Donnerstag, 27. Oktober 2011

Ich suche was Festes.

Diesen Satz kriegt man wirklich zu hören. Immer mal. Irgendwie immer dann, wenn man ihn nicht hören will. "Was Festes", was ist das eigentlich genau? Etwas, dass sich voneinander nicht lösen lässt. Das Gegenteil von locker und irgendwie das Ende von einem Prozess- dem Festziehen. Also so stell ich mir was Festes vor. Was die jungen Ladys damit aber meinen ist eine Beziehung. [...] Oh Mann, eine Beziehung. Und sie suchen danach. Wenn man es so betrachtet, ist das schon absurd. Beim Nachdenken darüber ist mir ziemlich schnell der Vergleich zu Schrauben eingefallen. Lustig ist irgendwie, dass wenn man sich so Schrauben von oben ansieht, man wirklich schnell bei einem Menschen landet. Sie unterscheiden sich in Farbe, Beschaffenheit, ihrem Schlitz auf dem Kopf und so Dingen wie Länge, Gewinde, Rostanfälligkeit und so weiter. Wenn man sie nicht im 100er Pack kaufen könnte, wären sie beinah individuell. Jede für sich auf der Suche nach einer Mutter. Und an dieser Stelle wurde es beim Nachdenken vorhin interessant. Wenn also meine Schrauben nicht beschriftet sind, wie wir Männer und Frauen es ja auch nicht sind, muss ich die Mutter erstmal auf die Schraube aufsetzen und schauen, ob sie denn überhaupt passt. Jeder hat schonmal in einem unsortierten Werkzeugkoffer nach so etwas suchen müssen. Immer im Hinterkopf: Ziel ist etwas "Festes". Damit irgendetwas hält. Das will man ja mit Schrauben letztlich erreichen. Etwas Stabiles aufbauen. Krass- sowas wie eine Beziehung.

Schrauben wir uns also mal eine feste Beziehung. Anfangen sollte es mit dem Aufsetzen der Mutter- dem Kennenlernen. Da sieht man eigentlich gleich, ob es denn grundsätzlich passt. Denkt einfach nur mal daran, wie das aussieht, wenn ihr eine passende Mutter sucht. Man kramt in einer großen Schüssel und probiert eine nach der anderen aus. Man wirft sie meist so lange unmotiviert wieder zurück, bis sich eine aufdrehen lässt. Der nächste Schritt ist dann der ästhetische Blick. Passt es denn wenigstens halbwegs optisch zueinander? Gold und Schwarz kann richtig geil aussehen. Muss nicht immer alles gleich sein, wie noch vor 20 Jahren. Hallo? Die Welt hat sich verändert. [...]

Was kommt als nächstes? Man hat sich kennengelernt und muss jetzt einen gemeinsamen kurzen Weg miteinander gehen, um sich auf eine Nachhaltigkeit hin zu überprüfen. Mit Reibung und allem Pipapo. Sagen wir ungefähr 6,5 cm. Das ist, wenn ich meine Augen schließe, so circa die Länge einer Schraube. Dieser Weg ist anstrengend. Vor allem, wenn man kopfüber an zwei Rohren vorbei an der hintersten Ecke eine Spüle befestigen muss. Ihr kennt das. So ein typischer komplizierter Einstieg mit vielen Hindernissen. Nichts ist anstrengender, als verkrampft irgendwas zu schrauben. So ist das bei Beziehungen auch. Je schwieriger die äußeren Umstände, desto schwieriger ist es auch durchzuhalten. Es zeigt sich, wie stabil das Material ist. Manche sind eben aus unglaublich festem Titan, manche aus weichem Stahl. Trifft also eine Titanmutter auf eine Stahlschraube, könnte es sein, dass das Gewinde verändert wird. Die Titan-Uschi macht sich also ihren Partner so wie sie ihn haben möchte. Das ist nicht gewünscht. Und das kann auch nicht gut sein. Das ist eine Charakterfrage. Bei gleich geschaffenen Materialien reiben sich beide Partner gleich auf. Beide haben dieselben Abnutzungserscheinungen. Man kann den armen abgenutzten Kerl danach nicht mehr gebrauchen. Es sei denn, er findet eine genauso ausgenudelte (Fachbegriff) Mutter. Die passen dann wieder zusammen. Ob es wirklich hält, kann keiner sagen.

Manche Schrauben brauchen eine Unterlegscheibe. Die haben sie auch immer dabei. Damit wahren sie die für sie nötige Distanz zur Mutter, wollen sie einfach nicht zu nah an sich heranlassen. Manche Muttern haben einen langen beschwerlichen Weg hinter sich, bis sie am Ende angekommen sind und stellen dann fest, dass diese Unterlegscheibe alles Bedingungslose verhindert. 6,45 cm haben sie geschraubt und geschraubt und müssen sich so kurz vor etwas Festem, kurz vor der Hochzeit- manche auch erst nach 20 Jahren Ehe- eingestehen, dass sie es nie ganz geschafft haben. Was dieses Bild ein bisschen zerstört ist das zurückschrauben nach dem Scheitern. Das geht nämlich bei uns Menschen meist ganz schnell. In den seltensten Fällen schrauben wir den kompletten Weg gemeinsam wieder zurück. Bei Menschen bricht das ganze. Nur ist mir noch nie eine Mutter von der Schraube gebrochen. [...] Meine Fresse, seht bitte drüber hinweg. Wenn ihr ehrlich seid, wäre euch das ohne meinen Hinweis gar nicht aufgefallen.

Das Gewinde, die Stabilität, die Passgenauigkeit und die Einfachheit des ersten Aufsetzens sind also unsere Charaktereigenschaften. Das ist wirklich so einfach. Manche Schrauben sind so speziell, da sucht man in der Kiste ewig nach einer Mutter und am Ende passt vielleicht gar keine. Bei Muttern ist das genauso. Manche Muttern kann man einfach nicht gebrauchen. Was weiß ich, wie die in die Kiste kommen? Am Ende war es meist ein IKEA-Regal. Wenn ich mal so eine finde, pack ich sie in ein Paket und schick sie zurück nach Schweden. Vielleicht hat sie da mehr Glück.

Die letzten Millimeter der Schraube sind ganz interessant. Jetzt kommt es drauf an. Man wird vorgestellt zu Hause. Muss dem Vater dort im Garten helfen, oder beim 70. der Großmutter eine gute Figur machen. Wenn man einmal so weit ist, muss man als Schraube den Mut haben, die Unterlegscheiben wegzulassen. Hier holt man sie ganz fest an sich ran. Wer auf Omas 70. den Rest der Werkzeugkiste für sich begeistern kann, hat gute Karten. Die macht sich nicht so schnell wieder locker. Auf solchen Partys versuchen auch gern mal andere Muttern, ob sie auf die Schraube passen. Gefährliche Situation. Aber ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schnell die Hauptmutter sich runterschrauben kann. Im Affenzahn schubsen sie die billige Alumutter wieder runter und sind zurück, bevor man Kreuzschlitzschraubenzieher sagen kann.

Einmal festgeschraubt kann dann so ein Paar ganz schön lange halten. Abhängig ist das dann immer davon, wie sehr wird dieses Schrauben/Mutter- Paar beansprucht wird. Sollen die beiden eine stark frequentierte Treppe zusammenhalten, lockert sich gern mal was. Da muss dann einfach jemand da sein, der sie immer mal wieder festzieht. So eine Beziehung muss gepflegt werden. Und überprüft sowieso. Damit fängt es an. Ist man aber Bestandteil einer schwach frequentierten Treppe, auf dem Dorf oder so, hält sowas vielleicht ewig. Da ist dann Rost eher ein Problem. Weil sich über Jahre eben nichts tut. Wenn man sich also als Schraube aussuchen kann, wo es denn hingehen soll, ist ein bisschen Action die bessere Wahl.

