegt. Wo ist seine Mama? Warum hilft ihm verdammt nochmal niemand? Stattdessen sind doch viel mehr die Fragen interessant: Wer führt hier Krieg gegen wen und warum überhaupt da mitten in der Wüste? (...) Jeder weiß, ob Günther Gras jetzt ein Antisemit ist, aber nicht was er mit seinem Gedicht meinte. Wir werden an unsere Ur-Angst vor Antisemitismus erinnert und blenden alles weitere aus. Angst ist einfach die Emotion die am meisten zieht. Neben der Euphorie. Schaut euch bloß mal an, was während dieser EM alles entschieden worden ist, oder als Usain Bolt schonwieder Gold holt. Da zieht das Parlament die nötige Anzahl an Nichtfußballfans, entschuldigung Abgeordneten, zusammen um zu entscheiden, dass unsere Kommunen von nun an berechtigt sind mit unseren Meldedaten gewerblichen Handel zu betreiben. Onkel Christoph kriegt also bald Post von Wiskas, weil die am meisten geboten haben. Die Abstimmung hat keine 2 Minuten gedauert. Als Balotelli das Ding in den Giebel zimmert, waren alle schonwieder bei den anderen zum Trösten. Kam leider raus, die Scheiße. Na ja, wird jetzt beobachtet, einer Prüfung unterzogen und wenn Advent ist, wir alle Glühwein saufen, zwischen DSDS Finale und Bettina Wullfs (wie hieß nochmal ihr Mann?) Rotlichtvergangenheit wird es dann heißen: "Überarbeitetes Gesetz beschlossen, Verantwortlicher zurückgetreten" Alles gut. Gesetz bleibt unter Auflagen genauso bestehen. Ändert sich gar nichts. Äääätsch! Angela Merkel war übrigens nicht im Stadion. Sonst kichert sie ja immer so schön. Wir finden sie süß, in ihrem Tele Tubby Kostüm. (Schreibt man das eigentlich so? Ich google es lieber nicht, sonst seh ich dauernd die Werbung bei Amazon am Rand.) Der Tele Tubby kauft gerade Drohnen für die Polizei und hat die Haushaltshoheit Deutschlands an den ESM abgegeben. Traut man denen gar nicht zu.

Um weiterhin die Ignoranz der Masse an solchen krassen Entscheidungen zu wahren, muss man dafür sorgen, dass niemand versteht, was wirklich abgeht. Selbst wenn man versucht, sich zu informieren. Plötzlich keine großen Bilder und einfachen Überschriften mehr, sondern tiefe Texte mit Abkürzungen, dass man immerzu würgen muss. EFSF, ESM, Olé Olé... Vergesst es. Die Bildung ist normalerweise der Schlüssel. Aber den hat der Tele Tubby verschluckt.

Für diejenigen, die sich dann die Arbeit machen hat unsere perfekt organisierte Medien Mafia (Noam Chomsky) eine ganz einfache Strategie für unseren Weltherrscher: Wandle das Gefühl des inneren Widerstandes in das Gefühl schlechten Gewissens um. Grandios wirklich. All diejenigen, die anfangen kritische Fragen zu stellen oder bei denen sich einfach nur tief im inneren das Gefühl einstellt, dass irgendwas nicht stimmt in dem System, bekommen ein Label aufgedrückt von dem Kaliber: Rechtsradikal, Linksradikal, auf Droge, Antisemit, Verschwörungstheoretiker, Spinner, Terror-RegimeChef-Stellvertreter-zweiten Grades oder was den schlecht bezahlten Redakteuren auch immer einfällt. Ausgrenzung, niemand hört mehr zu. Man will mit dem nicht gesehen werden, "womöglich zählt man mich dann zu den Salafisten?" Von denen gibt es in Deutschland übrigens 5 000. Wenn es nötig sein sollte, brauchen sie nur die Jungs zu schicken, die sonst immer in deiner kleinen Heimatstadt zum Fußball kommen, um aufzupassen. Robocop und seine Freunde. In die Allianz Arena passen 69 000 Zuschauer! Wir brauchen keine Drohnen. Vergleicht einfach mal eine Minute intensiv die Zahlen. Wenn ich Pech habe bin ich jetzt ein Spinner und niemand will sich mehr mit mir sehen lassen. 

Als letzten Punkt, und es sind nun mal zehn ich kann nichts dafür dass das hier so lang wird, schlägt uns unser neuer Freund der Linguist Chomsky vor: Entfache in der Bevölkerung das Gefühl, durchschnittlich zu sein! Du lieber Hans, Tobi, Hakim kannst nichts erreichen. Julia, Hanna und Christiane sowieso nicht. Ihr braucht eine Frauenquote. Damit das mal klar ist. Weil ihr zu blöd seid, es anders hinzukriegen. Wenn du heute was verändern willst, musst du Batman sein. Das wird uns suggeriert. Ohne Multimillionen und ohne ein Monstermobil kommst du gegen die Staatsmacht nicht an. Wir sind aber weit weg von Batman. Die meisten Familien in Deutschland können sich nicht mal mehr das Ticket für den Kinofilm leisten für: Fina Valentin, Sharon Pascal, Amy Mariella Francis und Angelina Jolie. Rumms, 80 Euro weg. Ich habe mich übrigens verzählt, dabei habe ich mir vorgenommen, nicht so viele Zahlen zu benutzen. Jetzt kommt erst der letzte und entscheidende Punkt und im Prinzip ist dieser Grundlage für alle vorherigen.

Sorge dafür, dass du die Menschen besser kennst, als sie es selbst tun.

Ideengeber für solche Strategien sind zum Beispiel Linguistiker, die Gundula Gause und Klaus Kleber von Thüringer Terror Trio berichten lassen. Mittlerweile sind wir bei den Happy Hippos. Unfassbar eigentlich. Psychologen, Soziologen, Wirtschaftswissenschaftler und und und liefern das nötige Know How um uns so weit zu bringen, dass wir unter jeder Jacke eines dunkelharigen mit "Mulukken-Fresse" einen Sprengstoffgürtel vermuten. Wie lernt man uns eigentlich kennen? Früher war IM Octopus für dich verantwortlich oder Gauleiter von Guttenberg. Heute macht das ein kleiner Kerl mit Lockenkopf, der auch noch Zuckerberg heißt. Obwohl, nicht er macht das. Wir machen das selbst!!! Und Zuckerberg taucht in der Forbes-Liste auf und wird grandios verfilmt. IM Octopus fährt heute Taxi.

Von Dirk Bach übrigens kann ich euch 3 Stunden später nichts neues erzählen. Bisher kann man nur Videos und Fotos von ihm angucken. Und einen Nachruf von Arno Frank habe ich gefunden. "Und dann kommt der Tod". Au weia. Der Nachruf beginnt mit der lange vergessenen zynischen Frage eines Bildredakteurs, wo er wenn denn am liebsten platzen würde? Vor der Kamera oder auf einer Bühne? Oh mein Gott. Denkt mal an die Familie. Was wenn er wirklich geplatzt ist?

Ich bin sicher, wir werden es erfahren.


Dienstag, 21. Februar 2012

Rat-Schläger

Hinweise für einen Rat-Schläger

Entscheidend ist der Einstieg. Willst du jemandem einen Rat geben, sorge auch dafür, dass er vom ersten Moment den Ernst der Lage kennt. Ein gut betontes "Oh mein Gott!" oder "Au weia." oder "Ach du Scheiße" bringt gleich von Beginn an die nötige Wichtigkeit an die Oberfläche.

Beginne mit der Kindheit des Gegenübers. Kläre ihn nochmals darüber auf, dass er schon als Kind so gewesen sei und es nur eine Frage der Zeit sein musste, bis es zur großen Katastrophe kommt. "Ich hab's gewusst, ich hab es immer gewusst." Es fühlt sich einfach besser an, wenn man gleich weiß, dass man schon als Kind so scheiße war. Und auch damals schon, konnten einen nur die Eltern daraus befreien.

Untermale das große Problem mit vielen tausend Geschichten aus deinem eigenen Leben. Er oder Sie will sich an dir orientieren. Er braucht dein Vorbild, um abzumalen. Dass der Mensch vollkommen anders ist, spielt an der Stelle keine Rolle. Dann muss er sich eben ändern. Steht ja sowieso an oder nicht?

Mache das Problem so groß es geht. Dann merkt er, dass du es gut meinst mit ihm. Erstmal muss klar sein, wie groß der zu bewegende Haufen ist, bis man daran scheitern kann. Und vor allem ergibt sich daraus der Wert deines Ratschlags. Je größer das Problem, desto größer die Anerkennung für deine Hilfe. Stell dir vor, das Problem lässt dich fix lösen. Was hast du dann davon?

Schau in die Zukunft und bereite deinen Gegenüber auf kommende Probleme vor. Zeige ihnen auf, was alles auf sie zukommen wird und welch unmenschliche Kraftanstrengung nötig ist, um sich davor zu bewahren. Es ist ohne dich nicht möglich klarzukommen. Er wird dich brauchen. Für immer. Sei da lieber gleich ehrlich, nicht dass es am Ende wieder heißt... Ihr wisst schon.