Vielleicht sind wir jetzt so weit, alle Muttern, die nach etwas "Festem" suchen, mal zu fragen, wie sie sich das nun vorstellen. Dazu hätte ich gern mal eine Antwort. Gibt es eine mündige Mutter, die mir dazu mal was sagen kann?

Wenn ihr mich fragt, macht es deutlich mehr Sinn, die ein oder andere Schraube auszuprobieren und ein bisschen aneinander rumzuschrauben. Runterdrehen kann man es ja immer wieder ohne Probleme. Man braucht nur ein paar ehrliche Worte und gutes Werkzeug.

Und als ganz wichtigen Hinweis an alle Unzertrennlichen, die immer alles fester und fester ziehen wollen. Und das ist eine Weisheit, die dir jeder Hobbyschrauber bestätigt:

Nach fest kommt immer ab.


Freitag, 21. Oktober 2011

Schieß los Gaddafi.

Wie sich die Berichterstattung verändert. Das finde ich eigentlich am beeindruckendsten. Ich kann mich noch an Tagesschauberichte erinnern, in denen mir Muammar al-Gaddafi als Staatsmann, Gastgeber für andere Staatsmänner und als Ruhepol in einer "schwierigen Region" dagestellt wurde. Komische Roben hatte er immer an, ein bisschen ein bunter Vogel, konnte man immer denken. Um das mal gleich festzuhalten: Ich finde Staatschefs, die ihr Land unterdrücken und von der Außenwelt abschneiden nicht gut. Ich finde George Bush nicht gut und ich finde generell Verbrecher scheiße.

Jetzt, wo er tot ist, kriegt man ihn ja dauernd zu sehen. Immerzu sehe ich, wie er vor der UN die UN-Charta zerreißt und ich sehe Delegierte, die den Raum verlassen vor Empörung. Dann seh ich ihn in die Luft schießen. Immerzu ballert er im Fernsehen in die Luft. Niemandem erzähl ich hier etwas Neues. Unsere Medien machen unsere Meinung. Aber interessant ist schon, wie aus der unfassbar langen Rede vor der UN, letztlich nur das Bild der zerrissenen Charta und die flüchtenden Delegierten übrig bleiben konnte.
"Does the Vatican pose any threat to us? No it is a very peaceful, religious state. If the Afghans want to establish an Islamic emirate let it be like the Vatican. Who said the taleban are the enemy and has to be struck by the armies? Is bin Laden an Afghan? Is he a taleban? Bin Laden is not from the taleban and not from Afghanistan."
http://metaexistence.org/gaddafispeech.htm
Die Rede ist voll von Wahrheiten, wobei ich dieses Wort eher vorsichtig benutzen möchte. Im Vatikan werden bis heute Epileptikern mit Exorzisten der Teufel ausgetrieben. Ich sage euch, hätten die Öl dort, ratz fatz sind die auch ein Schurkenstaat. Gaddafi, es tut mir Leid, ich mag ihn irgendwie. Er stellt sich vor die UN und hält ihnen einen Spiegel ins Gesicht. "Wer seid ihr, dass ihr Länder als Schurkenstaaten einstuft, nachdem ihr sie über Jahrzehnte ausgebeutet und verarscht habt? Wer seid ihr eigentlich, dass ihr den Irak und Afghanistan angreift, als Vergeltung für den 11. September, obwohl Bin Laden weder Afghane, Iraker oder Taliban ist." Wahrscheinlich wäre es das beste, ihr lest euch diesen Brocken von Text mal selbst durch. Oft ist es sogar echt witzig. [...] Kaum mach ich eben den Fernseher an, schießt Gaddafi in die Luft und brabbelt so arabisches Zeug. Machen wir uns nichts vor, Arabisch klingt für Europäer total angsteinflößend. Wahrscheinlich weil in jedem zweiten Hollywood-Movie kurz vor der Explosion noch ein vermummter Moslem laut aus dem Koran liest. Und dann Bumm. Ihr erinnert euch an die Konditionierung von Pawlow? Hund-Lampe-Essen-Speichel = Moslem-Arabische Sprache-Bombe-Bumm. Wahnsinn eigentlich. 

Gaddafi wird von ehemaligen Politikern, die mit ihm zu tun hatten, als unglaublich klug beschrieben. Als einer, der genau wusste, die richtigen Dinge zu tun. Libyen war auch mal ein Schurkenstaat, bis Gaddafi es durch aberwitzige Schachzüge geschafft hat, von dieser Liste zu kommen. Und prompt flogen sie alle ein. Einer nach dem anderen. BP und Shell (Entschuldigung, die königliche Hoheit von England) haben zum Beispiel Tony Blair geschickt- bei dem man übrigens seine ganze Laufbahn immer dachte, irgendwer hat ihn geschickt. Berlusconi war auch da, Schröder, Sarkozy, die völlig abgefahrene Condoleeza. Wirklich alle. Und alle kamen mit unterzeichneten Verträgen zurück. 

Dieses Gestreichel hatte am 15. Februar dieses Jahres plötzlich ein Ende. Als Libysche Sicherheitskräfte auf die ersten Demonstranten schossen, hieß es auf Seiten der westlichen Staaten: "Oh, was macht der denn da? Der soll aufhören zu schießen. Unser schönes billiges Öl. Oh nein... Jetzt müssen wir alles neu verhandeln." Den Amerikanern war klar, dass sich so eine Protestbewegung nicht mehr aufhalten lassen würde. Also stellten sie sich zum ersten mal seit Jahren auf die Seite derer, die ihnen bis dato scheißegal waren. Das Libysche Volk. Übrigens muss das immer Gaddafis größte Angst gewesen sein. Er soll bei fast jedem Treffen  darauf hingewiesen haben, dass er Angst hat, über's Ohr gehauen zu werden. Ging eine Weile gut, wie immer... und auf einmal plötzlich nicht mehr. Seitdem senden sie den schießenden Gaddafi!! Ich kann es nicht mehr sehen.

Gaddafi ist in der afrikanischen Welt an vielen Stellen ein Held. Nelson Mandela begrüßt ihn bis heute, als wäre er einer seiner Schulkameraden aus der Abiturstufe. Mit Drücken und Küssen und allem Schnick Schnack. Gadaffi war einer der ersten und spendabelsten Apartheids- Bekämpfer, die es gab. Afrika sei ihm wichtig sagt er und irgendwie glaub ich ihm das. Was macht ihn eigentlich aus unserer westlichen Sicht zu einem schlechten Menschen? Dass er prinzipiell Staatschef eines reichen Landes ist und seinen Untertanen nichts abgibt? Aha... Und wie ist das bei uns? Oder in den USA? Der einzige Unterschied ist doch, dass man in Libyen Gaddafi heißen muss, um privilegiert zu sein. Hier spielen wir Demokratie.

Dem Präsidenten der Vereinten Nationen seine eigene Charta auf den Tisch zu werfen mit den Worten: "Schauen sie sich die israelische Jugend an, schauen sie sich die palästinensische Jugend an. Die wollen alle Frieden. Dieses Buch hier hat die Lösung für das Problem parat. Schauen sie mal rein." Also ganz ehrlich, das ist einfach ein Knaller. Ähnlich wie der Irakische Journalist, der George Bush mal einen Schuh an den Kopf werfen wollte.