Körperliche Signale nach langen Monologen solltest du ignorieren. Die ganzen Wahrheiten treffen sie so ins Mark, dass sie auf dem Stuhl herumrutschen vor lauter Erkenntnissen. Das ist doch bekannt. Wenn man erkennt, wie Recht du hast, schaut doch jeder an die Decke und auf sein Telefon. Steht bestimmt irgendwo geschrieben. 

Übe mitleidige Gesten. Streichle. Zeige deine Anteilnahme, indem du Präsenz zeigst. Vor allem körperlich. Das Problem löst sich durch das wohlige Gefühl einer warmen Brust sehr häufig ganz allein auf. Gut ist immer Schmusemusik und ein warmes Zimmer mit wenig Licht. Da kommt eine selbstbefruchtende Atmosphäre auf, die man sonst nur aus Erzählungen kennt. Zeige Mitleid. Sage wie schlecht es dir auch geht. Kotze auf den Teppich vor Anteilnahme. Das überzeugt sie wieder von deiner guten Absicht. Iss viel vorher, damit es auch nach was aussieht. Schlimm sind angetäuschte Kotzkrämpfe mit Geräusch, die wirken nicht.

Schlage zu. Sei ein Rat-Schläger. Schlage so lange zu, bis der andere am Boden liegt und sich nur an dir wieder aufrichten kann. Denn dazu bist du ja da. Ein Fels in der Brandung. Gab es da nicht sogar mal eine Werbung? Da scheint also was dran zu sein. Schläge, Schläge, Schläge.

Hinweise für einen Rat-Geber

Zuhören, Beobachten, Mitdenken.

Klare Ansagen und keine Umschreibungen. Sage, was du denkst über das Problem. Motiviere. Hilf sie daran zu erinnern, wie oft sie sich nur durch ihre eigene Kraft aus Problemen gezogen haben. Zeige auf, dass sie nicht allein sind damit, aber dass sie sich nur allein helfen können. Auf keinen Fall weine mit.

Gib Optionen und höre ihre Meinung. Vor allem aber sorge für Optionen, zwischen denen man sich entscheiden kann.

Bring sie zum lachen, denke ihre Zukunft ins Positivste. Male Bilder, wie schön alles wird.

Schlag niemals zu, denn du bist irgendwann vielleicht nicht mehr da.



Sonntag, 12. Februar 2012

Eine kleine Zeitreise

(Es ist 2033 und mein Sohn kommt aus der Schule.)

"Papa, wir hatten heute in Geschichte das Thema der 3. Weltkrieg.

"Oh, schwere Kost. Und was hast du gelernt?

"Die erste Frage war. Wie konnte es dazu kommen? Du warst ja in der Anfangszeit dabei? Habt ihr das nicht gemerkt, worauf das hinauslaufen sollte?"

"Wir haben das nicht kommen sehen, nein."

"Aber wie kann das sein? Immerhin war durch das Internet doch für jeden jegliche Information zugänglich. Man konnte alles sehen, lesen oder sich anschauen. Unser Lehrer hat uns einige Seiten von damals gezeigt. Von Attac und Anonymous oder von der Wissensmanufaktur. Das war ja im 2. Weltkrieg noch völlig anders."

"Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Was meinst du denn genau?"

"Na also es war ja so: Wenn ich das richtig verstanden habe, hat alles angefangen mit einer Finanzkrise, weil habgierige Menschen den Hals nicht voll bekommen haben. Sowohl 1929, als auch 2008 bzw. 2011."

"Ja, das stimmt."

"Und darauf folgten ganz rigide Sparmaßnahmen, die das einfache Volk an den Rande der Armut brachten. Angefangen mit den Griechen 2011. Die waren ja als erstes dran."

"Genau, ich erinnere mich."

"Dann wurde 1933 durch Hitler der Bevölkerung Angst eingejagt vor den Juden, die den Reichstag angezündet haben sollen und so weiter. Dasselbe wie 2001 mit dem World Trade Center. Nur da waren es Moslems, nein man nannte sie "Islamisten".

"Hmm... ja, das kann man so sehen. Das ist schon parallel."

"Dann ging es weiter. Aus der strategisch geschürten Angst war es ein leichtes, die Bürgerrechte beinah komplett abzuschaffen. '33 oder 2011. Ist euch nicht aufgefallen, wie ihr irgendwann fast gar keine Rechte mehr hattet? Dass ihr nicht mehr frei wart? Die Überwachung der Gestapo war im Prinzip ein Witz gegen das, was im digitalen Zeitalter möglich war. Die wussten ja immer, wo ihr gerade seid. Sie konnten ja jedes Gespräch mithören und waren dadurch immer einen Schritt voraus."

"Es hieß, das hilft uns gegen Terror zu schützen. Wir mussten uns sogar nackt scannen lassen, wenn wir in ein Flugzeug gestiegen sind."