Das schlimmste an der ganzen Sache ist in meinen Augen, dass das dummgehaltene Libysche Volk (damit mein ich immer die Mehrheit, wie in jedem Land der Erde) glaubt, es ginge jetzt bergauf. Jetzt wo sie ihn in ein Kanalrohr gejagt und abgeknallt haben. Denn sie wissen nicht, dass sich nie was ändert. Einzig das Feindbild fehlt ab jetzt. Es ist viel einfacher etwas gegen Muammar al-Gadaffi zu haben, als gegen sowas Abstraktes wie die Finanzindustrie. Denn die kann man nicht so einfach in einen Abfluss scheuchen, wenn sie den Bogen überspannt haben.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Jeder Braten ist nur so gut, wie seine Soße.

'Mutzbraten in der Mensa'... Aha, ich bin gespannt. Oft geh ich ja eigentlich nicht mehr hin. Das Niveau ist einfach schlecht. An dem Tag, an dem ich gemerkt habe, dass man sich mit den richtigen Zutaten und 10 Minuten mehr Aufwand ein tausendmal besseres Essen machen kann, beschloss ich die Mensa weiterhin nicht mehr groß zu betreten. Der Mutzbraten hat mich inspiriert, so doof das klingen mag. Der war so schlecht, dass ich es mal selbst ausprobieren wollte. Den neuen Bräter hatte ich zum Geburtstag bekommen. Als Beilagen hab ich mir Thüringer Klöße und Sauerkraut gedacht. So hat es mein Vater gemacht und so wollte ich es in der Mensa haben. Aber das geht nicht, wie sich noch zeigen wird.

Entscheidend sind die Zwiebeln am Anfang, hat mir mein Vater erklärt. "Wenn du Soße haben willst, ohne Maggi-Scheiße, brauchst du mindestens 5 Zwiebeln. Erstmal." [...] Vorher musste ich aber noch das Fleisch besorgen. Wer es ein bisschen saftiger will, nimmt ein Nackenstück. Für 4 Personen ungefähr 1kg. Mit acht bis zehn Euro bist du im Geschäft. Für drei Euro zwei Pakete Klöße und Sauerkraut. Fertig ist die Laube.

Eine Stunde dauert der ganze Kram. Ungeduld ist nicht angebracht. Das kann man sich vorher gleich mal sagen. Wenn es genau zum Anpfiff noch nicht fertig ist, muss man eben noch 30 Minuten warten. Zuerst- und die Aufgabe sollte man als Koch vielleicht weitergeben- schälst du 5 normal große Zwiebeln und brätst sie in einem Bräter und etwas Öl scharf an. Bis sie sich langsam braun färben. Mein Freund Tobi setzt angeblich immer eine Schwimmbrille auf, weil seine Augen empfindlich sind. Meine sind es auch extrem. Heulen ist kein Ausdruck. "Cry me a river", würde Justin Timberlake singen. Wie ich gelernt habe, kommt das Übel aber durch die Nase und sonst auch überall rein. Wer sich also nicht im Quarantäne-Anzug in die Küche stellen will, beißt kurz auf die Zähne. Bevor sie dunkel werden, mit etwas warmen Wasser ablöschen. Das Wasser soll reduzieren, oder sich reduzieren. Keine Ahnung, wie man das sagt. Sobald kaum noch Wasser im Bräter ist, kippst du wieder neues drauf. Meistens klingelt mein Handy und ich vergesse pünktlich aufzukippen. Großartig schief gehen kann da aber nichts. Diesen Vorgang wiederholst du so lange, bis aus den Zwiebeln und dem Wasser eine braune "Fastsoße" entstanden ist. Später kann man die übrigen Zwiebelkörper noch durch ein Sieb passieren, ich hab aber leider so ein Sieb nicht. Die Soße tust du zur Seite in eine kleine Schüssel und machst wieder neues Öl in die Pfanne. Das wirklich ziemlich imposant große Stück Fleisch muss von allen Seiten scharf angebraten werden. Man kann sich anfangs nicht vorstellen, diesen Batzen gar zu kriegen, aber das funktioniert wirklich. Ordentlich Salzen und Pfeffern! (Das hab ich doch beinah vergessen, erst beim Drüberlesen fällt mir auf, dass was wichtiges fehlt!) Das Anbraten hat zweierlei Effekte. Zum einen verschließen sich die Poren und der entscheidende Bratensaft bleibt im Fleisch enthalten, zum anderen entstehen beim Anbraten durch das Anrösten genau die Röstaromen, die der Soße beim Schmecken helfen. Der Mutzbraten in der Mensa schmeckt nach... Ja wonach eigentlich? 

Ist das Stück Fleisch von allen Seiten angebraten, tust du unsere "Fastsoße" wieder dazu und gießt etwas Wasser auf. Ungefähr so viel, dass ungefähr ein Drittel verdeckt ist. Man muss aber kein Maßband nehmen. In diesem Zustand verbringt das Stück Schweinenacken ungefähr 45 bis 60 Minuten im Topf und schmort. Ab und zu gießt du bei halber Hitze wieder ein bisschen Wasser auf. Ganz wichtig und das darf man nicht vergessen: Frische Pimentkörner ungefähr 5 Stück. Kleindrücken mit einem Messer und dazugeben. Ich finde, das macht es erst charakteristisch. Um später rauszufinden, ob das Fleisch gar ist, stichst du einfach mit einer Gabel oder besser mit einem spitzen Messer ungefähr bis zur Hälfte hinein. Kommt kein blutiger Saft mehr raus, ist es gar. Wenn du ganz sicher gehen willst, schneidest du es in der Mitte durch. Jeder kennt die Farbe, die es für ihn haben sollte. Und Geduld, wenn es noch nicht reicht. Gar wird es von allein.

Während die Geschichte kocht hast du Zeit zum Klöße rollen und Sauerkraut lecker machen. Heißt also Schwimmbrille auf und zwei Zwiebeln schneiden. Gut ist bei Sauerkraut immer ein bisschen Speck. Da braucht man kein Salz mehr dran machen. Bis auf manchmal. Brat es einfach zusammen an und gib das Kraut aus der Dose dazu. Zucker macht es nicht ganz so sauer, das ist mir persönlich manchmal zu doll. Einfach warm machen und das kommt später. Wie man Klöße in kochendes Wasser legt, erklär ich jetzt nicht. Das wird hier eh viel zu viel Text, wenn ich es so lese. 

Von jetzt an rennt man eigentlich nur noch zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her, zum Nachschauen und Kosten. Salz und Pfeffer benutzt man immer mal und probiert das Sauerkraut zusammen mit der Soße. Aber eigentlich könnte man aber diese Spaziergänge auf ein Minimum reduzieren und 2/3 mal Wasser aufgießen. Reicht völlig aus.

Kommt dann kein blutiger Saft mehr aus dem Fleisch, nimmst du es aus dem Topf und rührst in einer Tasse einen Löffel Mehr in heißem Wasser an. Damit bindest du ein bisschen die Soße, weil sie sonst suppenähnlich dünn ist. Das ganze Gedöhns der Zwiebeln kannst du noch durch ein Sieb passieren, aber das hab ich jetzt glaub ich schon zum zweiten mal gesagt. Mit dem angerührten Mehl muss man schön vorsichtig sein, sonst wird es Brei. Langsam dazurühren und so lange warten, bis man zufrieden ist. Klumpen kriegt man keine, wenn man sich Zeit nimmt, ihr ungeduldigen Amateure.

Das Fleisch tust du wieder zurück in den Topf. So lange, bis alles andere fertig ist- die Klöße oben schwimmen und das beknackte Sauerkraut nicht mehr so schweinesauer ist. Wie man es anrichtet, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Sowas interessiert mich herzlich wenig. Wichtiger ist mir, dass alle warten, bis der letzte am Tisch sitzt. Wenn alle gemeinsam auf ihren Teller schauen, ist es sich deutlich entspannter. Nur zum Nippen am Bier hebt man ab und zu mal den Kopf.

Eigentlich hatte ich meinen Vater gebeten, mir hier in dem Blog mal zu helfen und vielleicht etwas regelmäßiges daraus zu machen. Angeblich hat er aber keine Zeit. Prinzipiell geb ich hier nur seine Worte wieder. Das ist ganz wichtig, find ich.

In effektiv einer Stunde ist alles fertig. Wirkliche Arbeit hat man aber nur 30 Minuten, den Rest macht der Herd allein.

Meistens hat man von allem was übrig. Wenn auch nicht viel, reicht es um am nächsten Tag noch für zwei Leute ein Mittagessen zu machen. Klöße einfach in Margarine anbraten und nochmal ein bisschen mit Pfeffer und Salz würzen. Wenn sie schön cross sind, einfach alles andere dazu in die Pfanne. Wenn es die Zeit zulässt, mach ich dann im Normalfall einen Mittagsschlaf- ist ja Sonntag.

Ruft mich an, wenn ihr wieder wach seid!

Dienstag, 2. August 2011

Zeig her dein Namensschild

"Entschuldigung Frau ähhh... Postel." A.Postel um genau zu sein. "Ich glaube, sie können mir helfen. Es geht um Folgendes: [...] Kann man das an der Stelle nicht auch so machen? Und meinen Sie, da bekomme ich in der Form keine Probleme? Hat es eigentlich großen Einfluss auf meine weitere Verfahrensweise oder bin ich davon nicht betroffen?" Und dann dauert dieses eigentlich belanglose Gespräch ewig. Nicht etwa, weil Frau Postel inkompetent bzw. auffällig langsam ist, sondern weil ihr Namensschild an einer unfassbar reizenden Stelle hängt. Man kriegt seinen Blick davon einfach nicht weg. Hauptsächlich prägt sich mir der Name ein. Postel Postel Postel... den darf ich bis nach Hause nicht vergessen. Süß war sie- unglaublich sogar. Und gelacht hat sie über mich, eigentlich pausenlos. Den geb ich später gleich mal Social-Network-Technisch ein. Mal sehen, was mir so ausgespuckt wird. 

Aha Aha. So So. Baujahr '88. Bodi Bill findet sie toll. Aha Aha. Was ist das eigentlich? Sieht gar nicht so stark trainiert aus, die Maus. Okay... ihren Freund hat sie also nicht mehr. Steht hier mitten auf der Wand. "bald hast es geschafft, süße... der wichser hatte dich eh nicht verdient. knutscher, bussi bla bla bla" Schreib ich gleich was, oder fällt mir so schnell nichts ein? Vertagte Schlagfertigkeit nenn ich das, wenn man sich lieber noch eine Nacht gönnt, bevor man alles falsch macht. Diese Möglichkeiten gibt mir diese Social-Network-Geschichte ja. Auf dem Bild sieht sie irgendwie ganz anders aus. Wer weiß welche Normen aus ihrem Jahrgang sie da erfüllen muss. Aber mehr wissen will ich trotzdem. Und wie wurde das möglich? Durch ihr Namensschild. Eine sensationelle Erfindung, die ihre Wirkung erst heute im Web2.0 so richtig ausschöpfen lässt.

So blicken wir heute heimlich auf die Klausur der Nachbarin oder hören genau hin, wenn im Seminar die Teilnehmer aufgerufen werden. Eigentlich wird alles abgecheckt. Mitfahrgelegenheiten, Nachbarn, sogar aus Anwesenheitslisten werden manche Leute schlau. Zack notiert, eingegeben, dummer Spruch überlegt und fertig ist die Laube. Wie Nachhaltig am Ende die Geschichte weitergeht, lass ich mal dahingestellt. Aber das Potenzial ist unfassbar.

Was übrigens bei mir ganz lustig ist und ich hab schon oft darüber nachgedacht. Namensschilder trag ich nämlich eigentlich nie. Aber Fußballtrikots. Ob es da schonmal eine Frau gab, die nach mir im Internet gesucht hat? Das würde mich mal interessieren. "Craig Bellamy? Aha Aha. So So. Sportler also. Wie (?) Manchester City? Der kommt aus England? Der konnte aber gut deutsch. Wahnsinn. Wie bitte (?) 500.000 Fans? Der ist berühmt? Und der war heute in Thalbürgel? Krasse Scheiße." Ob es das mal gab? Oh Mann, ich würde Geld dafür bezahlen, um das in Erfahrung bringen zu können.

Wir sind uns einig. So war das mit den Namensschildern nicht gedacht. Eigentlich sollte man wissen, mit wem man es zu tun hat, wenn man im Edeka an der Kasse steht. "Sie wurden bedient von Frau Emmig." Die übrigens hatte keinen Account. Ist eine andere Generation. Wahrscheinlich schaut sie immer mal in ihren Postkasten. Aber das ist mir dann auch zu viel Aufwand- dafür, dass ich als Antwort dann gesagt bekomme: "Sag mal kennen wir uns?"




Mittwoch, 13. Juli 2011

Deutschland ist raus und keiner hat's gesehen.

Vielleicht hätte ich es vorher tun sollen. Vielleicht wäre ich besser durch dieses Gespräch gekommen mit ein bisschen mehr Informationen. Einzig die persönliche Einstellung reicht da nicht aus. Da ist man ratz fatz ein unmoderner Prolet, der keine Ahnung vom Lauf der Zeit hat. Als ich eben Frauenfußball gegoogelt habe, bekomme ich als erstes Bild eine nassgeregnete Frauenmannschaft in Trikot und Tanga mit Playboyhäschen zu sehen. Alle Hautfarben, alle möglichen Frisuren, jegliche Form von Brüsten- alle gut vergleichbar durch das Wasser. Wenn man daraus was lesen kann, dann dass das anscheinend viele Menschen angeklickt haben müssen.  Oder was bedeutet es, wenn bei google ein Bild gleich als erstes kommt? Gibt man übrigens Männerfußball ein, erscheinen 4 beste Freunde mit Schlamm im Gesicht und Grinsen auf den Backen. Einer klemmt einen Ball ein, der andere ballt eine Faust. Sie schwitzen unter den Armen und am Bauch. Das Wort Männerfußball scheint in der Form eigentlich nicht zu existieren. Der Frauenfußball ist also aus dem Fußball der Männer entstanden, wenn ich das richtig verstehe. Zumindest, was das Wort betrifft. Das fängt doch schon Scheiße an, wenn ihr mich fragt. Wie Frauenparkplätze. Die haben auch so einen schlechten Ruf. Dabei macht es Sinn, wenn man sich überlegt, wie eine schwangere Frau mit einem riesen Bauch aus ihrem Auto kommen soll, wenn sie die Tür kaum aufkriegt. Immer wenn vor irgendwas das Geschlecht gehängt wird, kommt man sich so vor, als wäre man nicht in der Lage das zu leisten, was der andere im Stande ist. Es klingt, als wäre eine Frau zu blöd zum Einparken und genau so wird wahrscheinlich auch argumentiert. Fragt mal Leute, ob sie wissen, welche Funktion solche Parkplätze haben. An die schwangere Frau denkt keiner, so viel kann ich schonmal verraten. Dem Damenrad zum Beispiel sieht man schon von weitem an, dass es eines ist. Und seine Form könnte darauf schließen lassen, dass sie ihr Bein nicht hoch genug bekommt, um aufzusteigen. Dabei war es nur der Rock, der hinderlich war. 80% der Frauen, die ich kenne schwingen ihr Bein über den Sattel... ich red gar nicht weiter.