"Ist dir nie das Wort Gleichschaltung in den Sinn gekommen, als du dir angesehen hast, wie gleich die Medien darüber berichtet haben oder was in den Schulen gelehrt wurde? Du bist doch Lehrer geworden. Ist dir nicht aufgefallen, dass das der Inhalt der Lehrbücher nicht mit dem zusammenpasste, was wirklich passierte?

"Nein, ist es nicht."

"Die Nazis haben Bücher verbrannt. 2011 hat man das Internet zensiert. Kritische Autoren als Linksextremisten stigmatisiert."

"Stigmatisiert? Was lernst du denn für Wörter, verflucht?"

"Mach dich nicht lustig. Es ist mir sehr ernst."

"Entschuldigung. Aber sei nicht so frech."

"Es ist alles so unglaublich. Ihr hattet doch alles schon erlebt. Haben deine Großeltern darüber nicht geredet? Hattest du kein Geschichte? Hast du die Zeiten nicht verglichen? Die Spaltung der Gesellschaft, die Gleichschaltung durch eine Ideologie, ob an die Rasse angelehnt oder an die Zivilisierte Welt. Das ist ja völlig egal. Es gab dutzende Filme, Bücher und Leute die es regelrecht in die Welt geschrien haben"

"Heute ist mir alles klar. Oder zumindest klarer. Heute fällt mir auf, dass man uns mit dem Dschungelcamp und Germany's next Topmodel nur ablenken wollte von der Realität. Die Menschen dachten es sei alles OK. Wir haben den Regierungen vertraut."

"Vertraut? Wenn man dir verbietet, deine Meinung offen zu sagen? Wenn friedliche Demonstranten auf der Straße verprügelt werden? Wenn man Künstlern das Maul verbietet? Wenn man Menschen foltert in Guantanamo? Ganze Regionen ausbeutet und deren Despoten unterstützt? Bombenangriffe auf Länder mit Bodenschätzen fliegt? Wow. Da wart ihr entweder alle ziemlich blöd oder desinteressiert am Schicksal dieser Menschen."

"So einfach ist das nicht. Du machst es dir viel zu einfach. Was hätte ich allein denn tun sollen? Was hätten wir schon tun können?"

"Unser Lehrer hat gesagt, dass es unfassbar ist, dass gerade Deutschland so wenig dagegen unternommen hat. Immerhin hatten die zwei Unrechtssysteme erlebt in ihrer Geschichte. Habt ihr das alles vergessen?"

"Nein, nicht vergessen. Aber es war nicht so deutlich, wie heute! Damals dachte man die da Oben wüssten, was sie tun. Die Menschheit hatte ja für ihre Freiheit gekämpft. Wir erkannten nicht, dass es eine Illusion war."


"Wie?"

"Wir fühlten uns frei. Ich konnte tun und lassen, was ich wollte. Aber heute weiß ich, dass ich das Privileg hatte in Deutschland geboren zu sein. In ein erträgliches Umfeld. Wir hatten keine Slums. Und nur weil wir in der sogenannten Informationsgesellschaft gelebt haben, hat das nicht bedeutet, dass wir auch wirklich informiert wurden. Es war rückblickend viel leichter uns zu manipulieren, als wir es uns jemals hätten vorstellen können. Es hieß, wir verteilen Schultüten in Afghanistan. Heute weiß man ja, dass das nicht stimmte."


"Horst Köhler hieß doch der Präsident, der öffentlich sagte, was dort wirklich los ist. War das nicht verwunderlich, dass er einen Tag später aus sehr fragwürdigen Gründen zurücktrat?"

"Den hat niemand ernst genommen. Aber komisch war es schon. Nur kam ganz schnell wieder die Meldung über ein Erdbeben in Haiti. Sobald sowas rauskam, zeigte man uns Katastrophenbilder aus der Welt und alles konzentrierte sich darauf."

"Wenn du könntest und du in der Zeit zurück könntest, was würdest du anders machen?"

"Ich würde meine Meinung sagen, versuchen Leute zu überzeugen. Würde den Schwachen zur Seite stehen, mich für Arme einsetzen. Ich würde meinen Konsum reduzieren, den Medien nicht so blind vertrauen. Ich würde mir ein eigenes Bild machen, Moslems treffen. Ich würde lesen, zuhören, versuchen zu verstehen. Ich würde kritisch sein und nicht mehr so leichtgläubig. Ich würde mich von Menschen nicht mehr als Verschwörer bezeichnen lassen. Ich würde Nein sagen."