Man kam als Fußballfan in den letzten Wochen kaum an einer Diskussion vorbei. Man musste Stellung nehmen zu allem. Einige viele Mädels fühlen sich provoziert, wenn überall in den Kneipen Frauenfußball zu sehen ist, einfach mal das Gespräch zu suchen. Der Mann weiß, dass er auf Glatteis steht, wenn überall Frauen Fußball spielen sieht. "Wie stehst du denn zu der Sache?" -  "Ach weißt du, ich interessiere mich nicht dafür. Es ist mir zu langsam. Da passieren komische Sachen, die man aus dem Sport nicht gewohnt ist und daher lass ich das einfach weg." Meistens ist das zu ehrlich. Sie hören eigentlich den Satz "Wir Männer können was, das könnt ihr nicht." Den hat man aber gar nicht gesagt. Aus der Geschichte raus kommt man trotzdem nicht. Gibt man ein Argument, wie man es verbessern könnte, machen sie aus dir einen Gönner, der sich erbarmt den armen doofen Frauen zu helfen. Ich habe zum Beispiel gesagt, dass der Platz viel zu groß ist. Es ist eindeutig zu erkennen, dass sich 70% des Spiels in der Nähe des Mittelkreises abspielt und kaum mal ein Pass über 30 m gespielt wird. Den Hauptteil seiner Distanz legt der Ball am Fuß einer Spielerin zurück. Darum geht es aber in dem Sport leider nicht. Gefragt ist ein Weg zum Tor, der effektiv und erfolgreich ist. Die letzten 20 Minuten eines Frauenfußballspiels sind sehr schwer anzuschauen. Das hat mir meine neue über 90 jährige Freundin bestätigt. Sie sagte, dass es ungeheuerlich war, wie alle Spielerinnen mit Krämpfen zu tun hatten. "Die haben ihre Leistungsgrenze überschritten", meint sie. "Warum verlangen die solch teilweise unmöglichen Dinge von den armen Mädels?" In beinahe jedem Sport der Welt wird versucht, die zu erbringende Leistung denen anzupassen, die den Sport ausführen. Ein junger Kugelstoßer fängt genauso wenig mit einer 6,25 kg schweren Kugel an, genauso wie eine Frau. Aus einem ganz einfachen Grund. Das Ding ist einfach ein bisschen zu schwer. Hürdenlauf ist mein Lieblingsbeispiel. Man stelle sich mal vor, wie es aussehen würde, wenn eine Frau über eine Männerhürde hüpfte. Wie ein Zickenbock. Die Hürde ist einfach kleiner und bei den Olympischen Spielen macht niemand einen Unterschied, ob er nun ein Männer- oder ein Frauenfinale im Hürdensprint gesehen hat. Beides total geil und  beides spannend.

Im Fußball würde solche Anpassung bedeuten, dass das Feld kleiner, der Ball leichter, das Tor kleiner und vielleicht die Spielzeit verkürzt werden sollte. Wenn es irgendwann mal keine Frage mehr darstellen sollte, ob denn jemand "Frauenfußball" guckt oder nicht, kommt man aus meiner Sicht daran nicht vorbei. Es verhält sich da ein bisschen, wie mit "Light-Produkten". Wenn die Light-Version versuchen soll, das Original zu kopieren, gefällt es uns in den meisten Fällen nicht. Es muss sich selbst zu einem Original machen. Manchmal will man das original nicht, weil Cola zum Beispiel fett macht oder Hooligans den eigentlichen Sport stören. Im Männerfußball gibt es viele Dinge, die verändert werden müssten, weil sie stören. Unsinnige Attacken auf Gegenspieler, Spucken, Beleidigungen und Schauspielerei. Da könnte man sich von den Frauen etwas abschauen, das macht sie zu einem Original. Die provozieren sich nicht. Frauenfußball ist grundehrlich. Das erkennt man schon an den Interviews nach einem Spiel.

Als die deutsche Mannschaft am Samstag im WM-Viertelfinale den Platz als Verlierer verließ, waren die deutlichsten und ehrlichsten Kommentare von Spielern und Verantwortlichen zu hören, wie ich es so noch nicht kannte. Niemand hat ein Blatt vor den Mund genommen. Jede einzelne Spielerin war mündig und hat sich tadellos verkauft im Nachhinein. Das zollt mir Respekt ab. Was besseres hätte übrigens den Deutschen Frauen nicht passieren können, als dass sie bei ihrer Heim-WM als Favorit so frühzeitig ausscheiden. Denn jetzt hat der Frauenfußball in Deutschland ein ganz neues und wichtiges Kapitel dazugewonnen. Jede Frau, die sich seit einiger Zeit für Fußball interessiert weiß nun, wie es sich anfühlt, wenn man ausscheidet. So richtig Scheiße. Als Deutschland für mich das erste mal bewusst aus einem WM Turnier ausgeschieden ist (1994 übrigens gegen Bulgarien), hab ich geheult ohne das Spiel gesehen zu haben. Ich war damals in Frankreich im Urlaub und hab es über Mittelwelle gehört. Ganz sicher gibt es jetzt weniger Frauen, die sich darüber wundern, dass Männer manchmal heulen können, wenn ihr Club oder ihr Land versagt hat. Was jetzt fehlt ist noch ein Wembleytor, eine Niederlage in den letzten zwei Minuten eines Spiels bei einer 1:0 Führung und eine furios spielende Mannschaft nach 15 Jahren Durststrecke in allen Wettbewerben. Diese Phrasenhafte Bezeichnung "steckt in den Kinderschuhen" ist so doof gar nicht gewählt. Denn daraus lässt sich eine zu erwartende Entwicklung ableiten. Auch der Männerfußball steckte mal in den Kinderschuhen. Da sind Männer noch mit Hut und Anzug auf das Spielfeld. Auf Ascheplätzen und mit Bällen mit einer Naht so groß, wie eine Thüringer Bratwurst. Das Spiel ist zu dem geworden, was es heute ist, weil die schweren Hüte und die unbequemen Anzüge heute verschwunden sind und weil mittlerweile auf Plätzen gespielt wird, die an einen Golfplatz erinnern und mit einem Ball, der 9000 mal runder und deutlich leichter ist, als der mit der Riesennaht. Sie haben den Platz verkleinert. Die Spielzeiten angepasst und die Regeln verfeinert. Alles um daraus ein Erlebnis zu machen. 

Spannend war das Viertelfinale übrigens. In der 80. Minute hab ich reingeschaltet. Es ging um alles und das Stadion war ziemlich voll. Ausgesehen hat es erstmal total gut. Nur leider konnte eigentlich keine der Mannschaften mit diesem schweren Ball dolle schießen. Der Kommentator tat sich schwer, wirkliche Glanzpunkte festzulegen. Eigentlich hab ich drei Leute zum Gucken eingeladen, aber ich hab es am Ende wohl als einziger gesehen. Aber immer mitdiskutieren wollen. [...] Gibt man Frauenfußball nun letztlich noch bei youtube ein, ist das Ergebnis wieder ernüchternd. "Funny Scenes" steht eigentlich in jedem Viedeotitel. Da fangen Spielerinnen einfach den Ball und gehen durch den Strafraum. Niemand hat es gesehen. Oder es bekommen Spielerinnen den Ball an den Rücken und er ist im eigenen Tor. Nicht ein mal in 10 Jahren, sondern drei mal in einer WM-Vorrunde. Dabei war das Tor der Japanerin Maruyama gar nicht so schlecht. Direkter hoher Ball, perfekt in den Lauf, langes Eck. Deutschland raus. Torjubel ausbaufähig, ansonsten aber tip top. Passiert halt nur so selten.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Lass diese geile frische Luft herein!