"Wenn du mir versprichst, dass du mich mit Mutti wieder zeugst. Dann kann ich dich zurückschicken ins Jahr 2012. Würde das reichen? Das war kurz vor den Angriffen auf Syrien und den Iran. Nur kurz vor den Terroranschlägen von Deutschland. Kurz vor der Solidarisierung der Nordafrikaner. Kurz vor der letzten Schlacht um Jerusalem. Das müsste reichen, um was zu verändern oder?"

"Du spinnst doch. Wie willst du das machen?"

"Gib mal deine Hände."

"Warte, was machst du? Oh, mein Gott. Was ist das denn für ein Ding?"


[...] Plötzlich ging alles ganz schnell. Ich hatte mir eine Zeitreise immer anders vorgestellt. Kein Tunnel in Neonfarben, keine Technomucke und keine wilde Abfahrt. Ich saß einfach wieder da, wo ich schon einmal saß. Auf meiner Couch zu Hause in meiner Studentenbude. Die Zukunft war gelöscht, ich wusste nicht mehr, wer meine Frau werden würde. Kacke, ich hatte meinem Sohn versprochen, ihn wieder zu zeugen. Das hat mich in den ersten Minuten am meisten beschäftigt. Ich hatte ich mich auch in der Zukunft nicht verändert. Ich saß vor dem TV und chattete mit einer Caro. Am Tag darauf war ein Sonntag und ich begann mir die Nachrichten anzusehen. Irgendwie mit anderen Augen. Es lösten sich so viele Widersprüche auf. Alles war so deutlich.

Ab morgen werde ich meine Zweifel äußern. Ich habe es meinem Sohn versprochen. Immer wenn mir was auffällt, werde ich es sagen. Ich will dieses Gespräch in der Form nicht mehr führen müssen. Niemals. Nichts getan zu haben, macht einem unfassbare Bauchschmerzen. Das wünsche ich niemandem. Alles werde ich dafür geben, die Demokratie zu beschützen. So wie sie mal gedacht war. Und morgen fange ich an. Ich werde einen 12. Klässler kontaktieren und mir von ihm erklären lassen, wie das damals anfing mit dem 2. Weltkrieg und der schlimmsten Katastrophe bis heute. Und dann nehm ich einen Zettel und mache eine Tabelle, stelle alles gegenüber, was sich in meinen Augen ähnelt und ich knalle es jedem ins Gesicht, der denkt, er wisse besser bescheid über Finanzmärkte und Börsen und Öl und über Kameltreiber und Mulucken und Terrorsisten und über die "Zivilisation". Vielleicht schreib ich es auch auf eine Baseballkeule, das verleiht der Sache mehr Nachdruck. Und ich glaube, ich schlage von vorne zu, damit man es kurz vor dem Aufprall schön groß lesen kann. Tut euch mal den Gefallen und speichert das Foto. Verschiebt man den Regler für Sättigung. Ein toller Effekt, der zeigt, dass man es selbst in der Hand hat.

Reichstag in Berlin Collage 1945 und 2011



Donnerstag, 27. Oktober 2011

Ich suche was Festes.

Diesen Satz kriegt man wirklich zu hören. Immer mal. Irgendwie immer dann, wenn man ihn nicht hören will. "Was Festes", was ist das eigentlich genau? Etwas, dass sich voneinander nicht lösen lässt. Das Gegenteil von locker und irgendwie das Ende von einem Prozess- dem Festziehen. Also so stell ich mir was Festes vor. Was die jungen Ladys damit aber meinen ist eine Beziehung. [...] Oh Mann, eine Beziehung. Und sie suchen danach. Wenn man es so betrachtet, ist das schon absurd. Beim Nachdenken darüber ist mir ziemlich schnell der Vergleich zu Schrauben eingefallen. Lustig ist irgendwie, dass wenn man sich so Schrauben von oben ansieht, man wirklich schnell bei einem Menschen landet. Sie unterscheiden sich in Farbe, Beschaffenheit, ihrem Schlitz auf dem Kopf und so Dingen wie Länge, Gewinde, Rostanfälligkeit und so weiter. Wenn man sie nicht im 100er Pack kaufen könnte, wären sie beinah individuell. Jede für sich auf der Suche nach einer Mutter. Und an dieser Stelle wurde es beim Nachdenken vorhin interessant. Wenn also meine Schrauben nicht beschriftet sind, wie wir Männer und Frauen es ja auch nicht sind, muss ich die Mutter erstmal auf die Schraube aufsetzen und schauen, ob sie denn überhaupt passt. Jeder hat schonmal in einem unsortierten Werkzeugkoffer nach so etwas suchen müssen. Immer im Hinterkopf: Ziel ist etwas "Festes". Damit irgendetwas hält. Das will man ja mit Schrauben letztlich erreichen. Etwas Stabiles aufbauen. Krass- sowas wie eine Beziehung.

Schrauben wir uns also mal eine feste Beziehung. Anfangen sollte es mit dem Aufsetzen der Mutter- dem Kennenlernen. Da sieht man eigentlich gleich, ob es denn grundsätzlich passt. Denkt einfach nur mal daran, wie das aussieht, wenn ihr eine passende Mutter sucht. Man kramt in einer großen Schüssel und probiert eine nach der anderen aus. Man wirft sie meist so lange unmotiviert wieder zurück, bis sich eine aufdrehen lässt. Der nächste Schritt ist dann der ästhetische Blick. Passt es denn wenigstens halbwegs optisch zueinander? Gold und Schwarz kann richtig geil aussehen. Muss nicht immer alles gleich sein, wie noch vor 20 Jahren. Hallo? Die Welt hat sich verändert. [...]

Was kommt als nächstes? Man hat sich kennengelernt und muss jetzt einen gemeinsamen kurzen Weg miteinander gehen, um sich auf eine Nachhaltigkeit hin zu überprüfen. Mit Reibung und allem Pipapo. Sagen wir ungefähr 6,5 cm. Das ist, wenn ich meine Augen schließe, so circa die Länge einer Schraube. Dieser Weg ist anstrengend. Vor allem, wenn man kopfüber an zwei Rohren vorbei an der hintersten Ecke eine Spüle befestigen muss. Ihr kennt das. So ein typischer komplizierter Einstieg mit vielen Hindernissen. Nichts ist anstrengender, als verkrampft irgendwas zu schrauben. So ist das bei Beziehungen auch. Je schwieriger die äußeren Umstände, desto schwieriger ist es auch durchzuhalten. Es zeigt sich, wie stabil das Material ist. Manche sind eben aus unglaublich festem Titan, manche aus weichem Stahl. Trifft also eine Titanmutter auf eine Stahlschraube, könnte es sein, dass das Gewinde verändert wird. Die Titan-Uschi macht sich also ihren Partner so wie sie ihn haben möchte. Das ist nicht gewünscht. Und das kann auch nicht gut sein. Das ist eine Charakterfrage. Bei gleich geschaffenen Materialien reiben sich beide Partner gleich auf. Beide haben dieselben Abnutzungserscheinungen. Man kann den armen abgenutzten Kerl danach nicht mehr gebrauchen. Es sei denn, er findet eine genauso ausgenudelte (Fachbegriff) Mutter. Die passen dann wieder zusammen. Ob es wirklich hält, kann keiner sagen.

Manche Schrauben brauchen eine Unterlegscheibe. Die haben sie auch immer dabei. Damit wahren sie die für sie nötige Distanz zur Mutter, wollen sie einfach nicht zu nah an sich heranlassen. Manche Muttern haben einen langen beschwerlichen Weg hinter sich, bis sie am Ende angekommen sind und stellen dann fest, dass diese Unterlegscheibe alles Bedingungslose verhindert. 6,45 cm haben sie geschraubt und geschraubt und müssen sich so kurz vor etwas Festem, kurz vor der Hochzeit- manche auch erst nach 20 Jahren Ehe- eingestehen, dass sie es nie ganz geschafft haben. Was dieses Bild ein bisschen zerstört ist das zurückschrauben nach dem Scheitern. Das geht nämlich bei uns Menschen meist ganz schnell. In den seltensten Fällen schrauben wir den kompletten Weg gemeinsam wieder zurück. Bei Menschen bricht das ganze. Nur ist mir noch nie eine Mutter von der Schraube gebrochen. [...] Meine Fresse, seht bitte drüber hinweg. Wenn ihr ehrlich seid, wäre euch das ohne meinen Hinweis gar nicht aufgefallen.

Das Gewinde, die Stabilität, die Passgenauigkeit und die Einfachheit des ersten Aufsetzens sind also unsere Charaktereigenschaften. Das ist wirklich so einfach. Manche Schrauben sind so speziell, da sucht man in der Kiste ewig nach einer Mutter und am Ende passt vielleicht gar keine. Bei Muttern ist das genauso. Manche Muttern kann man einfach nicht gebrauchen. Was weiß ich, wie die in die Kiste kommen? Am Ende war es meist ein IKEA-Regal. Wenn ich mal so eine finde, pack ich sie in ein Paket und schick sie zurück nach Schweden. Vielleicht hat sie da mehr Glück.