Wärmegewitter im Sommer haben einige besondere Eigenschaften, die man auf den ersten Blick nicht so recht erkennen mag. Erstmal ist es einem unwohl und nichts, was man sich wünschen würde. [...] Es ist eine knallharte Geschichte, wenn man es nicht schnell ins trockene schafft. Das Unheil beginnt schon relativ früh. Den ganzen Tag drückt es einem im Oberkörper vor Hitze und man merkt erst auf der Straße, dass der graue Himmel nicht zur gefühlten Temperatur passt. Der aufkommende Wind verrät einem, dass es gleich losgeht. Überall räumen sie weg, was sie greifen können. Die Taxifahrer springen in ihre Autos und die Frau vom Backshop fliegt mit ihrem Aufsteller durchs Bild. Man sieht, wie sich alle Leute orientieren. Jeder guckt in den Himmel und überlegt, wann die Bahn kommt, oder wo der bestellte "Herr Gemahl denn mit dem Auto bleibt?". Der erste Tropfen, den man dann abbekommt fühlt sich an, wie eine Dose Cola so groß. Eigentlich wollte man schnell wieder zu Hause sein und man hätte auf 23 anderen Wegen nach Hause kommen können. Aber jetzt steht man da. Meistens in großen Gruppen vor Einkaufszentren, der AOK oder unter der Markise von einem Café. Den Frauen sieht man plötzlich an, wie sie wirklich aussehen und den Männern, wie viel sie doch für ihre Haare tun. Anders als sie immer zugeben. Taxigemeinschaften sind ein beliebtes Mittel, aber die stehen meist genauso lange, weil alle Taxen unterwegs sind. Tante Lotti aus der Sportgruppe abholen, die bei schönem Wetter eigentlich zu Fuß geht. [...] Wenn man auf die Straße guckt, würde man gern mal den Amazonas sehen. Bestimmt ein geiler Anblick denkt man sich und potenziert die Gosse hoch. Die Leute, die es auf die andere Straßenseite wagen oder aus dem Schutz der Markise, auf die schlägt es ein. Ein bisschen, wie in einem Thermalbad mit Massagedüsen. Volle Kaffeeekanne auf den Rücken. Tropfen so groß, wie Frösche. Die ersten beiden Schichten des Outfits sind in 2,8 Sekunden durch. Man erschrickt richtig, wie in der Freibad-Dusche. Halb angetrunken kann es sogar richtig Spaß machen, wenn man eh nur ein T-Shirt an hat. Da kann man auch mal durch Pfützen springen und jeden zweiten als typisch deutsch bezeichnen, der sein iPad vor Hagelschäden retten möchte. [...] Die Klamotten kleben, wenn man sie zu Hause ausziehen will. Als letztes will man blöde Sprüche hören von denen, die zu Hause saßen und das ganze "schon geahnt hatten". Sensationslust und Schadenfreude sind für mich ganz klar Sünden. Alles, was man zu erzählen hätte, kann man auch sehen. Man ist nass und gerade nochmal mit dem Leben davon gekommen. "Noch Fragen? OK, dann geh ich jetzt ins Bad." Und genau wenn man es ins Bad geschafft hat, kippt die ganze Sache. Die nassen Sachen sind versorgt. Man hat den dicken Pullover an und liegt später mit nassen Haaren auf dem Rücken. Der Puls würde wahrscheinlich vom Hausarzt als erhöht bezeichnet werden und schonwieder schwitzt man. Draußen ist es mittlerweile glasklar und frisch. In einem kitschigen Film bewegt sich jetzt auch noch die Gardine, aber wir haben keine dran.

Im Kopf fügt sich dann alles zusammen. Eine wirkliche Geschichte kann man ja gar nicht erzählen. Denn bis auf dass es geregnet hat und gestürmt, ist eigentlich nicht viel passiert. Doch: Ein Baum ist gespalten und meine zwei Lieblings-ItGirls haben sich durch einen Jahrhundertsturm gekämpft und sahen dabei aus, wie zwei explodierte Puppenständer. Wenn man genauer nachdenkt fällt einem eine Menge ein. Ich bin mir sicher, so entstehen Träume. Aus allem was man erlebt, das ist ja klar. Aber wenn es dann so gehäuft auftritt. Aus allem fügt sich was zusammen. Die vielen Menschen, alle mit demselben Problem. Die Gesichter der Leute. Die vielen Erkenntnisse- zum Beispiel, dass man beim nächsten Gewitter auf jeden Fall der erste ist, der ein Taxi anruft, bevor alle wieder besetzt sind. Die erste Cola Dose ist beim nächsten mal das Zeichen, sich ein Taxi zu rufen.

Meistens geht es schnell, bis man einschläft. In unserem Kopf muss es toben, da bin ich mir sicher. So viel Inspiration hat sonst nur ein Großereignis und man muss sich nur erinnern, wie man nach einem Festival-Wochenende ins Bett fällt. Als Kind ist das etwas ganz besonderes, die fahren noch nicht auf Festivals. Gute Eltern machen ihren Kindern also das Fenster auf und sagen ihnen, dass man nach Gewitter noch 5 Minuten die frische Luft reinlassen muss. Dann hat man die schönsten Träume, die man sich vorstellen kann. Das ist wie mit dem leeren Teller und dem guten Wetter. Wenn man ganz fest dran glaubt, dann klappt das auch wirklich.


Die frische Luft nach einem Gewitter, beschert einem die wunderbarsten Träume.




Mittwoch, 2. März 2011

Donnerstag, 3. Februar 2011

Gebrauchsanweisung für den Umgang mit einer unerwarteten Menschlichkeit

Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt: Der Mensch tut sich schwer im Umgang mit menschlichen Verhaltensweisen im Alltag. Er selbst hat sich angewöhnt, alles zu unterdrücken. Niemand soll teilhaben an seinem Inneren, das gehört ihm ganz allein. So ist zu bemerken, dass wenn es doch mal einem Menschen passiert, dass er seine Emotionen oder sein momentanes Gefühl nicht mehr halten kann, seine Umwelt mit abwehrenden Mechanismen reagiert. (Es sei denn der Gegenüber ist einem über Jahre vertraut, da gestaltet sich das etwas anders.) Dem Menschen ist es unangenehm, sich mit einem Gefühl zu befassen, welches seinem eigenen in dem Moment vollkommen entgegengesetzt ausgerichtet ist. Diesem Phänomen hat sich  der Verhaltensforscher Prof. Dr. men. Augenöffner (wobei "men." in diesem Fall "menschlich" bedeutet) gewidmet und einen kleinen Gebrauchsleitfaden entwickelt für all diejenigen, denen es immer wieder Sorgen bereitet auf der Straße angelächelt zu werden.

Situation 1: Ein fremder Mensch lächelt Sie auf der Straße einfach an

Die erste Regel und die gilt für alle noch kommenden Situationen: Bleiben Sie ruhig! Alle weiteren Ratschläge bauen darauf auf. [...] Die zweite Regel und die gilt ebenfalls für alle im weiteren Verlauf beschriebenen Situationen: Beginnen Sie sich Gedanken zu machen, was diesen Menschen zu seinem Verhalten antreiben könnte, ohne ihr eigenes momentanes Gefühl einfließen zu lassen.
Der Mensch, der sie anlächelt tut dies nicht, um sie auf ihre eigene missliche Lage hinzuweisen. Womöglich findet er Sie hübsch oder noch verrückter- vielleicht möchte er Sie heiraten. Ein zorniges Gesicht könnte ihn möglicherweise verscheuchen, davon ist abzuraten. Stellen Sie sich einfach vor, der Mensch hat gerade gute Laune, ein gut ausgeprägtes Selbstbewusstsein und glaubt mit einem Lächeln in ihre Richtung, auch Ihnen etwas von seinem positiven Gefühl abgeben zu können. Aus einem erwiderten Lächeln sollen sich ganze Beziehungen ergeben haben, heißt es in der Wissenschaft.

Situation 2: Ein halbfremder Mensch grüßt Sie in der Öffentlichkeit

Ruhig bleiben ist wieder angesagt! In den meisten Fällen hat es erstmal niemand bemerkt, dass Ihnen jemand mit der Hand einen Gruß geschickt hat. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es auch niemand bemerken wird, wenn Sie ihn zurückgrüßen. Aber seien Sie vorsichtig. Ein Gruß zurück erzeugt eine unkontrollierbare Nähe zwischen Ihnen und dem Halbfremden. Es könnte dazu kommen, dass Sie schon beim nächsten Aufeinandertreffen mit demjenigen reden müssen. Überlegen Sie es sich also gut. Die Frage ist an der Stelle wieder: Was bewegt diesen Mann aus dem Fitness-Studio, mich zu grüßen? Eine Antwort darauf ist schwer zu finden, das hängt zu sehr vom jeweiligen Einzelfall ab. Aber in Frage kommen zum Beispiel wieder solch banale Dinge, wie Sympathie oder einfache Wiedererkennung. Manchmal grüßen Menschen auch bloß aus Versehen jemanden anders, Verwechslungen sind in diesem Szenario immer möglich. Selten bis gar nicht, so viel kann gesagt sein, will Ihnen jemand aber etwas Böses im Sinne einer öffentlichen Bloßstellung. Uninspiriertes Wegblicken mit der Botschaft: "Ich hab dich gar nicht gesehen", hat auf beiden Seiten ausschließlich negative Folgen, denn der Gegenüber bemerkt, wenn Sie ihn sehr wohl gesehen haben. Die für Sie unwahrscheinlichste aller Möglichkeiten, dass Sie jemand nett findet, hat in der Praxis eine erstaunlich hohe Quote. Wir reden hier von über 90%!

Situation 3: Ein Sehrfremder berührt Sie ohne zu fragen

An dieser Stelle muss sehr differenziert vorgegangen werden. Berührungen zeichnen sich sowohl durch ihre Intensität, die Körperstelle als auch durch ihre Dauer aus. Aber in erster Linie ist die Intention zu hinterfragen. Ein Schlag in ihr Gesicht bietet keinen allzu großen Interpretationsspielraum. In einer solchen Situation können Sie dem Fremden ruhig mit Argwohn begegnen. Fässt Ihnen aber jemand von hinten an die Schulter (an dieser Stelle bitte kein Lied anstimmen, das lässt den Respekt vor dem Ernst der Lage vermissen!), sind sehr viele Optionen möglich. Ein Sehrfremder hat, wenn er mit Ihnen versucht durch eine Berührung in Kontakt zu kommen, meistens jede verbale Möglichkeit ausgeschöpft. Um Ihnen etwas mitzuteilen, braucht er Ihre Aufmerksamkeit, die er durch wiederholtes: "Bitte entschuldigen Sie!" aber nicht auf sich lenken konnte. In den Forschungen von Prof. Dr. men. Augenöffner nehmen Gründe wie: Hinweise, höfliche Fragen oder kleine Bitten fast 75% des gesamten Spektrums ein.
In Extrembereichen, die sich durch Umarmungen oder gar Küsse auszeichnen, spielen häufig starke emotionale Beeinflussungen eine Rolle. Herr Prof. Dr.  men. Augenöffner hat herausgefunden, dass es Menschen gibt, die ihr eigenes empfundenes Glück oft unkontrolliert mit anderen teilen möchten. In so einer Situation bietet es sich bei entsprechendem Geruch des Gegenübers an, sich von ihm oder ihr auf ein Getränk einladen zu lassen. Selbstverteidigung und Würgegriffe, gern als Reaktion darauf benutzt, haben wiederrum negative Folgen. Der Sehrfremde wird sein Glück aller Voraussicht nach nicht nochmal mit Ihnen teilen wollen. Sollten Sie sich auf die Schnelle von der Intention des Sehrfremden kein Bild machen können, bietet die Schockstarre einen Moment zum Nachdenken.

Situation 4: Ein Bekannter stellt Ihnen eine neugierige Frage

Mit "Bekannter" ist an dieser Stelle jemand gemeint, den Sie schon des öfteren gegrüßt haben. Es gibt zwischen Ihnen einerseits eine gewisse Vertrautheit, denn Sie würden ihn unter tausenden am Gesicht erkennen, aber anhand seines Lieblingsliedes würden Sie es wahrscheinlich nicht. Wenn Ihnen nun ein solcher Bekannter ganz plötzlich auf einer Party z.B. mitten im Gespräch eine ausnahmsweise nicht oberflächliche Frage stellt, müssen Sie als allererstes wieder ruhig bleiben. Sie können davon ausgehen, dass er nicht vom BKA verwanzt ist und niemand mithört. Schritt zwei ist wieder: Versuchen sie zu ergründen, warum Ihnen der Gegenüber eine solch intime Frage stellt. Dafür gibt es die verrücktesten Erklärungen. Oft tragen Menschen, wie Sie ihr Inneres ungewollt durch Mimiken und Gesichtsausdrücke nach außen. In dem Moment, in dem Sie jemand danach fragt, "ob denn alles in Ordnung ist", können Sie davon ausgehen, dass ihr Gesicht einen anderen Eindruck vermittelt. Damit sind Sie aber kein Einzelfall, eine Schockstarre ist hier unangebracht. Da es sich bisher lediglich um einen "Bekannten" handelt, können Sie frei heraus antworten. In den meisten Fällen, hat der Bekannte es bereits am nächsten Tag vergessen. Sollte er es nicht vergessen haben und sich vielleicht auch noch bei Ihnen melden, besteht die Möglichkeit, dass er ein gesteigertes Interesse an Ihnen entwickelt hat. Hier können Sie immernoch in alle Richtungen entscheiden, der Bekannte nimmt es Ihnen zu 80% nicht übel, wenn Sie nicht weiter darüber sprechen wollen. Die anderen 20% sind übrigens verliebt in Sie. Dazu hat Prof. Dr. men Augenöffner aber keine weiteren empirischen Ergebnisse, die veröffentlicht werden könnten.