Die letzten Millimeter der Schraube sind ganz interessant. Jetzt kommt es drauf an. Man wird vorgestellt zu Hause. Muss dem Vater dort im Garten helfen, oder beim 70. der Großmutter eine gute Figur machen. Wenn man einmal so weit ist, muss man als Schraube den Mut haben, die Unterlegscheiben wegzulassen. Hier holt man sie ganz fest an sich ran. Wer auf Omas 70. den Rest der Werkzeugkiste für sich begeistern kann, hat gute Karten. Die macht sich nicht so schnell wieder locker. Auf solchen Partys versuchen auch gern mal andere Muttern, ob sie auf die Schraube passen. Gefährliche Situation. Aber ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schnell die Hauptmutter sich runterschrauben kann. Im Affenzahn schubsen sie die billige Alumutter wieder runter und sind zurück, bevor man Kreuzschlitzschraubenzieher sagen kann.

Einmal festgeschraubt kann dann so ein Paar ganz schön lange halten. Abhängig ist das dann immer davon, wie sehr wird dieses Schrauben/Mutter- Paar beansprucht wird. Sollen die beiden eine stark frequentierte Treppe zusammenhalten, lockert sich gern mal was. Da muss dann einfach jemand da sein, der sie immer mal wieder festzieht. So eine Beziehung muss gepflegt werden. Und überprüft sowieso. Damit fängt es an. Ist man aber Bestandteil einer schwach frequentierten Treppe, auf dem Dorf oder so, hält sowas vielleicht ewig. Da ist dann Rost eher ein Problem. Weil sich über Jahre eben nichts tut. Wenn man sich also als Schraube aussuchen kann, wo es denn hingehen soll, ist ein bisschen Action die bessere Wahl.

Vielleicht sind wir jetzt so weit, alle Muttern, die nach etwas "Festem" suchen, mal zu fragen, wie sie sich das nun vorstellen. Dazu hätte ich gern mal eine Antwort. Gibt es eine mündige Mutter, die mir dazu mal was sagen kann?

Wenn ihr mich fragt, macht es deutlich mehr Sinn, die ein oder andere Schraube auszuprobieren und ein bisschen aneinander rumzuschrauben. Runterdrehen kann man es ja immer wieder ohne Probleme. Man braucht nur ein paar ehrliche Worte und gutes Werkzeug.

Und als ganz wichtigen Hinweis an alle Unzertrennlichen, die immer alles fester und fester ziehen wollen. Und das ist eine Weisheit, die dir jeder Hobbyschrauber bestätigt:

Nach fest kommt immer ab.


Freitag, 21. Oktober 2011

Schieß los Gaddafi.

Wie sich die Berichterstattung verändert. Das finde ich eigentlich am beeindruckendsten. Ich kann mich noch an Tagesschauberichte erinnern, in denen mir Muammar al-Gaddafi als Staatsmann, Gastgeber für andere Staatsmänner und als Ruhepol in einer "schwierigen Region" dagestellt wurde. Komische Roben hatte er immer an, ein bisschen ein bunter Vogel, konnte man immer denken. Um das mal gleich festzuhalten: Ich finde Staatschefs, die ihr Land unterdrücken und von der Außenwelt abschneiden nicht gut. Ich finde George Bush nicht gut und ich finde generell Verbrecher scheiße.

Jetzt, wo er tot ist, kriegt man ihn ja dauernd zu sehen. Immerzu sehe ich, wie er vor der UN die UN-Charta zerreißt und ich sehe Delegierte, die den Raum verlassen vor Empörung. Dann seh ich ihn in die Luft schießen. Immerzu ballert er im Fernsehen in die Luft. Niemandem erzähl ich hier etwas Neues. Unsere Medien machen unsere Meinung. Aber interessant ist schon, wie aus der unfassbar langen Rede vor der UN, letztlich nur das Bild der zerrissenen Charta und die flüchtenden Delegierten übrig bleiben konnte.
"Does the Vatican pose any threat to us? No it is a very peaceful, religious state. If the Afghans want to establish an Islamic emirate let it be like the Vatican. Who said the taleban are the enemy and has to be struck by the armies? Is bin Laden an Afghan? Is he a taleban? Bin Laden is not from the taleban and not from Afghanistan."
http://metaexistence.org/gaddafispeech.htm
Die Rede ist voll von Wahrheiten, wobei ich dieses Wort eher vorsichtig benutzen möchte. Im Vatikan werden bis heute Epileptikern mit Exorzisten der Teufel ausgetrieben. Ich sage euch, hätten die Öl dort, ratz fatz sind die auch ein Schurkenstaat. Gaddafi, es tut mir Leid, ich mag ihn irgendwie. Er stellt sich vor die UN und hält ihnen einen Spiegel ins Gesicht. "Wer seid ihr, dass ihr Länder als Schurkenstaaten einstuft, nachdem ihr sie über Jahrzehnte ausgebeutet und verarscht habt? Wer seid ihr eigentlich, dass ihr den Irak und Afghanistan angreift, als Vergeltung für den 11. September, obwohl Bin Laden weder Afghane, Iraker oder Taliban ist." Wahrscheinlich wäre es das beste, ihr lest euch diesen Brocken von Text mal selbst durch. Oft ist es sogar echt witzig. [...] Kaum mach ich eben den Fernseher an, schießt Gaddafi in die Luft und brabbelt so arabisches Zeug. Machen wir uns nichts vor, Arabisch klingt für Europäer total angsteinflößend. Wahrscheinlich weil in jedem zweiten Hollywood-Movie kurz vor der Explosion noch ein vermummter Moslem laut aus dem Koran liest. Und dann Bumm. Ihr erinnert euch an die Konditionierung von Pawlow? Hund-Lampe-Essen-Speichel = Moslem-Arabische Sprache-Bombe-Bumm. Wahnsinn eigentlich. 

Gaddafi wird von ehemaligen Politikern, die mit ihm zu tun hatten, als unglaublich klug beschrieben. Als einer, der genau wusste, die richtigen Dinge zu tun. Libyen war auch mal ein Schurkenstaat, bis Gaddafi es durch aberwitzige Schachzüge geschafft hat, von dieser Liste zu kommen. Und prompt flogen sie alle ein. Einer nach dem anderen. BP und Shell (Entschuldigung, die königliche Hoheit von England) haben zum Beispiel Tony Blair geschickt- bei dem man übrigens seine ganze Laufbahn immer dachte, irgendwer hat ihn geschickt. Berlusconi war auch da, Schröder, Sarkozy, die völlig abgefahrene Condoleeza. Wirklich alle. Und alle kamen mit unterzeichneten Verträgen zurück. 

Dieses Gestreichel hatte am 15. Februar dieses Jahres plötzlich ein Ende. Als Libysche Sicherheitskräfte auf die ersten Demonstranten schossen, hieß es auf Seiten der westlichen Staaten: "Oh, was macht der denn da? Der soll aufhören zu schießen. Unser schönes billiges Öl. Oh nein... Jetzt müssen wir alles neu verhandeln." Den Amerikanern war klar, dass sich so eine Protestbewegung nicht mehr aufhalten lassen würde. Also stellten sie sich zum ersten mal seit Jahren auf die Seite derer, die ihnen bis dato scheißegal waren. Das Libysche Volk. Übrigens muss das immer Gaddafis größte Angst gewesen sein. Er soll bei fast jedem Treffen  darauf hingewiesen haben, dass er Angst hat, über's Ohr gehauen zu werden. Ging eine Weile gut, wie immer... und auf einmal plötzlich nicht mehr. Seitdem senden sie den schießenden Gaddafi!! Ich kann es nicht mehr sehen.

Gaddafi ist in der afrikanischen Welt an vielen Stellen ein Held. Nelson Mandela begrüßt ihn bis heute, als wäre er einer seiner Schulkameraden aus der Abiturstufe. Mit Drücken und Küssen und allem Schnick Schnack. Gadaffi war einer der ersten und spendabelsten Apartheids- Bekämpfer, die es gab. Afrika sei ihm wichtig sagt er und irgendwie glaub ich ihm das. Was macht ihn eigentlich aus unserer westlichen Sicht zu einem schlechten Menschen? Dass er prinzipiell Staatschef eines reichen Landes ist und seinen Untertanen nichts abgibt? Aha... Und wie ist das bei uns? Oder in den USA? Der einzige Unterschied ist doch, dass man in Libyen Gaddafi heißen muss, um privilegiert zu sein. Hier spielen wir Demokratie.

Dem Präsidenten der Vereinten Nationen seine eigene Charta auf den Tisch zu werfen mit den Worten: "Schauen sie sich die israelische Jugend an, schauen sie sich die palästinensische Jugend an. Die wollen alle Frieden. Dieses Buch hier hat die Lösung für das Problem parat. Schauen sie mal rein." Also ganz ehrlich, das ist einfach ein Knaller. Ähnlich wie der Irakische Journalist, der George Bush mal einen Schuh an den Kopf werfen wollte.

Das schlimmste an der ganzen Sache ist in meinen Augen, dass das dummgehaltene Libysche Volk (damit mein ich immer die Mehrheit, wie in jedem Land der Erde) glaubt, es ginge jetzt bergauf. Jetzt wo sie ihn in ein Kanalrohr gejagt und abgeknallt haben. Denn sie wissen nicht, dass sich nie was ändert. Einzig das Feindbild fehlt ab jetzt. Es ist viel einfacher etwas gegen Muammar al-Gadaffi zu haben, als gegen sowas Abstraktes wie die Finanzindustrie. Denn die kann man nicht so einfach in einen Abfluss scheuchen, wenn sie den Bogen überspannt haben.