Situation 5: Niemand redet, lächelt, berührt oder fragt in Ihre Richtung

Hier kommt es im Besonderen darauf an festzustellen, ob Ihnen das gefällt oder nicht. Sollten Sie mit Ihrer Ruhe um Sie herum zufrieden sein und sich wohl fühlen, haben Sie in der Vergangenheit immer die richtigen Signale gesendet. Sie haben es geschafft. Sollte diese Situation aber dazu führen, dass sie sich einsam und allein fühlen, ist hier die erste Regel: Gehen Sie vor einen Spiegel und betrachten Sie sich selbst! Suchen Sie nach horizontalen Falten in ihrem Gesicht und wägen Sie sie gegen die vertikalen auf. In den meisten Fällen ist das Verhältnis unausgeglichen zugunsten der vertikalen Falten. (Positive Emotionen und Erlebnisse sorgen für horizontale Falten, negative für vertikale. Man kann das nachprüfen, indem man sich mal lachend und zornig vor den Spiegel stellt). Nachdem Sie ihr Faltenverhältnis geprüft haben, müssen Sie den Willen entwickeln, sich aus dieser Situation zu befreien. Wie man Willen entwickelt haben Forscher bisher nicht ergründen können. Das ist immer experimentell. Sollten Sie dann über den nötigen Willen verfügen, gehen sie raus auf die Straße und zwingen sich dazu, Fremde/Halbfremde/Sehrfremde oder Bekannte anzulächeln. Lassen Sie ihr iPhone zu Hause und fragen sie Fremde nach dem Weg. Nach einem Gewinn in der Lotterie, suchen Sie sich ein hübsches Mädel, nehmen es in den Arm und laden es auf einen Latte Macchiato ein, am besten gleich um die Ecke. Steigern Sie die Intensität kontinuierlich, bis aus Fremden schließlich Bekannte werden und möglicherweise vielleicht Freunde. Und tun Sie sich den Gefallen und schauen sie nach getaner Arbeit wieder in den Spiegel. Es hat schon Situationen gegeben, da stand plötzlich jemand neben einem und putzt auch seine Zähne.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Der bekloppte Frosch

Jetzt brauch ich nur noch einen farbigen Umhang und eine schneidige Frisur. Dann bring ich mir durch technische Hilfsmittel noch das Fliegen bei und es dauert nicht mehr lange... Dann rett ich die Welt und alles wird gut. Macht euch keine Sorgen, ich hab alles im Griff. Aber ihr müsst mir alle helfen. Allein schaff ich das nicht, so viel steht fest. [...] Doppelpass alleine? Vergiss es! Ihr erinnert euch hoffentlich.

Die Frage, die ich mir seit langem Stelle ist: Was kann uns so sehr beeinflussen, dass wir Dinge tun, die wir bei klarem Verstand niemals tun würden? Ich finde es zum Beispiel nicht normal, dass wir bewusst unsere Handyrechnungen belasten, damit wir unserem Banknachbarn in der Schule den "bekloppten Frosch" schicken können. Wir tun sowas wirklich und freuen uns über das anerkennende Lächeln mehr, als das wir uns über das schweineteure Jamba-Sparabo ärgern. Das ist völlig OK, meine Anerkennung ist mir 5,-€ im Monat wert. [...] Was wir nicht alles abbonieren und was wir nicht alles unbedingt haben wollen, damit wir "glücklich" sind. Auf den Getränkebehältern bei Mc Donald's stand zum Beispiel folgender Satz: "Kennt ihr das auch? Ihr habt einen saftigen Burger und das erste an das ihr denken könnt, ist eine erfrischende Coca Cola..." Das ging noch ein bisschen weiter, aber darum geht es nicht. Ich kenn das Gefühl auf jeden Fall. Wenn man aber eine Sekunde länger darüber nachdenkt, fällt einem der völlig übersalzene Burger wieder auf. Man könnte eine ganze Regentonne aussaufen nach einem BigMac. Man manipuliert uns und gibt uns dann auch noch das Gefühl, wir wären selbst auf die Idee mit der erfrischenden Cola gekommen. Und wir denken, es sei unser ganz speziell eigenes Problem.

Die kommen in unseren Kopf und wir merken es nicht. Das ist genauso faszinierend, wie es beängstigend ist. Das wirft für mich als neuen Superhelden die Frage auf, wie man das nutzen könnte. Man stelle sich mal vor, nicht der Gewinn aus der Werbebranche und die Rendite wären Intention dieser Bewusstseinsmanipulation, sondern das Interesse unsere Welt wirklich etwas gerechter und besser zu machen. Das müsste doch zu erreichen sein. Das Gegenteil funktioniert doch auch.

Wir fangen erstmal mit dem Nachmittagsprogramm der Privatsender an. Anstelle von Barbara Salesch und den "Verdachtsfällen" zeigen RTL, PRO7 und SAT1 Berichte über schmelzende Polkappen und bedrohte Tiger in Sibirien. In den Werbepausen kommen Spots für frisches Obst und Gemüse und ein Hinweis darauf, wie man diese zu einer Speise zubereitet. Kein Mc Donald's, kein Kinder Pingui und kein Katjes- alles weg einfach so. Wenn Mutti dann abends nach Hause kommt, sieht sie sich nicht an, wann heute Sex and the City läuft, sondern bekommt einen Hinweis, dass sie ihren Kindern doch mal wieder aus einem Buch vorlesen könnte, oder mit ihnen zusammen malt inkl. Vorschläge, wie man mit den Kunstwerken die Wohnung verschönern könnte. Wenn Papa Fußball guckt, heißt es in der Halbzeit: "Du brauchst kein neues Auto, dein Altes fährt noch 15 Jahre. Sauf nicht so viel Bier, koch dir mal einen Tee. Und die Gartenarbeit macht sich mit der Gartenkralle auch nicht von allein, Rückenschmerzen kriegst du so oder so."

Wir schaffen diese ganze Scheiße ab. Wir erklären den Leuten, dass es logisch ist, dass im Wedding 90% der Straftaten von "Ausländern" begangen werden, weil dort fast nur Nicht-Inländer wohnen. Wir machen einfache Mathematik, die jeder versteht und lassen nicht diese wichtigen Informationen weg. Wir reinigen unsere Medienlandschaft von sinnlosen Berichten über die Brüste von Dings und über die Ehe von Bumms und wir lassen Menschen zu Wort kommen, deren Stimme niemand hören kann seit Jahren. Keine Videoboxen mehr bei TV Total, in denen wirklich hirnamputierte Leute dazu gezwungen werden, nicht zu wissen, wo der Magen ist oder Berlin. ("Muss auf jeden Fall nah beinander liegen, irgendwo hier unten.")

Wenn von heute auf morgen alles, was bisher negativ berichtet wird, durch Positives ersetzt würde- Ich glaube, all unsere Probleme lösen sich in Luft auf. Wir haben keine Sorgen mehr mit dem Klima, unsere Kinder verdummen nicht und werden immer fetter, wir bekommen keine Depressionen und wir haben keinen Krieg mehr. Mir ist klar- diese Insel heißt "Utopia" und ich mit meinem Umhang krieg das sicher nicht geregelt, aber wenn wirklich mal alles auf der Kippe stehen sollte und wir uns zerfleischen, dann will ich, dass wir darüber nachdenken. Ich melde mich freiwillig, das Konzept zu schreiben. Als Platon in seinem Höhlengleichnis die Erkenntnis als das Ergebnis eines Willensprozesses dargestellt hat, wusste er noch nicht, dass wir im 21. Jahrhundert durch die Medien betäubt werden. Er ging davon aus, dass der Willige sich selbst befreit aus seiner Unwissenheit. Heute sieht die Welt aber anders aus. Wir waschen den Menschen das Gehirn so lange, bis sie glauben, sie wären selbst auf die Idee gekommen. Und das nutzen wir aus. Es wird nicht heißen: "Ja, ich will ein Regenfass Cola oder ich verdurste!" sondern: "Ich möchte uns allen helfen, indem ich mich einbringe mit dem was ich weiß!" [...] Das wären total spannende Zeiten und wir würden Geschichte schreiben.

Sagt bescheid, wenn's losgeht. Solange guck ich noch das Dschungelcamp. Der Langhans ist gerade dort, die arme Sau. Kannst du eigentlich keinem erzählen. Der hat auch mal Geschichte geschrieben und die Welt verändert und guckt ihn euch heute an. Bin ich froh, dass ich nie bei einem Casting war, sonst stünde mir das womöglich auch noch bevor.